Musik spielt die erste Geige

+
„Never Mind“ mit (von links): Marvin Lubczyk, Julia Ludwig, Meike Ludwig, Tobias Jäger, Dominik Kern und Jana Kronenberger.

Jügesheim - In kaum einer anderen Rodgauer Kirchengemeinde swingt, singt und rockt es so sehr wie in der evangelischen Emmausgemeinde Jügesheim.

Was in anderen Kirchengemeinden Normalität ist, gehört in der evangelischen Emmausgemeinde eher zur Ausnahme: Gottesdienste nur mit Orgelklängen. Im Gemeindezentrum an der Berliner Straße hingegen jubilieren mehr als 40 Chorstimmen, rockt und swingt es, wechselt der Blues zum mitreißenden Gospelsong, klatschen die Gottesdienstbesucher den Takt.

Die Gemeinde verfügt nicht über über Chor und Flötenkreis, sondern auch über drei Bands: „Soul Feeding“, „Never Mind“ und „Take 5“. Die vierte Band, „Spirit“, hat sich im Frühsommer mit dem Weggang von Pfarrer Andreas Goetze nach Berlin aufgelöst.

René Frank am Piano.

Jüngstes Kind in der Emmaus-Musikfamilie ist die Jugendband „Never Mind“ unter Leitung von Pop-Kantor René Frank. Seit einem Jahr proben sieben Jugendliche sonntags im evangelischen Gemeindehaus: Julia Ludwig, Meike Ludwig und Corinna Asmus (alle Gesang), Jana Kronenberger (E-Piano), Marvin Lubczyk (Gitarre), Dominik Kern (Bass) und Tobias Jäger (Schlagzeug). Alle Bandmitglieder wurden in der Emmausgemeinde konfirmiert und können auf vielfältige musikalische Erfahrungen zurückgreifen: Sie haben Gesangs- und Instrumentalunterricht erhalten, in Chören gesungen und an Musikwettbewerben teilgenommen. Zum Repertoire gehören Stücke wie „Summer of 69“ von Brian Adams, „Rusted From the Rain“ von Billy Talent und „Wake Me Up When September Ends“ von Green Day. Die Bezeichnung „Never Mind“, was so viel wie „Macht nichts“, „Sorge dich nicht“ bedeutet, ist übrigens dem Zufall zu verdanken: Als die neue Formation nach einem griffigen Namen suchte, trug der Drummer gerade ein T-Shirt mit der Aufschrift „Never Mind“.

Die Seele füttern

„Soul Feeding“ (zu deutsch: „Die Seele füttern“) nennt sich die erste Band, die René Frank vor siebeneinhalb Jahren in der Emmausgemeinde ins Leben rief. Pfarrer Goetze hatte den Kirchenmusiker und Musiklehrer an der Georg-Büchner-Schule mit seiner damaligen Sacropop-Band „Insigna“ schätzen gelernt und in die Gemeinde geholt.

Drei Gründungsmitglieder von „Soul Feeding“ sind noch heute aktiv: Catherine Langer, Jennifer Bolender (beide Gesang) und Svenja Asmus (Gesang und Altflöte). Außerdem dabei sind Ilka Ludwig (Gesang und Querflöte), Marvin Goetze (E-Gitarre), Felix Safosnik (E-Bass) und René Frank am Piano. Die Band hatte bereits eine Reihe auswärtiger Auftritte von Dudenhofen bis Heidelberg: „Wir haben schon über den eigenen Kirchturm hinausgeblickt“, sagt Frank stolz.

Während „Never Mind“ auf rockige Rhythmen setzt, liegen die Schwerpunkte von „Soul Feeding“ mehr auf christlicher und weltlicher Popmusik und geistlichen Balladen. „Es ist eine eher ruhige Band“, stellt René Frank fest. Ruhiger geht es im Moment auch deshalb zu, weil der Schlagzeuger berufsbedingt ausscheiden musste. Nun sucht die Band einen neuen Drummer oder eine Drummerin: 18 bis 23 Jahre alt mit Begeisterung für Pop und christliche Musik.

Gesucht werden auch Tenöre und Bässe für den Emmauschor, ebenfalls geleitet von René Frank. Obwohl der Chor eine stattliche Stärke von mehr als 40 Mitgliedern hat, herrscht traditionell Mangel an Männerstimmen. René Frank erklärt das unter anderem mit dem Stimmbruch: „Während sich bei Frauen stimmlich kaum etwas verändert, haben Männer nach den zwei bis drei Jahren Stimmbruchpause oft keine Lust mehr am Singen.“

Auftritt in der Mannheimer SAP-Arena

Auch der Chor besteht seit siebeneinhalb Jahren. Größtes Ereignis war im Februar der Auftritt in der Mannheimer SAP-Arena als Teil eines über 2 800 Stimmen starken Chores mit dem Pop-Oratorium „Die zehn Gebote“. Im April wurde es in kleinerer Besetzung in der Aula der Georg-Büchner-Schule aufgeführt.

Großes steht am 22. September auf dem Plan: Um 12 Uhr mittags singt der Emmauschor gemeinsam mit dem Frankfurter Gospelchor im Hauptbahnhof gegen Armut und Ungerechtigkeit in der Welt. Ort des Auftritts ist der Querbahnsteig zwischen den Gleisen 4 und 5. Zeitgleich werden etwa 12 000 Stimmen in ganz Europa und Afrika auf die weltweite Not aufmerksam machen.

Schließlich gibt es noch die Jazz-Formation „Take 5“. Sie betrachtet die Emmausgemeinde als ihre Heimat und probt dort, während die Auftritte auch anderswo stattfinden. „Take 5“ ist auf sieben Mitglieder angewachsen, darunter eine Sängerin. Die Leitung hat Michael Jäger.

Und dann gibt es noch den Flötenkreis mit Kerstin Zinn, der klassische und moderne Stücke zu Gehör bringt, oft gemeinsam mit der Orgel.

Existiert ein Patentrezept, so viele Menschen zum gemeinsamen Musizieren zu motivieren und auch zu halten? Kantor Frank überlegt. „Vielleicht spielt es eine Rolle, dass ich mich bemühe, jeweils mehrmals im Jahr mit den einzelnen Gruppen etwas zu unternehmen. Das schweißt zusammen. Es ist wichtig, dass über die Musik hinaus auch Freundschaften entstehen“, meint er dann. Gibt es da überhaupt noch Freizeit, wenn auch noch Chor und Bläsergruppe an der GBS sowie eine Musicalgruppe in Heusenstamm zur Emmaus-Arbeit hinzukommen? Der Vollblutmusiker lacht: „Ich komponiere auch noch und schreibe Bücher, über Musik und über Numismatik.“ Wenn René Frank mal nicht musiziert, ist er begeisterter Münzsammler. Soeben ist sein neues Buch „Goldene Zeiten – Die bewegte Geschichte europäischer Goldmünzen“ erschienen.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare