Nächster Halt Helsinki

+
Demnächst saust er mit 160 km/h durch Finnland.

Weiskirchen (eh) - Ein S-Bahn-Triebwagen hat gestern einen unplanmäßigen Zwischenstopp an der Autobahnraststätte Weiskirchen eingelegt. Der nagelneue Waggon befindet sich auf dem Weg vom Schweizer Herstellerwerk nach Finnland. Der Tieflader machte schlapp.

Nanu, eine S-Bahn? Urlauber auf der Durchreise rieben sich verwundert die Augen, als sie den 20 Meter langen Triebwagen am Rand des Parkplatzes erblickten. Auch unter Fernfahrern war der ungewöhnliche Schwertransport ein Thema. Warum fährt die Bahn nicht auf den Schienen? „Zug kaputt“, mutmaßte ein Trucker-Fahrer.

Bereits am Donnerstag gegen 2 Uhr nachts hatte der Fahrer einer Hamburger Spezialspedition bemerkt, dass mit seinem Gespann etwas nicht stimmte. Ein Verlängerungsteil des Aufliegers hatte sich durchgebogen. Statt acht bis zehn Zentimeter Bodenfreiheit zu haben, scharrte der Stahl über den Asphalt. Eine Weiterfahrt war unmöglich, der Tieflader musste bis zum Abend am Autobahnrand stehen bleiben.

Autokräne hoben Triebwagen an

Zur Reparatur in der Nacht zum Freitag musste eine Fahrspur der A 3 gesperrt werden. Zwei große Autokräne hoben den 27,3 Tonnen schweren Triebwagen an, so dass der Tieflader darunter hervorfahren konnte. Während die S-Bahn schwebte, tauschten Spezialisten den verbogenen Träger gegen einen anderen aus, den sie aus Hamburg mitgebracht hatten. Allein diese Arbeit dauerte drei Stunden. Der Morgen graute schon, als der Transporter endlich wieder beladen war. Mit einer Sondergenehmigung der Autobahnpolizei konnte der Schwertransport die Raststätte ansteuern. Eigentlich darf er nur nachts fahren.

Der verbogene Stahlträger gibt den Fachleuten Rätsel auf. Er sei erst eineinhalb Jahre alt und habe zahlreiche Transporte ohne Probleme überstanden, war gestern zu erfahren. Die Spedition ist schon Jahrzehnte im Geschäft. Der Transport von Schienenfahrzeugen ist eines ihrer Spezialgebiete. Mit den Aufliegern kann man Güter von bis zu 60 Metern Länge auf die Reise schicken.

Züge in Helsinki gebaut

Der S-Bahn-Triebwagen der Baureihe „Flirt“ ist Teil eines vierteiligen Triebzuges. Die Stadler Bussnang AG in der Schweiz baut 32 solcher Züge für die S-Bahn in Helsinki. Auftraggeber ist das finnische Unternehmen Pääkaupunkiseudun Junakalusto Oy.

Warum fährt die S-Bahn nicht auf Schienen an ihren Bestimmungsort? „95 Prozent unserer Fahrzeuge werden in der Tat auf der Schiene transportiert“, sagt Tim Büchele, der Pressesprecher der Stadtler Bussnang AG. In diesem Fall sei das aber wegen der unterschiedlichen Spurweiten nicht möglich. Während die Gleise fast überall in Europa 1435 Millimeter breit sind, gilt in Finnland, den baltischen Staaten und Russland eine Spurweite von 1524 Millimetern. Die finnischen Züge sind auch im Aufbau breiter und höher. „Der Straßentransport bedeutet einen großen Aufwand“, so Büchele: „In der Schweiz muss die Polizei sogar einzelne Straßen und Kreuzungen absperren, bis der Transporter auf der Autobahn ist.“

Gestern um 22 Uhr durfte sich der Schwertransport wieder in Bewegung setzen. Wenn alles gut geht, kommt der S-Bahn-Triebwagen für Finnland heute pünktlich am Hafen an.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare