Chemiewerk investiert 100.000 Euro

Rußfabrik soll schöner werden

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Die Betreiber der Hainhäuser Rußfabrik versprechen mehr Transparenz und ein ansprechendes Erscheinungsbild.

Hainhausen - Aus den Störfällen vom November und Januar hat der Betreiber der Rußfabrik Konsequenzen gezogen. Eine technische Umrüstung und eine Schulung der Mitarbeiter sollen weitere Pannen verhindern.

Dies berichtet der Magistrat nach einem Gespräch mit der Brockhues GmbH & Co. KG (Walluf) und dem Regierungspräsidium. Noch in diesem Jahr wolle das Unternehmen 100.000 Euro in optische Veränderungen investieren. Die Außenmauer gilt seit vielen Jahren als Schandfleck.

Stadt und Betreiber wollen die Kommunikation untereinander und mit der Bevölkerung verbessern, wie der Magistrat meldet. Als erster Schritt sollen Führungskräfte der Feuerwehr das Werk am Samstag, 9. März, besichtigen. Auch ist vereinbart, dass sich die Feuerwehr als direkter Nachbar meldet, wenn es während der Entschlackung riecht. Der Geruch ist laut Regierungspräsidium gesundheitlich unschädlich.

„Wir warten nicht auf den nächsten Zwischenfall, sondern wir erwarten, dass es keine weiteren Zwischenfälle mehr gibt“, sagte Bürgermeister Jürgen Hoffmann gestern vor der Presse. Der Einsatz der Feuerwehr sei in beiden Fällen gerechtfertigt gewesen. Das Unternehmen hatte dies zunächst in Zweifel gezogen.

Durch einen Stromausfall war die Anlage im November letzten Jahres außer Kontrolle geraten. Die Folge war ein mehrstündiger Großeinsatz der Feuerwehr; das Unternehmen bezahlte dafür 15.000 Euro. Mitte Januar setzte die Fabrik erneut eine schwarze Wolke frei, allerdings aus einer anderen Ursache.

Brockhues hat seit 124 Jahren eine Produktionsstätte zwischen Hainhausen, Weiskirchen und Jügesheim. Durch die Verbrennung von Teeröl in einem Industrieofen wird Flammruß hergestellt. Flammruß wird beispielsweise in Kohlebürsten für Elektromotoren sowie für die Einfärbung von Lack- und Betonprodukten eingesetzt. Der Arbeitsstoff ist ungiftig und bedarf keiner besonderen Kennzeichnung.

Das Regierungspräsidium steht ständig in engem Austausch mit dem Unternehmen und prüft Verfahren und Betrieb im gesetzlich vorgeschriebenen Rahmen. Das Werk hält die Grenzwerte und die Auflagen der Betriebsgenehmigung ein. Christoph Britz, europäischer Sicherheitskoordinator der Rockwood-Pigment-Gruppe, zu der auch die Firma Brockhues GmbH & Co. KG gehört, sieht sich mit diesem Urteil der Behörde bestätigt.

Der Großeinsatz im November kostete das Unternehmen rund 15 000 Euro.

Das Unternehmen hat in den vergangenen Jahren technische Verbesserungen an der Produktionsanlage vorgenommen, die über den gesetzlichen Standard hinausgehen. So wurden die an den Silos angebrachten Druckluftklopfer zur Förderung des Rußes aus den Lagertanks durch eine leisere Drucklufteinblasung ersetzt. Ein Austritt von Staub im Bereich der Produktabfüllung wird durch eine reingasseitige Überwachung und Alarmierung rechtzeitig erkannt. Seit fast 20 Jahren werden die Emissionsströme der Produktion über eine thermische Nachverbrennung geführt.

Dennoch entstehen Gerüche, wenn der Produktionsofen abgelöscht wird, um die Schlackerückstände zu entnehmen. Diese Arbeit findet in der Regel vormittags statt. Das wurde in einem Treffen zwischen Bürgern und Betreiber 1996 vereinbart, weil zu diesem Zeitpunkt weniger Menschen betroffen sind. Die Bypassdauer wurde in den letzten Jahren von ursprünglich 30 Minuten auf nur noch zwei Minuten reduziert.

Seit dem Bau der Rußfabrik habe sich viel verändert, meint Bürgermeister Hoffmann: „Die Bebauung ist herangerückt, die Menschen gehen aufmerksamer mit ihrer Umwelt und ihren Empfindungen um.“ Deshalb sei ein besserer Informationsaustausch notwendig: „Brockhues soll für die Menschen keine ,Black Box’ mehr sein.“ Sicherheitskoordinator Christoph Britz unterstreicht, das Unternehmen nehme seine Verantwortung für Mitarbeiter, Anwohner und Umwelt ernst.

eh

Quelle: op-online.de

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