Rotes Kreuz betreibt Kleiderladen

Getragenes findet bald neue Besitzer

+
Gürtel, Taschen, Mäntel und noch vieles mehr: Für die einen ist es eine sinnvolle Möglichkeit, Bekleidung loszuwerden, für die anderen eine Chance, preiswert einkaufen zu können.

Nieder-Roden - Vom Babystrampler über Herrenhemd und Abendkleid bis zum Wintermantel: Weil immer mehr Menschen mit wenig Geld auskommen müssen, bietet das Deutsche Rote Kreuz (DRK) in seinem Kleiderladen in Nieder-Roden gebrauchte Anziehsachen an. Von Simone Weil 

Die einen haben Kleidung im Überfluss und sortieren aus, um Platz für Neues zu schaffen, die anderen haben kaum etwas zum Anziehen. Doch zahlreiche Einkäufer scheuen den Weg zum Kleiderladen: Sie schämen sich und möchten nicht beim Aussuchen der meist bereits getragenen Hosen und Pullover gesehen werden.
Trotzdem bleibt vielen der Kunden gar nichts anderes übrig, als sich im Ladengeschäft an der Rodensteinstraße 1 nach geeigneten Hosen, Pullis und Jacken umzusehen. Immer wieder bringen Spender ausrangierte Ware, die die ehrenamtlichen Helferinnen in Augenschein nehmen und aussortieren. Ausschließlich saubere Bekleidung ohne Macken ist gefragt. Sie darf keine Löcher haben und es dürfen keine Knöpfe fehlen. „Denn genäht wird nicht“, erläutert Patric Dietzel, DRK-Teamleiter Soziale Dienste, die Spielregeln.

Mitarbeiterin Ute Flick sortiert Bettwäsche. Auch sie ist eine ehrenamtliche Helferin der ersten Stunde in Nieder-Roden. 

Bei Kleiderbergen von etwa sechs Tonnen, die monatlich eingehen, kann nämlich nichts ausgebessert werden. Deswegen mustern die Helferinnen viel aus. „Wir sind nicht sonderlich begeistert davon, dass uns viele Spender einfach Tüten vor die Tür legen“, sagt Dietzel.
Was brauchbar ist, hängen die Damen auf Bügel oder präsentieren es zusammengelegt im Regal: Unterwäsche und BHs ebenso wie Schuhe und Schmusetiere. Angeboten wird die Ware je nach Qualität zu Festpreisen von 1, 2 und 5 Euro. Einkaufen darf jeder, wer als bedürftig gilt, bekommt Gutscheine, die beim DRK und bei Tante Emma ausgegeben werden.

„Wir wollen nichts verdienen mit den Kleiderläden, wollen aber auch nicht drauflegen, Miete und Nebenkosten müssen wir schließlich auch bezahlen“, sagt Patric Dietzel. Der 110 Quadratmeter große Nieder-Röder Laden platzt aus allen Nähten, vor allem die geringen Lagerkapazitäten machen den Betreibern arg zu schaffen. Allerdings wird auch gut verkauft.

Melitta Müller ist viermal die Woche im Einsatz.

Weil die Nachfrage nach preiswerter Bekleidung groß ist, sucht das DRK an manchen DRK-Kleiderladen-Standorten nach größeren Räumlichkeiten. Außerdem steht im Frühjahr die Eröffnung eines zusätzlichen Geschäfts in Jügesheim an. In den ehemaligen Räumen von Sport-Berger soll es außer Bekleidung auch Seniorengymnastik und regelmäßig Frühstück geben, verrät Dietzel.
Melitta Müller und Ute Flick sind ehrenamtliche Helferinen der ersten Stunde: 2009 eröffnete das DRK den ersten Kleiderladen in Nieder-Roden. Die beiden Damen kennen die Stammkundschaft und wissen genau, wer bei ihnen kauft: Es seien viele Flüchtlinge, darunter etwa Familien mit sechs oder sieben Kindern, berichten sie.

Auf Schatzsuche - Vintage-Mode ist eine Reise durch die Zeit

Etwas 15 Damen sind derzeit für den Kleiderladen nahe dem Puiseauxplatz zuständig. Ohne die freiwilligen Verkäuferinnen ginge es nicht. Melitta Müller (79) etwa hat selbst so viel Freude an der Arbeit, dass sie viermal die Woche im Laden hilft. Sie berät unsichere Kunden gerne: „Ich bin da auch ganz ehrlich, wenn ich sage, mir gefällt das an jemand, dann erzähle ich keinen Blödsinn.“

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare