Rotstift bedroht Schüler-PCs

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Die Computer in den Klassenzimmern sind ständig ausgelastet, wie hier in der Klasse 4 c der Wilhelm-Busch-Schule.

Jügesheim (eh) - Der Rotstift bedroht die Computerausstattung an den Schulen. Jeder dritte Rechner wird möglicherweise bald ersatzlos abgebaut. Für Schulen wäre das ein Einschnitt in die Qualität des Unterrichts.

Wie wichtig Computer bereits in der Grundschule sind, erlebte Landrat Oliver Quilling (CDU) jetzt in der Wilhelm-Busch-Schule. Die Klasse 4 c ist mit 16 Kindern recht klein. Dennoch sind die vier PC-Arbeitsplätze ständig ausgelastet, wenn die Viertklässler an ihren Tages- oder Wochenplänen arbeiten. Ein Mädchen lernt Englisch-Vokabeln, indem es den Wörtern Bilder zuordnet. Daneben baut ein Junge in einem Mathe-Programm geometrische Körper zusammen. Zwei weitere Jungen suchen auf einer österreichischen Internetseite nach Informationen über das Mittelalter. „Das sind fünf Minuten Übungsintensität, die ich mit keinem Arbeitsblatt hinbekomme“, sagt Schulleiterin Angelika Stelzer-Dasbach.

Für die Kinder ist der Computer so selbstverständlich wie Füller und Lesebuch. Lehrer sehen darin ein wichtiges Arbeitsmittel zur individuellen Förderung. Ein Beispiel: Für die vier lernschwachen Kinder in ihrer Klasse kann Stelzer-Dasbach mit wenigen Mausklicks spezielle Übungen erstellen. Eine Auswertung über Erfolge und Lernlücken liefert das Programm gleich mit.

Ein PC für jeweils fünf Schüler

Mit einem PC für jeweils fünf Schüler sind die Schulen des Kreises Offenbach überdurchschnittlich ausgestattet. Im Haushaltssicherungskonzept für 2012 schlägt der Kämmerer des Kreises, Carsten Müller (SPD) vor, eine Senkung des PC-Bestandes von 1:5 auf 1:9 zu prüfen. Bereits 2010 und 2011 stand ein ähnlicher Auftrag auf der Liste. Die Prüfung blieb jedoch ohne spürbare Folgen. Ein Ausstieg aus laufenden Leasingverträgen sei selten sinnvoll, erklärt Kreis-Pressesprecherin Kordula Egenolf dazu.

Nächstes Jahr dürfte es ernst werden: 2012 sollen die Leasing-PCs nach fünf Jahren Laufzeit gegen neue Geräte ausgetauscht werden. Wie viele neue Geräte die Schulen dann erhalten, hängt vom Kreistag ab. In der Haushaltsdebatte am 7. und 8. Dezember entscheidet er auch, wo der Rotstift angesetzt wird.

Einschnitt „ein Schritt in die falsche Richtung“

Ein Einschnitt bei der PC-Ausstattung wäre „ein Schritt in die falsche Richtung“, wie Schulleiterin Stelzer-Dasbach betont: „Das wäre wie neun Kinder und ein Füller. Damit kann man zwar auch Schreiben lernen, aber nicht sehr gut.“ Auch die Eingliederung schwacher Schüler in die Regelschule (Inklusion) könne mit Hilfe von Computerprogrammen besser gelingen: „Das ist ja keine Belustigung, was wir hier betreiben, sondern individuelle Förderung und Diagnostik.“

Ein vorbildliches Engagement attestierte Landrat Quilling den Lehrerinnen in Jügesheim. Er äußerte Zweifel, ob andere Schulen ihre PCs ebenso intensiv einsetzten. Bei der technischen Ausstattung müsse der Kreis „dranbleiben“, um den hohen Standard zu halten.

Matthias Demeter vom „Kompetenzzentrum IT“ in Hainhausen berichtete von einer hohen Nachfrage nach Beratung und Fortbildung, auch aus den Grundschulen.

Quelle: op-online.de

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