Notizbuch der Woche

Rüpel und Wohltäter

Wem gehören Rodgaus Feldwege? Einem guten Dutzend Bauern? Oder tausenden von Spaziergängern, Joggern, Radfahrern und Hundebesitzern? Die Schilder der Stadt, die seit knapp drei Wochen auf diverse Ver- und Gebote hinweisen, suggerieren jedenfalls Vorfahrt für Traktoren, Mähdrescher und andere landwirtschaftliche Maschinen. Von Michael Löw

Das kann‘s ja nicht sein... Natürlich ärgern sich Landwirte, wenn rudelweise auftretende Langläufer - der für die Schilder verantwortliche Stadtrat Michael Schüßler trabt ebenso durchs Feld wie der Notizbuch-Autor - oder ein Dutzend behelmter Mountainbiker nicht sofort Platz machen, wenn der Trecker angedieselt kommt. Aber mehr als lästig, nämlich schlicht und einfach gefährlich ist‘s, wenn der kolchose-taugliche Ackerschlepper mit Pflugscharen wie Schwertern anprescht und Fußgänger zur Seite zwingt. Rücksicht ist eine Sache der Starken und nicht der Schwachen! Rasierklingen auf der BMX-Bahn, Scherben auf und an einem viel benutzten Waldweg: Zwei „scharfe Sachen“ sorgten über Ostern in Waldacker für Unruhe, denn beides Mal war Absicht im Spiel. Besonders die 13-jährigen Querfeldein-Radler rätseln, wer die Klingen auf ihrer Strecke verstreut hat. Ältere Jugendliche, die ihnen eins auswischen wollen, könnten ihrer Ansicht nach die Übeltäter sein. Aber auch Waldrand-Anwohner, denen die Stille im Garten über alles geht. „Hirnlos“ ist noch das harmloseste Attribut, das alle potenziell Verdächtigen verdienen. Hoffentlich hat sie jemand beobachtet und meldet dies noch der Polizei oder dem Ordnungsamt. Genug der Schimpferei: Ein ganz, ganz dickes Lob gebührt jenen 80-jährigen Ober-Rödern, die ihrem Stadtteil ein ganz besonderes Muttertagskonzert schenken. Hochkarätige Künstler singen und musizieren ohne Gage, den Erlös spendet der Jahrgang 1928/29 unter anderem dem „Rödermärker Brotkorb“. Es dürfte einzigartig in der Umgebung sein, dass alte Menschen mit einer solchen Aktion öffentlich für Gesundheit und Wohlstand danken. Was einzigartig ist, muss aber nicht einmalig bleiben - Nachahmer sind willkommen.

Quelle: op-online.de

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