Kreuzweg in der neuen Rollwaldkirche

Kinder als Schutzengel

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Kinder begleiten Jesus: Stationen des Kreuzwegs in der Heilig-Kreuz-Kirche.

Rollwald - „Kinder sind wie Schutzengel. “ Das sagt der Mann, der den Kreuzweg in der neuen Rollwaldkirche gestaltet hat: Franz-Josef Ludwig (80), ein Pallottiner-Pater aus Rheinbach bei Bonn. Von Ekkehard Wolf 

Auf den Bildern sind viele kleine Kinder zu sehen: „Wie Engel sind sie plötzlich da, wenn wir sie brauchen, wenn wir uns von allen verlassen fühlen“, sagt der Künstler. Sein Kreuzweg ist ein ausdrucksstarkes Zeugnis von Glaube, Liebe, Trost und Hoffnung.

Hell und weiß: Das ist der erste Eindruck, wenn man die Heilig-Kreuz-Kirche betritt. Eine Reihe rotbrauner Tontafeln an der rechten Seitenwand setzt einen Farbakzent. Aus dem Ton wölben sich Figuren. Gesichter treten hervor. Sie halten den Blick fest und sprechen den Betrachter an. Worte sind aus dem Ton modelliert. Einfache Sätze: „Du fällst - ich heb dich auf.“ An einer anderen Stelle steht: „Glaube – Liebe – Hoffnung.“ Kein Wort zu wenig, keines zu viel. Der Künstler, der diese Arbeit geschaffen hat, hat familiäre Verbindungen nach Nieder-Roden. Seine Schwester lebt hier und seine Nichte, Hiltrud Aul, ist die Pfarrsekretärin der Gemeinde St. Matthias.

Pater Ludwig hatte bereits den Kreuzweg für die katholische Begegnungsstätte an der Seestraße gestaltet. Eine weitere Arbeit von ihm hängt am Eingang des Pfarrhauses. Da lag es nahe, ihn auch für die Heilig-Kreuz-Kirche zu engagieren. Zwei Kreuzweg-Stationen legte er als Muster vor - und der Verwaltungsrat war überzeugt. Ungewöhnlich: Dieser Kreuzweg hat eine 15. Station zusätzlich zu den traditionellen 14 Stationen. Er schildert nicht nur das Leiden und Sterben Jesu Christi, sondern auch seine Auferstehung – die zentrale Botschaft des Christentums.

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Kinder spielen auf den Reliefs eine wesentliche Rolle. Sie versuchen Jesus beim Tragen des Kreuzes zu helfen. Sie wollen Bilder von ihm malen. Sie versuchen ihm aufzuhelfen, als er unter der Last des Kreuzes zusammenbricht. Und auf dem letzten Bild, der Auferstehung, öffnet sich ihnen das himmlische Paradies.

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Die starke Präsenz der Kinder hat mit der Biographie des Künstlers und Geistlichen zu tun: „Weil ich immer mit Kindern zu tun hatte, 50 Jahre lang.“ Als Erzieher im früheren Internat der Pallottiner, als Seelsorger und als Kunstpädagoge am Vinzenz-Pallotti-Kolleg war er für die Schüler da. Lebhafte Erinnerungen hat er an die vielen Pfingst- und Sommerlager, die er im Lauf der Jahre begleitete: „Das waren schlaflose Nächte.“ „Pater Ludwigs Tonkeller“ war schon zur Zeit seiner Lehrertätigkeit ein fester Begriff. Auch als 80-Jähriger verbringt er dort viele Stunden.

Sieben Wochen lang hat der Pallottiner-Pater an dem Kreuzweg für die Heilig-Kreuz-Kirche gearbeitet. Er modellierte zwei Platten pro Woche und brauchte für jede etwa zwei Tage. „Der erste Teil geht immer sehr schnell, weil ich keine Zeichnung mache und mich nur darauf konzentriere“, erzählt er. In der zweiten Phase der Arbeit ist dann viel Feinarbeit vonnöten, bis jede Nuance des Ausdrucks stimmt.

Die künstlerische Herausforderung eines Kreuzwegs besteht für ihn darin, „dass jede einzelne Tafel in sich geschlossen ist und doch zum Ganzen passt. Deswegen musste ich schnell arbeiten, aber auch weil ich nicht weiß, wie lange ich noch lebe.“

„Jetzt ist die Kirche für mich erst fertig“

Nicht nur in Nieder-Roden und in Rheinbach und Umgebung ist Pater Ludwig als Künstler gefragt. Eine Skulptur für den Soldatenfriedhof in Verdun (Frankreich) aus dem vergangenen Jahr bezeichnet er als seine eindrucksvollste Arbeit. Das Thema lautete: Abschied. „Zwei junge Männer verabschieden sich von ihren Eltern. Die Mutter will sie nicht gehen lassen. Der Vater steht stumm daneben. Der eine junge Mann schreitet schon voran, der andere kann sich noch nicht von der Mutter lösen, wie das halt so ist.“ Mit fünf Bussen waren die Pallottiner aus Rheinbach in Verdun, als das Kunstwerk mit der Untermalung von Hymnen und Böllern feierlich enthüllt wurde.

Bei der Kirchweihe vor zwei Wochen in Rollwald konnte der 80-Jährige aber nicht anwesend sein. Eine Gehbehinderung schränkt seine Beweglichkeit ein. In jüngeren Jahren war er regelmäßig zu Besuch in Nieder-Roden und zelebrierte auch Gottesdienste in der St.-Matthias-Kirche.

Mit seinem Kreuzweg hat Pater Franz-Josef Ludwig den Katholiken in Rollwald viel gegeben. Wie viel, wird sich erst im Lauf der Jahre zeigen. Eine Herausforderung waren die schweren Tontafeln allemal: Sie sind zwar künstlerisch ausgestaltet, aber nicht ganz gleichmäßig - und schon gar nicht ausbalanciert. „Pater Ludwig hat nicht daran gedacht, dass das auch jemand aufhängen muss“, brummelte Heribert Söllner, der Projektleiter des Verwaltungsrats für den Bau der Rollwaldkirche. Vier Männer, vom Bauingenieur bis zu Architekten, brauchten geschlagene sechs Stunden, um die Kreuzweg-Tafeln fachgerecht an der Wand zu befestigten. Nach getaner Arbeit war auch Söllner zufrieden: „Jetzt ist die Kirche für mich erst fertig.“

Quelle: op-online.de

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