Weihehandlung voller Symbolik

Rollwald feiert seine neue Kirche

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Rollwald - Bei strahlend schönem Kirchweihwetter feierte die katholische Gemeinde St. Matthias am Sonntag die Weihe ihrer Filialkirche in Rollwald. „Das ist ein denkwürdiger Tag“, betonte der Mainzer Bischof, Kardinal Karl Lehmann. Von Ekkehard Wolf

Der Neubau sei ein schönes Zeichen in einer Zeit, in der die Bedeutung der Kirche in den Augen vieler Menschen abnehme. Der Bischof dankte dem Architekten sowie Künstlern und Handwerkern: „Es ist ein gelungenes Ganzes geworden.“ Er rief die Menschen dazu auf, an der Kirchentür nicht vorbeizugehen, sondern einzutreten, „und wenn es nur ein paar Minuten sind“.

Mehr als 200 Gläubige feierten das Pontifikalamt in der Kirche und dem angrenzenden Gemeindesaal, weitere 150 verfolgten die Zeremonie im Freien auf einem Bildschirm. Für die meisten dürfte es das einzige Mal im Leben sein, dass sie die Weihe einer Kirche miterleben. Für Pfarrer Dr. Peter Eckstein war es die erste Kirchweihe im Amt - und für Kardinal Lehmann die erste Weihe eines Neubaus seit 14 Jahren.

Bischof Lehmann entzündet Weihrauch an fünf Stellen des Altars.

Pfarrer, Ministranten und alle anderen Beteiligten hatten drei Mal für den großen Tag geprobt. „Die Weihe einer Kirche ist mit vielen Riten und Symbolen gespickt“, sagte der Bischof einleitend. Dabei handele es sich teilweise um uralte Zeichen. Raum, Altar und Menschen wurden mit Weihwasser besprengt, das an die Taufe erinnert und der Reinigung dient. Nach einer Anrufung der Heiligen senkte der Bischof das versiegelte Reliquienkästchen in den Altar; die Öffnung wurde anschließend zugemauert. Der Bischof salbte die Ecken und den Mittelpunkt des Altars. Dann entzündete er an diesen fünf Stellen Weihrauch, der wie die Gebete der Menschen in den Himmel steigt. Kniend begleiteten die Gläubigen diesen Teil der Zeremonie. Nach einem Weihegebet war der Altar bereit für die erste Eucharistiefeier. Nach zwei Stunden Gottesdienst feierten Hunderte auf dem frisch eingesäten Rasen ihr erstes Gemeindefest an der neuen Kirche.

Erster Neubau seit vielen Jahren

Mit der Einweihung der neuen Heilig-Kreuz-Kirche ist für die katholische Gemeinde St. Matthias ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung gegangen. Die neue Kirche (100 m²) mit Gemeindesaal (50 m²) und Nebenräumen ersetzt zwei Pavillons der Jahre 1971 und 1985. Vor fünf Jahren, im Juni 2009, stellten Pfarrer Dr. Peter Eckstein und der Verwaltungsrat St. Matthias der Gemeinde die Eckpunkte des Projekts vor.

Architekt Uwe Kollmenter (rechts) und Projektleiter Heribert Söllner mauern das Reliquienfach des Altars zu.

Zu diesem Zeitpunkt waren Kirchen- und Gemeindepavillon schon lange sanierungsreif. Wie soll die neue Kirche aussehen? Antworten auf diese Frage lieferte ein Architektenwettbewerb. Nach intensiven Diskussionen innerhalb der Gemeinde beauftragten Pfarrer und Verwaltungsrat nicht den Sieger des Wettbewerbs, sondern den Drittplatzierten, das Architekturbüro Kollmenter + Fink aus Rollwald. Uwe Kollmenter hatte als Einziger eine Kirche mit Giebeldach entworfen. Die Proportionen des Gebäudes und die Dachneigung erinnern an die ersten Siedlungshäuser, die in den 40er / 50er Jahren in Rollwald errichtet wurden. Ungewöhnlich ist nicht nur die Offenheit, in der die Kirchengemeinde über ihre neue Filialkirche diskutierte.

Fest zur Heilig-Kreuz-Kirche in Rollwald

Fest zur Heilig-Kreuz-Kirche in Rollwald

Auch die Finanzierungszusage des Bistums Mainz geht weit über das normale Maß hinaus. Mainz trägt 75 Prozent der Baukosten statt der üblichen 50 Prozent. Die Gemeinde muss also 200.000 der 800.000 Euro selbst aufbringen. Der Kostenrahmen wurde übrigens eingehalten, wie Heribert Söllner, der Projektleiter des Verwaltungsrats, zufrieden berichtet. Gegen Spenden gab die Gemeinde alte Kirchenfenster und -bänke ab.

Aus Resten alter Altarkerzen wurden neue Kerzen gegossen. Großen Anklang fand ein Buch mit Bildern und Texten aus dem Leben der Pfarrgemeinde: „Kirche? Um Gottes Willen!“ Die Rollwald-Kirche ist der erste Kirchenneubau im Bistum Mainz seit 14 Jahren. Zuletzt hatte Bischof und Kardinal Karl Lehmann im August 2000 die Kirche „Jesus Christus - der gute Hirte“ im Frankfurter Stadtteil Nieder-Erlenbach geweiht, davor 1995 die Herz-Jesu-Kirche in Lampertheim-Hüttenfeld und 1992 den Neubau von St. Bernhard in Mainz-Bretzenheim.

Helles Haus mit Liebe zum Detail

Pfarrer Dr. Peter Eckstein besprengt den Raum mit Weihwasser.

Außen rostrot, innen weiß: Die neue Heilig-Kreuz-Kirche wirkt schnörkellos modern. Die Fassade aus Cortenstahl setzt einen Farbakzent. Die Außenwände: Holz, grau und gradlinig. Wer in die Kirche hineingeht, tritt ins Licht. Wände, Decke, Altar, Sitzbänke – alles ist weiß. Indirekte Beleuchtung lässt die Raumdecke erstrahlen. Fensterbänder lassen den Raum größer wirken und erzeugen ständig wechselnde Lichtspiele. Die Innenausstattung verzichtet auf alles Überflüssige. Dennoch verrät sie Liebe zum Detail. Drei Beispiele:

  • Die Bänke: Die Seitenwangen der weiß lasierten Bänke aus Lärchenholz haben an der Spitze exakt die gleiche Form wie das Kirchendach.
  • Der Altar: Der würfelförmige Altar besteht aus einem speziellen Stein, der je nach Bearbeitung eine andere Farbe hat. Die Steinblöcke sind so aufeinandergesetzt, dass ihre Fugen die Form eines Kreuzes bilden; Cortenstahl in den Fugen betont das Kreuz dezent.
  • Das Kreuz: Aus wetterfestem Baustahl ist auch das schlanke Kreuz an der Stirnseite. Es enthält Buntglasstreifen aus den Fenstern der früheren Rollwaldkirche.

Quelle: op-online.de

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