Bahn sperrt sich gegen Tempolimit

S-Bahn-Lärm nervt Anwohner in Nieder-Roden

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In hohem Tempo sausen die S-Bahn-Triebwagen unmittelbar an Häusern im Leipziger Ring vorbei. Ein Tempolimit sei ausgeschlossen. Sonst könne man die Taktzeiten nicht einhalten, argumentiert die DB-Pressestelle.

Nieder-Roden - Regelmäßig klagen Bewohner des Stadtteils Nieder-Roden über zu laute Fahrgeräusche der S-Bahn. Meist kommen die Beschwerden aus dem Leipziger Ring. Was sagt die Bahn dazu?

Seit etwa einem Jahr erreichen unsere Zeitung – wie mehrfach berichtet – immer wieder Beschwerden über die zu laute S-Bahn in Höhe des Leipziger Rings. Dort stehen Häuser direkt neben den Gleisen. Die Betroffenen fordern ein Tempolimit aus Lärmschutzgründen. Wir haben die Pressestelle der Bahn mit dem Problem konfrontiert und ein ganzes Bündel von Fragen gestellt: Wird es an der kritischen Stelle ein Tempolimit geben? Wie schnell fahren die Züge im Abschnitt Nieder-Roden? Welche Ursachen hat der Lärmpegel? Gab es Lärmmessungen an der Strecke? Wenn ja, wann wurde in welchem Streckenabschnitt gemessen und wie hoch ist der Lärmpegel? Ist er zu hoch/höher als andernorts? Wie laut darf die S-Bahn dort überhaupt sein? Gibt es da Grenzwerte oder ist das nach oben offen? Wird die Bahn dort die Schienen notfalls nachschleifen, um den Lärm zu mindern? Wenn ja, wann? Ein Nachschleifen hatte zuletzt 2014 zwischen Rodgau-Hainhausen und Jügesheim zu einem schönen Erfolg geführt. Die S-Bahn wurde leiser, alle Anlieger sind seither zufrieden.

In einer Stellungnahme versichert ein Bahnsprecher, das Unternehmen nehme „Beschwerden zu Emissionen durch Lärm in unserem Streckennetz sehr ernst“. Man habe „Verständnis für die direkten Anrainer der S-Bahn Rodgau“. Die gefahrenen Geschwindigkeit betrage im Streckenabschnitt Nieder-Roden 100 bis 120 km/h. Nahe Wohngebieten seien vorsorglich zur Lärmreduktion Holzschwellen eingebaut worden. Ein zusätzliches Tempolimit aus Lärmschutzgründen sei auf Grund des Taktverkehrs der S-Bahn nicht vorgesehen und gesetzlich auch nicht vorgeschrieben. Weitere Ursache für Lärmemissionen könne „nach erfolgten Schleifarbeiten das Einfahren des sogenannten Schliffbildes durch die verkehrenden Züge sein. Dieser Umstand dauert auf S-Bahn Strecken auf Grund des geringeren Fahrzeuggewichts etwas länger.“

Ohne viel Lärm:

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Eine Schallemissionsmessung gebe es für den genannten Abschnitt nicht. Allerdings sei auf der Strecke Offenbach-Bieber am 26. Oktober 2016 der Lärm gemessen worden, will die Bahn einen Vergleich ziehen. „Hier wurden in einer Entfernung von 25 Metern ein Schallpegel von 48 Dezibel gemessen. Die zugelassenen Lärmemissionen richten sich nach den Ausführungen des 16. BlmSchV.“ Um bei den Schienen eine maximale Lebensdauer zu erreichen, sei die Bahn „auf den Einsatz maschineller Schleifverfahren angewiesen. 2016 seien diverse Schienenbearbeitungen ausgefallen. Dies stelle auch für die Bahn „einen nicht befriedigenden Zustand dar“. Das Unternehmen wolle die noch ausstehenden Instandhaltungsarbeiten „möglichst zeitnah für das Jahr 2017 zu terminieren“. Die Bahn entschuldigt sich in ihrer Stellungnahme ausdrücklich „für die Unannehmlichkeiten“. Das Unternehmen arbeite „weiterhin an einer möglichen Verbesserung.“ (bp)

Quelle: op-online.de

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