Polyhymnia feiert mit Konzerten

Carmina Burana voller Eindrücke

+
Haaaalleluja: Nach den anspruchsvollen Orff-Gesängen gab der Chor bei der Händel-Zugabe noch einmal alles.

Nieder-Roden - Mit minutenlangem Beifall feierten die Zuhörer im zweimal ausverkauften Bürgerhaus Nieder-Roden die Sängervereinigung Sängerkranz Polyhymnia. Von Manfred Meyer

Carl Orffs „Carmina Burana“ waren der Höhepunkt eines Konzerts, das insgesamt einen überwältigenden Eindruck hinterließ: Ein großes Geburtstagsgeschenk zum 140-jährigen Bestehen des Vereins.

Am Wochenende hat die Sängervereinigung mit vielen Freunden und Gästen ihr Bürgerhaus dermaßen mit Carl-Orff-Sound und -Rhythmen ge- und erfüllt, dass es gar nicht auffiel, dass nicht dessen Orchesterversion erschallte, sondern die vom Komponisten autorisierte Bearbeitung für zwei Klaviere beziehungsweise Flügel und Schlagwerk.

Ein Tänzchen auf dem Mittelaltermarkt - eine der vielen Episoden vor Konzertbeginn.

Diese Fassung ist ausschließlich für konzertante Aufführungen bestimmt. Eine szenische Aufführung ist damit, so Polyhymnia-Maestro Gottfried Kärner, „ausdrücklich untersagt”. Auch das war in Nieder-Roden kein Problem. Die Polyhymnia-Protagonisten hatten das Foyer in eine Art interaktives Mittelalter-Markttreiben umfunktioniert. Als Besucher tauchte man schon zwei Stunden vor dem Konzert ins 12. Jahrhundert ein und war Teil des teilweise derben Geschehens.

Da spielten sich viele geplante, gestellte und spontane Szenen ab, vom Bestaunen eines lebendigen Falken bis hin zu lautstarken Händlerstreitigkeiten, die Stadtwächter zu schlichten versuchten. Da trippelte der Konzertgänger auf dem vollen, trubeligen „Marktplatz” von einer Episode in die nächste.

Mittelaltermarkt als Entree

Als alle Besucher im Saal saßen, zogen sie nacheinander in antikem Outfit ein - die Marktweiber, Spielleute, Mönche, Landsknechte, Minnesänger, Ehrendamen, Adeligen, Bauern, Handwerker. Auch der eine oder andere Räuber hatte sich unters ehrbare Volk gemischt. Alle hatten ihre Lieder dabei, die sie anstimmten - und so spielten sich wieder allerlei Szenen ab, darunter die des um Gnade flehenden Ehebrechers, der, an den Pranger gebunden, hereingeschubst und gestoßen wurde. Da begab sich - vom Herold Jürgen K. Groh vorab verkündet - Etliches und trug sich so viel zu, dass es bei der Hauptsache, der szenischen Orff-Kantate, keiner Szenen und Spielhandlung mehr bedurfte.

Als alles mittelalterlich gewandete Volk auf der Bühne stand, war der Rodgauer „Carmina Burana”-Chor, zu dem sich noch der Kinderchor der Hergershäuser Bachwiesenschule gesellte, fertig und komplett. Dann war erstmal Pause.

Bauern, Mönche, Adelige und andere Gruppen bevölkerten den kurzweiligen ersten Teil des Konzerts.

Was sich daran anschloss, hat es so in Rodgau noch nicht gegeben: Carl Orffs populärstes Werk als Ganzes - in einer Gesamtinterpretation, die das Auditorium so begeisterte, dass es am Schluss gar nicht mehr aufhören wollte zu applaudieren. Das hatte es am Samstag heftigst schon gleich nach dem Kantaten-Start getan, dem „Fortuna”-Chor, den jede(r) aus der Werbung kennt. Sogleich machte Gottfried Kärner klar: Beifall bitte nach dem Schlussakkord des Gesamtwerks!

Zum Glänzen und Gelingen der Polyhymnia-„Carmina” trugen wesentlich die Konzertpianisten Ingo Riether und Hartmut Reyl an den beiden Flügeln hinter der Hundertschaft Sänger/innen bei - und dahinter, noch mehr erhöht, aber fast unsichtbar von vorne, das Schlagzeugensemble Steffen Reichenbach.

Die Schlagwerker hatten vor dem Konzert noch an einer Stelle umbesetzt werden müssen. Für Philipp Koser war Udo Diegelmann zu diesem famosen Percussions-Sextett gekommen, bestehend aus dem Namensgeber sowie Piotr Konczewski, Jan-Einar Groh, Torsten Keller und Lukas Schäfer.

Bilder von der Polyhymnia-Feier

Polyhymnia bringt Carmina Burana auf die Bühne

Optisch, mimisch und gesanglich brachte Sopranistin Christiane Maria Vetter Glücksmomente innerhalb der Werkthematik rüber. Ihr Sopran klang stellenweise nahezu „mezzo”. Dafür erschienen ihre Solisten-Kollegen höher, der ausdrucksintensive Tenor Joaquin Asiain fast schon altus-artig und Bariton Yang Li tenorös. Der Chinese, der das Melancholische, Introspektive, Dramatische verkörperte und es mit seinem Timbre entsprechend hochglimmen ließ, hatte auch seine grundierenden Stellen zu bewältigen, ansatzlose Sprünge aus dem hohen hinunter ins tiefe Register.

Die Zugabe war Händels erhebender „Halleluja”-Hit. Geradezu umwerfend in der Polyhymnia-Version, die schon den ersten Konzertteil gekrönt hatte. Allerdings hatte am Samstag aufbrausender Publikumsjubel just in die berühmte Generalpause vor dem vollends abhebenden Finalpart nicht nur Dirigent Gottfried Kärner in die Knie gezwungen - vor Schreck!

Quelle: op-online.de

Kommentare