Nicht nur einfach abgefüttert

Suppenküche „5 und 2“ sucht Freiwillige und Spender

+
Die Schnippelfrauen haben Spaß: Konzentriert putzen sie im Gemeindesaal Gemüse und Salat. Sie sortieren aus, schälen, hacken und hobeln. Was nicht gleich verarbeitet werden kann, wird in der Tiefkühltruhe eingefroren.

Nieder-Roden - Viele freiwillige Helfer packen wieder an, damit Bedürftige zu einem warmen Mittagessen kommen und ein bisschen Abwechslung in ihrem Alltag haben. Deswegen ist jeden Mittwoch in der Pfarrgemeinde St. Matthias in Nieder-Roden Stühlerücken angesagt. Von Simone Weil

Im Gemeindesaal bewirtet die Hilfsaktion Suppenküche „5 und 2“ 80 bis 100 Tischgäste mit einer selbst gekochten Mahlzeit. Willy Jörg ist heute wieder um acht Uhr da und stellt mit den anderen Männern Tische und Stühle auf. Andere Freiwillige decken ein, damit sie später nur noch die gefüllten Teller auftragen müssen. Sie bedienen ihre Tischgäste, denn die sollen nicht Schlange stehen. Heute servieren die Freiwilligen ihnen eine Pilzrahmsuppe und Nudeln mit Ragù alla Bolognese.

Doch bis es soweit ist, haben die Schnippelfrauen und das Kochteam noch zu tun. Sie verlesen die Kopfsalate, die noch ein paar Blätter lassen müssen, putzen Champignons und Lauch und schneiden alles fein, schälen Karotten und hobeln Radieschen. Was heute nicht im Kochtopf landet, frieren die Helfer ein. Dank einer Kühltruhe im Keller können die Suppenküchenmitarbeiter auch gespendete Lebensmittel verarbeiten, die nicht sofort verbraucht werden.

Die Schnippelfrauen sind gut drauf: „Mitzumachen ist zu empfehlen, es ist lustig“, sagt Edith Kail. Die anderen Damen pflichten bei. Denn außer bei der freiwilligen Arbeit kommen die Helfer beim monatlichen Stammtisch zusammen und unternehmen auch einen Jahresausflug. Alles sind sich einig: „Das ist ein gutes Team.“

Warum Hühnersuppe so heilsam ist

Und doch gibt es ein Problem: Händeringend sucht die Gruppe Helfer – und zwar unabhängig von Konfession und Herkunft. Für alle Aufgaben braucht die Suppenküche weitere Unterstützer. Das fängt beim morgendlichen Aufbau an, geht übers Schnippeln und Kochen bis hin zum Servieren. Über zwei oder drei Fachkräfte in der Küche wären die ehrenamtlichen Helfer ebenfalls sehr froh. Das würde das bestehende Team um Koch Uwe Stasch entlasten. Das Dilemma: Im Prinzip sind alle Helfer Rentner und die werden eben auch nicht jünger.

In der Küche brodelt derweil die Bolognese auf dem Herd. Zwischen 80 und 100 Tischgäste bewirten die freiwilligen Helfer im Durchschnitt, da sind große Töpfe nötig. Weil immer häufiger auch Flüchtlinge zu Besuch kommen, macht sich die Initiative auch Gedanken über deren Essgewohnheiten. Da nach islamischen Recht für Muslime nicht immer alle angebotenen Speisen „halal“, also erlaubt sind, gibt es in der Suppenküche oft Alternativen. Nicht immer ist ein großer Aufwand möglich. Heute bekommen die Tischgäste einfach eine Tomatensoße zu den Nudeln.

Übrigens sind nicht alle Besucher bedürftig, manche Gäste kommen auch ins Pfarrheim, damit sie daheim nicht alleine essen müssen. Denn bei der Hilfsaktion geht es um mehr als ums schlichte Abfüttern. Die Macher wollen, dass sich ihre Gäste wohlfühlen und versuchen, ein offenes Ohr für ihre Probleme zu haben.

Auch die Strickfrauen sind jeden Mittwoch zu Gast. Aus acht Handarbeitsexpertinnen besteht die Runde, wenn sie vollzählig ist. Sie waren auf der Suche nach einem geeigneten Raum für ihre Treffen im Pfarrheim gelandet.

Vollwert-Ernährung: Clean Eating ist in Mode

Inzwischen gibt es ein Schild, mit dem regelmäßig der für sie reservierte Tisch belegt wird. Schließlich bot es sich aus Sicht von Ursula Appel an, im Anschluss an die Handarbeitszeit auch noch im Gemeindesaal zu essen. „Wir stricken zusammen, dann können wir auch zusammen essen“, befand die ältere Dame. Und genauso halten es die Strickfrauen auch, die ihre selbst gemachten Produkte wie Strümpfe, Babyjäckchen, kleine Tiere, Mützen und noch mehr für den guten Zweck verkaufen und den Erlös spenden.

Die ganzjährige Hilfsaktion, die mittwochs von 12 bis 13.15 Uhr all jene bewirtet, die sich im Pfarrheim von St. Matthias einfinden, ohne deren Bedürftigkeit zu überprüfen, finanziert sich ausschließlich über Spenden. Kontakt: Telefon 06106/2599308.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare