„Runkelroiweroppmaschin“

Rodgau - Auf den ersten Blick, oder besser beim ersten Hören, ist es kaum zu glauben: Eine hessische Mundart-Band hat mit Titeln wie „Rosamunde, schenk' mir Dein Sparkassenbuch“, „Gaaseflaasch un griene Bohne“ oder dem „Schluckspecht aus dem Odenwald“ mehr als 250 000 Platten und CDs verkauft. Von Jens Dörr

„Unser meistverkaufter Hit war ‘Papa‘ - als wir den bis 1975 eine Viertelmillion Mal verkauft hatten, gab's diese Goldene Schallplatte“, freut sich Norbert Lehr und hält das Exemplar hoch.

Der 66-Jährige ist noch immer Bassist einer hessischen Kultband, die in dieser Woche ein rundes Jubiläum feiert: Adam und die Micky's - die Schreibweise mit Apostroph wurde absichtlich so gewählt - feiern ihren 40. Geburtstag. Der wird am Samstag in der „Gaststätte zur Turnhalle“ in Karben mit einem Live-Konzert gefeiert, am 4. Juli dann nochmals in Gelnhausen.

Lehr, der in Rodgau-Dudenhofen wohnt, stellt 33,3 Prozent von Adam und die Micky's dar. Mittelpunkt des Trios ist nach wie vor Sänger und Keyboarder Dieter Adam, der derzeit in Oberhessen weilt. Hinzu kommt ein Schlagzeuger, wobei die Besetzung auf dieser Position wechselt. Der inzwischen 67-jährige Adam - damals noch Mitglied der Tanzband Micky's - unternahm im Jahr 1968 den wohl entscheidenden Schritt für seine spätere Bekanntheit: Ausgestattet nur mit einem kleinen Tonbandgerät spielte er dem bekannten Produzenten Hans Podehl einen Song vor, der Adam und den Micky's schließlich den Durchbruch bescherte. Das Lied von „Papa“, der wieder einmal zu sehr dem Alkohol gefrönt hatte, sollte als Parodie auf Heintjes „Mama“ bis heute der mit Abstand größte (wirtschaftliche) Erfolg der Gruppe werden.

„Wir waren zu dieser Zeit in Deutschland wahrhaft Pioniere im Mundart-Gesang“, blickt Bassist Norbert Lehr, der 1972 hinzu stieß und neben Adam damit den zweiten Micky's-“Dino“ darstellt, an die ersten Jahre zurück. „Der hessische Dialekt war unser Gag.“ Indes habe der nicht nur hiesige Radiostationen überzeugt, auch im Raum Hannover und im Süden der Republik kamen Adam und die Micky's an.„Obwohl wir alle noch etwas anderes arbeiteten, spielten wir zeitweise 150 Gigs pro Jahr“,erzählt Lehr.

Mit einem Repertoire von mehr als 100 Songs habe man stets genug Abwechslung bieten können. Trotzdem versuche man in erster Linie, das Publikum zufriedenzustellen: „Besonders bei unseren heutigen Konzerten spielen wir vor allem die Stücke, von denen wir wissen, dass sie fast jeder kennt.“So ist etwa die „Runkelroiweroppmaschin“ beinahe schon zu einer hessischen Hymne geworden. Nichtsdestotrotz versuche man, auch exotischeren Geschmäckern gerecht zu werden. „Doch manchmal kommen da Leute an und wünschen sich Lieder, die wir schon gar nicht mehr spielen“,lacht Lehr. Insbesondere merke er aber, dass „die Leute bei unseren Konzerten keine Starkstrommusik wie im Radio“ hören wollten.

Mehr Informationen zu Adam und die Mickeys finden Sie hier.

Apropos Publikum: Bei den jährlich inzwischen rund 25 Auftritten seien heute überraschenderweise „mehr junge Leute als früher“ vorzufinden. Die Klientel, die Adam und die Micky's mittlerweile mit ihren Gigs beglückten, sei „zwischen fünf und 95 Jahre alt“, wie es Lehr formuliert.

Der bekannteste Schlager der Gruppe ist die 1990 erstmals erschienene Single Die Runkelroiweroppmaschin („Die Runkelrübenrupfmaschine“), die im Februar 2008 von den Zuschauern des Hessischen Rundfunks zum beliebtesten hessischen Fastnachtslied gewählt wurde.

Die waschechten Hessen mit ihrem Frankfurter Slang sind bislang stets an leeren Hallen und trostlosen Auftritten vorbeigekommen. Nur einmal - bei einem Zahnärztekongress in Gravenbruch - ging ein Auftritt wirklich in die Hose. „Da mussten wir in Radio-Lautstärke spielen, das ist bei unserer Musik natürlich nichts“, sagt Lehr und klingt so, als erinnere er sich nicht besonders gerne an diesen Abend zurück. Was vielleicht auch an seiner persönlichen Erfahrung mit Zahnärzten liegt: Dem Studenten der klassischen Musik durchtrennte ein solcher „Maulschlosser“ (O-Ton Lehr) einst nämlich einen Nerv im Mund, wodurch Lehr das Trompete-Spielen aufgab und Bass erlernte. Die Fans von Adam und die Micky's dürften es dem Zahnarzt unterdessen danken.

Quelle: op-online.de

Kommentare