Rutschpartie zum Briefkasten

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Trotz Schnee- und Eisglätte kommt Postbotin Caroline Bicart derzeit gut voran. Probleme bekommt sie allerdings an nicht bebauten Grundstücken. Denn dort wird in der Regel nicht geräumt. Dann heißt es: absteigen und schieben.

Rodgau ‐ Es gibt Berufe, die sind derzeit eine echte Prüfung. Zeitungszusteller, zum Beispiel. Oder Briefträger und Paketbote. Im Sommer mögen diese Jobs angenehm sein. Aber im Moment sicher nicht. Schnee und Eis machen Freiluftberufe zur Herausforderung. Von Bernhard Pelka

Der neuerliche Wintereinbruch bringt auch für die knapp 19.000 Fahrradboten der Deutschen Post Gefahren. Eine dieser tapferen Zustellerinnen ist Caroline Bicart. Täglich pflügt sie mit ihrem Dienstfahrrad durch die Weiße Pracht und bringt den Kunden in Nieder-Roden die Post. Die Münchener, Frankfurter und Stuttgarter Straße gehören zu ihrem Bezirk.

Drei bis vier Schichten Kleidung müssen schon sein. Sonst wird‘s einfach zu frisch. Dicke Winterstiefel, Sturmhaube und Kappe wärmen die 40-Jährige zusätzlich. Und natürlich Handschuhe. An der rechten Hand trägt sie eine Spezialanfertigung. Deren Stoff lässt die Fingerkuppen frei. Zusätzlich verfügt der Handschuh über eine zurückklappbare Kappe. Sie lässt sich bei Bedarf wie ein Eierwärmer über die Fingerkuppen stülpen. Das schützt bei der vorsichtigen Kriechfahrt auf dem Rad vorm eisigen Wind.

27.900 neue Fahrradreifen jährlich

Die Witterung bedeutet höchste Belastungen für Menschen und Fahrräder. Die Räder sind mit bis zu 50 Kilogramm beladen - wobei der Korb vorne mehrfach nachgefüllt wird. Da kommen pro Tour bis zu 137 Kilo am Tag zusammen. Das entspricht rund 14 Wasserkästen. Der Verschleiß ist entsprechend hoch. Die Post rechnet vor, dass je Zustellbezirk etwa 1,5 Fahrradreifen im Jahr verbraucht werden. Macht 27.900 neue Fahrradreifen jährlich.

Man muss höllisch aufpassen“, beschreibt Caroline Bicart die Lage an der Glatteis-Front. „Wenn gar nichts mehr geht, muss ich halt schieben.“ Das geschieht in diesen anstrengenden Wintertagen häufiger als sonst. Sogar zur Schneeschaufel musste die frostfeste Postlerin schon greifen. Ein Ablagedepot für Briefe war zugeschneit. „Zum Glück ist die Nachbarschaft hilfsbereit“, lobt die Hainhäuserin, die jetzt in Klein-Krotzenburg lebt.

Ihren Beruf macht sie trotz Extremwetter gern. Und das seit 22 Jahren. „Noch nie hatte ich einen Winterunfall“, freut sich die erfahrene Postfrau, setzt sich aufs Rad und fährt vorsichtig zum nächsten Kunden.

Fakten

  • In Hessen stellen insgesamt 1228 Postboten täglich die Post per Fahrrad zu.
  • Die hessischen Fahrrad-Postler sind auf sieben Briefniederlassungen verteilt: Frankfurt (360 Fahrrad-Postboten), Offenbach (302), Wiesbaden (197), Darmstadt (190), Gießen (48), Fulda (51) und Kassel (80).

Quelle: op-online.de

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