Versiegelung der Reliquien

Den Heiligen so nah wie nie zuvor

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Vor den Augen der Gläubigen legte Bischofskaplan Johannes Zepezauer die Reliquien in ein Kästchen aus Blei, das er dann versiegelte. Die jüngsten Gottesdienstbesucher durften ganz nahe herankommen. 

Rollwald - Die Versiegelung der Reliquien in der Heilig-Kreuz-Kirche erfolgte vor den Augen von rund 150 Gottesdienstbesuchern. Von Ekkehard Wolf 

Elf Tage vor der Weihe der Heilig-Kreuz-Kirche hat die katholische Gemeinde St. Matthias das neue Gotteshaus bereits in Besitz genommen. Die Besucher des ersten Gottesdienstes in der voll besetzten Kirche erlebten eine seltene Zeremonie: die Versiegelung der Reliquien, die am 25. Mai im Altar beigesetzt werden.

Das unscheinbare graue Kästchen liegt schwer in der Hand. Es besteht aus Blei. Ein rotes Stoffband ist zweimal herumgewickelt und verknotet. Dass es sich nicht um ein Geschenkpäckchen handelt, verrät der Siegelabdruck in der Mitte: Das Siegel des Bischofs von Mainz. Bischof Karl Lehmann hat auch die postkartengroße Urkunde ausgefertigt, die klein gefaltet in dem Kästchen liegt. Der Text in lateinischer Sprache soll in ferner Zukunft an die Kirchweihe im Jahr 2014 erinnern. So nah wie nie kamen die Gläubigen am Mittwoch den Knochensplittern der Märtyrer. Der Bischof wird das versiegelte Kästchen während der Weihe der Kirche in den Altar einzementieren.

Jede einzelne Reliquie befindet sich in einem eigenen Briefchen, das nicht größer als eine große Briefmarke ist. Pfarrer Johannes Zepezauer, der Sekretär des Bischofs, hielt jedes Briefchen in die Höhe, bevor er es in das metallene Kästchen legte. „Kommt ruhig näher“, forderte er die Kinder auf. Vier Kinder näherten sich vorsichtig dem Klapptisch, an dem der junge Geistliche saß. Gespannt verfolgten sie jede Bewegung und jede Erklärung.

„Kein Kult“

Es sei ein guter Brauch, Reliquien in Altären beizusetzen, sagte der Bischöfliche Sekretär, der sich mit der kürzeren Amtsbezeichnung „Bischofskaplan“ vorstellte. Er bat jedoch, die Bedeutung der Reliquien nicht misszuverstehen: „Wir betreiben da keinen Kult.“ Und weiter: „Der Altar wird nicht den Heiligen geweiht, sondern Gott, der auch der Gott der Heiligen und der Märtyrer ist.“

„Und hier kommen sie rein“: Pfarrer Dr. Peter Eckstein zeigt einer Besucherin nach dem Gottesdienst das Reliquienfach des Altars.

Das Nachdenken über Heilige machte Pfarrer Dr. Peter Eckstein zum Thema seiner Predigt. „Heilige sind und waren Menschen wie du und ich“, erklärte er anhand der Schriftlesung aus dem Philipperbrief: Menschen, die an Gott glauben und versuchen, ihren Glauben zu leben. Im Verlauf des Gottesdienstes hielt die Gemeinde Fürbitte „für die unerkannten Heiligen unserer Tage“ und „für die Stillen im Land, die sich an ihrem Platz um das Gute bemühen“. Die Reliquien waren 1896 in den Hochaltar der Kirche St. Matthias eingesetzt worden. Als der alte Hochaltar 1968 abgebaut wurde, wurden sie entfernt. Pfarrer Eckstein fand das versiegelte Bleikästchen in der Sakristei, als er seinen Dienst in Nieder-Roden antrat. Im Januar brachte er das Kästchen nach Mainz, wo der Bischöfliche Sekretär das Siegel brach. Neben den Reliquien kam eine Urkunde zum Vorschein, die den Sachverhalt aufklärte.

Froh äußert sich der Pfarrer darüber, dass es gelungen ist, zusätzlich eine Reliquie von Adolph Kolping zu erhalten. Die Kolpingfamilie habe nicht zuletzt durch großes finanzielles Engagement ihre Verbundenheit zur Rollwaldkirche bewiesen. Der seliggesprochene Adolph Kolping erinnere an die Herausforderung, Umbrüche der Gesellschaft christlich zu durchformen. Heute stelle die Globalisierung eine solche Herausforderung dar.

Bilder der Versiegelung

Versiegelung der Reliquien in der Heilig-Kreuz-Kirche

Nach dem Gottesdienst sahen sich viele Gemeindemitglieder das Reliquienkästchen aus der Nähe an. Handykameras klickten. Nicht alle Besucher waren so unbefangen. „Nehmen Sie das Kästchen ruhig in die Hand“, forderte Pfarrer Eckstein eine ältere Dame auf. Sie trat einen Schritt zurück und bekreuzigte sich. Auch das Reliquienfach des Altars durfte besichtigt werden - zum ersten und zum letzten Mal.

Vor dem ersten Gottesdienst in der neuen Kirche war zunächst eine kleine weltliche Zeremonie zu absolvieren: Architekt Uwe Kollmenter überreichte die Schlüssel. Heribert Söllner als Projektleiter des Verwaltungsrates hatte ein weißes Band gespannt, das der Pfarrer zu durchschneiden hatte. Die Gemeinde habe das Bauvorhaben von Anfang an intensiv begleitet, dankte Dr. Peter Eckstein: „Jetzt ist der Zeitpunkt, wo wir eingeladen sind, dieses Haus zu unserer Heimat zu machen.“

Quelle: op-online.de

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