Achtköpfiges Laborteam fahndet im Wasserwerk nach kleinsten Mengen an Schadstoffen

Sauberes Wasser als Ziel

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Stimmen alle Werte? Bevor das Trinkwasser aus dem Hahn fließt, wird es von Fachleuten wie Dragica Gojkovic im Jügesheimer Wasserwerk aufwändig geprüft.

Jügesheim (pul) ‐ „Sauberes Wasser für eine gesunde Welt“ prangt auf dem Plakat im Foyer des Jügesheimer Wasserwerks. Trinkwasser gehört in Deutschland zu den am besten kontrollierten Nahrungsmitteln. Allein in Jügesheim sind acht Personen täglich mit der Suche nach Schadstoffen im wertvollen Nass beschäftigt.

Die Zeiten, in denen Laboranten mit Indikatorstäbchen das aus dem Boden gepumpte Wasser auf Schadstoffe prüften, sind lange vorbei. „Das ist viel zu ungenau“, erläutert die stellvertretende Laborleiterin Dragica Gojkovic.

Stattdessen befinden sich in dem weiß gefliesten Labor hinter den großflächigen Glasfronten trinkflaschengroße Wasserbehälter, die über kleine Schläuche mit den Analysegeräten verbunden sind. Brummend und blinkend analysiert der PC-große Ionenchromatograph das Wasser und lädt die ermittelten Daten in den Computer. Will Dragica Gojkovic die Ergebnisse der Messung wissen, berührt sie die Taste am Drucker. Auf dem Papier erscheinen Ausschläge, als seien die Stöße eines Erdbebens registriert worden. Für die Suche nach Nitrat sind die „Berge und Täler“ auf dem Chromatogramm enorm wichtig. „Sie müssen in bestimmten zeitlichen Abständen auftreten“, erläutert Gojkovic, dann ist der Nitratwert unter dem gesetzlichen Grenzwert. 50 Milligramm pro Liter dürfen es maximal sein.

Der Zweckverband Wasserversorgung (ZWO) sitzt seit 2009 zentral in einem Neubau nahe der Waldfreizeitanlage. Seither gehören zu den 75 Mitarbeitern in Jügesheim auch acht Fachkräfte, die täglich die Qualität des Trinkwassers überprüfen. Zu ihrer Arbeit gehört die Analyse der gut 3 500 Proben, die pro Jahr im Jügesheimer Wald untersucht werden.

Dabei ist das Nitrat, das sich im Darm in Krebs erregendes Nitrit umwandeln kann, gar nicht mehr die größte Sorge des Teams um Diplom-Chemiker Dr. Harald Partscht. Im Hinterkopf haben die Verantwortlichen die in Gärten und Landwirtschaft eingesetzten Pflanzenschutzmittel der Vergangenheit, die viele Jahre brauchen, bis sie durch Regen ins Grundwasser sickern. Das früher im Maisanbau verwendete und vor 19 Jahren verbotene Atrazin bereitete noch 15 Jahre später Sorgen.

„Wir wissen schon, nach was wir suchen müssen“, so Gojkovic. Glücklicherweise sei die Konzentration der Pflanzenschutzmittel noch extrem niedrig. Es handelt sich um Konzentrationen im Nanogrammbereich pro Liter. Das Trinkwasser ist somit einwandfrei.

Nun lassen die Verantwortlichen nicht einfach die möglicherweise gesundheitsgefährdenden Stoffe im Wasser auf sich zukommen. Weit vor den Brunnenschächten liegen 2 000 Grundwassermessstellen - eine Art Frühwarnsystem. Peter Zöller misst an etwa 100 dieser Messstellen vor Ort den pH-Wert, die Leitfähigkeit und Temperatur. Bis zu 100 weitere Parameter, sprich Schadstoffe, werden im Labor gecheckt. Sollte zu viel Nitrat auftauchen, steuert der ZWO über die abgepumpte Menge der bis zu 80 Meter tiefen Brunnen die Inhaltsstoffkonzentration, um sie deutlich unter den Grenzwerten zu halten.

Alle Proben einwandfrei? Dann gilt es die Unterschrift unter die Analysen zu setzen, und ab geht’s mit dem erfrischenden Wasser in Richtung der Rodgauer Haushalte.

Quelle: op-online.de

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