„Sauberhaftes Hessen“

Alles Müll oder was?

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Die Bienengruppe der Kindertagesstätte Sonnenau unterwegs am Feldrand der Schillerstraße: Die Sammelaktion ist ein Teil eines umfangreichen Abfallprojekts, das sich über mehrere Wochen erstreckt.

Rodgau - Einen Auftakt nach Maß erlebte die Umweltkampagne „Sauberhaftes Hessen“ am Samstag. 164 große und kleine Rodgauer griffen zu Zange und Müllsack, um Abfälle am Wegrand zu sammeln.

Umweltministerin Lucia Puttrich und Rodgau-Monotones-Sänger Peter Osterwold gingen mit gutem Beispiel voran. Nach Angaben des Ministeriums beteiligten sich landesweit rund 15.000 Menschen aus 100 Städten und Gemeinden am Frühjahrsputz.

So groß war die Beteiligung in Rodgau noch nie. Die Stadtwerke hatten alle Register gezogen, um die Abfallaktion zu einem gelungenen Ereignis zu machen. Die Helfer wurden nicht nur mit Schutzwesten, Handschuhen, Greifzangen und stabilen Müllsäcken ausgestattet, auch Speisen und Getränke standen bereit. Dazu lief Musik der Rodgau Monotones. Ihr Hit „Die Hesse komme“ ist bundesweit bekannt, wie Lucia Puttrich aus eigener Erfahrung bestätigte.

„Ich bin noch nie einem richtigen Rodgau Monotone begegnet“, gab die Ministerin zu, bevor sie mit Peter Osterwald zum Abfallsammeln loszog. Vor klickenden Kameras pickte sie Abfälle auf, während er mit dem Müllsack eine eher tragende Rolle hatte. Besonders viel zu tun gab es unter den jungen Kastanienbäumen an der katholischen Kirche. Dort ist der größte Aschenbecher Rodgaus, wenn man von den S-Bahn-Stationen absieht. Puttrich: „Es gibt ganz schön viele Raucher in Rodgau.“

Nicht nur Kippen und leere Zigarettenschachteln füllten die Müllsäcke. Auch Papiertaschentücher, Plastikflaschen und Getränkedosen fanden sich in großen Mengen. Kinder der katholischen Kita Sonnenau sammelten am Waldfestplatz und an der Schillerstraße mindestens 50 Jägermeister-Fläschchen auf. Andere Helfer fanden an der Daimlerstraße ein kaputtes Handy. Außerdem lagen dort etliche Müllbeutel voller Katzenstreu - abgelegt von Mitbürgern, die den unangenehmen Geruch nicht in der eigenen Mülltonne haben wollen.

„Sauberhaftes Hessen“ in Rodgau

„Sauberhaftes Hessen“ in Rodgau

Einen hohen Ekelfaktor hat auch ein Fundstück auf dem Spielplatz im Rodau-Park: Im Sandkasten lag eine benutzte Babywindel. Sperrmüll zog die Jugendfeuerwehr Rodgau-Mitte aus dem Gebüsch hinter dem Feuerwehrhaus, unter anderem die Überreste zweier Fahrräder. Der Geschichts- und Kulturverein Hainhausen säuberte das Umfeld der S-Bahn-Station, Männer der Ahmadiyya-Gemeinde füllten Müllsäcke an der Frankfurter Straße, zwei Damen des SOS-Helferkreises sammelten in Rollwald. In den nächsten Wochen gehen noch viele Kindergruppen auf Tour; insgesamt kommt Rodgau diesmal auf 600 Teilnehmer.

Dem landesweiten Frühjahrsputz gewann Umweltministerin Puttrich in ihrer Ansprache eine grundsätzliche Bedeutung ab: „Der Staat sind wir alle. Jeder Einzelne kann seinen Beitrag leisten.“ Kreis-Umweltdezernentin Claudia Jäger sagte, neben Rodgau beteiligten sich sechs weitere Städte und Gemeinden des Kreises Offenbach: „Eigentlich wäre es das Beste, dass man sich übers ganze Jahr zum Sammeln trifft.“ Der Spruch des Tages kam von Peter Osterwald. Nach all den schönen Worten vor dem Rathaus streifte er die Arbeitshandschuhe über („zu klein!“) und mahnte zum Aufbruch: „Lasst uns losgehen, ich muss heute noch die Gasse kehren.“

(eh)

Quelle: op-online.de

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