Laptop und WLAN in jeder Gruppe: Stadt Rodgau investiert 370.000 Euro

Rodgauer Kitas digital an der Spitze

Mit dem Laptop auf dem Sofa: Computer und digitale Medien gehören in den Kindertagesstätten der Stadt Rodgau zum Alltag.
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Mit dem Laptop auf dem Sofa: Computer und digitale Medien gehören in den Kindertagesstätten der Stadt Rodgau zum Alltag.

Neben Bausteinen, Buntstiften und Spielen gehören auch Computer zum Alltag im Kindergarten – zumindest in Rodgau. Die Stadt hat alle 15 städtischen Kitas mit digitaler Technik ausgestattet. Jede der etwa 70 Gruppen verfügt über einen Laptop, die Funksignale reichen bis in die letzte Ecke. „Ich kenne keine andere Kommune, die auf diesem Standard ist“, sagt Erster Stadtrat Michel Schüßler.

Rodgau - Mit etwa 370 000 Euro hat die Stadt Rodgau ihre Kindertagesstätten digital aufgerüstet. Der Erfolg: Sie waren „zu Beginn der Pandemie besser ausgestattet als so manche Schule“, wie Bürgermeister Jürgen Hoffmann sagt.

Das zeitliche Zusammentreffen ist Zufall. Von der Idee bis zur Umsetzung dauerte es zweieinhalb Jahre. Die Anregung stammte aus einer Personalversammlung. „Da hing mehr dran, als wir damals geglaubt haben“, so Hoffmann.

Es ging nicht nur um die technische Herausforderung, 15 Kindertagesstätten trotz dicker Wände mit WLAN zu versorgen. Intensive Diskussionen beschäftigten sich mit der Frage der Endgeräte. Auch die Datensicherheit war ein wichtiger Gesichtspunkt. Parallel dazu erarbeiteten zehn pädagogische Fachkräfte zusammen mit der Fachberatung die Qualitätsstandards für den Umgang mit digitalen Medien.

Rodgau: Medienerziehung fängt in der Kita an

Zum Bildungsauftrag gehöre auch die Medienerziehung, sagt Agata Schnur, die Leiterin der Kita Turmstraße. „Wir setzen uns kritisch mit den Medien auseinander und betrachten alles unter dem Gesichtspunkt, was Kinder im Kindergartenalter schon können und brauchen.“ Dabei sei es wichtig, die Balance zwischen Mediennutzung und freiem Spiel zu halten.

Auf Augenhöhe mit den Kindern erarbeiten sich die Erzieherinnen die digitalen Medien als Werkzeug, Informationsquelle und Mittel zur Kommunikation.

Das läuft zum Beispiel so: Ein Mädchen fotografiert ein selbst gemaltes Bild. Die Erzieherin überträgt es auf den Laptop und schreibt dazu, was das Kind über sein Bild sagt. Dabei entsteht ganz nebenbei eine weitere Seite für das Portfolio, das die Entwicklung des Kindes dokumentiert.

Kinder und Erzieherinnen suchen Informationen im Internet, zum Beispiel über Fernsehfiguren wie die Hunde der „Paw Patrol“. Dabei bietet sich die Gelegenheit, über den Unterschied zwischen Fiktion und Wirklichkeit zu sprechen.

Videogespräch mit den Kindern in der Nachbargruppe

In der Pandemiezeit ist auch die Online-Kommunikation wichtig. Obwohl sich die Kinder zurzeit nur in ihrer Gruppe aufhalten dürfen, können sie per Videoschaltung den Kontakt zu Spielkameraden in anderen Gruppen halten. Die Erzieherinnen nutzen die Konferenz-Software für ihre Teamsitzungen. Auch Elterngespräche finden online statt, weil die Tür-und-Angel-Gespräche notgedrungen kurz ausfallen.

Die technische Ausstattung kam genau rechtzeitig, um im Kita-Lockdown kleine Videofilme und andere Angebote zu produzieren. Da gab und gibt es zum Beispiel Bilderbuch-Videos, Online-Turnstunden oder Tierrätsel. Am Übergang zum eingeschränkten Regelbetrieb erklärten Kinder per Video die neuen Verhaltens- und Hygieneregeln.

Den Erzieherinnen ist es wichtig, nah bei den Kindern zu bleiben, wie Leiterin Agata Schnur aus der Kita Turmstraße betont: „Das Wichtigste ist nach wie vor der persönliche Kontakt. Die digitalen Medien geben das nicht zurück. Aber sie helfen uns, über diese Zeit hinwegzukommen.“

Von Ekkehard Wolf

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