Tuomas Koski neuer Revierförster

Sauer auf die Umweltfrevler

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Von Finnland nach Nieder-Roden: Der Revierförster Tuomas Koski (hier mit Rauhaardackel Gibo) fühlt sich wohl in seiner neuen Rolle.

Nieder-Roden – Bäume, Holz und Forstwirtschaft bestimmen schon lange das Leben von Tuomas Koski. Der Finne ist neuer Revierförster in Dudenhofen und Nieder-Roden. „Ich bin ein Klimaflüchtling“, witzelt er. Von Simone Weil

Der 32-Jährige stammt aus einer Gegend in Finnland, die nahe der russischen Grenze liegt. Dort kann es im Winter bis zu minus 30 Grad kalt werden. Eindeutig zu frostig für ihn, wie der Förster sagt. Außerdem sei es in der kalten Jahreszeit täglich auch nur etwa viereinhalb Stunden hell.

In Wirklichkeit aber hat Tuomas Koski der Liebe wegen seine Heimat verlassen. Vor zehn Jahren hat er eine Deutsche kennengelernt und viele Jahre eine Fernbeziehung gelebt. Der studierte Forstwirt kam 2015 endgültig nach Deutschland. Inzwischen hat er geheiratet und ist Vater eines zehn Monate alten Sohnes: Der heißt Falk und mit dem zweiten Namen „Tapio“ (in der finnischen Mythologie der Gott des Waldes und der Jagd).

In Deutschland seien seine Aufgaben als Förster vielfältiger als in Finnland, erzählt Koski. „Das genieße ich sehr“, sagt er. Seine Heimatregion ist ein bedeutendes forstwirtschaftliches Zentrum. Dort sei die Arbeit stark auf die wirtschaftliche Nutzung ausgerichtet. In Deutschland kämen viele pflegerische Aspekte hinzu, nicht zuletzt wegen der größeren Artenvielfalt. Aber auch die Arbeit mit Schulklassen und Führungen, in denen er über seine Arbeit berichtet, mag der Förster sehr. Inspirationen für den Umgang mit Schülern bekommt der Landesbedienstete auch von seiner Frau: Die arbeitet nämlich als Waldpädagogin in Hanau-Wolfgang.

Was Koski sauer macht, sind die Umweltfrevler, die heimlich ihren Müll in den Wald kippen. Doch nicht weniger ungehalten ist der Waldfachmann über selbst ernannte Naturapostel, die vielleicht Gutes wollen, das aber unbedarft umsetzen. An vielen Stellen im Forst hatten Unbekannte nämlich laminierte Hinweise gegen Dreck im Wald aufgehängt und sich als offizielle Stelle ausgegeben. „Die Aushänge waren mit einem langen Nagel im Baum befestigt“, erzählt Koski fassungslos.

Der Förster weiß um die große Empfindlichkeit der Bürger, wenn es um Waldarbeiten, Rodungen und Fällungen geht. Deswegen hält er viel davon, rechtzeitig über Hintergründe größerer Arbeiten zu infomieren. Das hat er sich vorgenommen.

Beim Wechsel nach Deutschland habe er keinen Kulturschock erlebt, berichtet der Forstwirt. Er empfindet Alltag und Mentalität ähnlich wie in Finnland, allerdings vermisst er die vielen frei zugänglichen Seen sowie das Hafer- und Gerstebrot. Deutsch hat der Förster bereits in der Schule gelernt, weitere Kurse halfen, die Sprache zu vervollkommnen. Die Verständigung klappt reibungslos. Im Team mit seinen überwiegend gleichaltrigen Mitarbeitern fühlt er sich sehr wohl.

In der Natur unterwegs zu sein, bedeutet dem Finnen viel. Dort entspannt er und kann seinen Hobbys nachgehen. Das ist zum Beispiel das Jagen: „Fast 90 Prozent des Fleisches, das wir zuhause essen, ist Wild“, erzählt Koski. Seine andere Leidenschaft ist das Fotografieren von Tieren, aber auch Pflanzen als Makrobilder schätzt er sehr. Begeistert berichtet er, was ihm schon vor die Linse kam: etwa eine Dachsmutter mit zwei Jungen beim Herumtollen, sieben Fuchsjunge auf einen Streich und sogar ein Uhu und ein Neuntöter.

In den nächsten Wochen wird der Förster mit seiner Familie umziehen, auch wenn die Sanierung im Forsthaus Langenloh erst zum Teil beendet ist. „Dort ist 20 Jahre nichts gemacht worden“, erzählt der Forstwirt. Auf die Dachdecker müssen die künftigen Bewohner noch ein paar Monate warten. Wenn alles fertig ist, wird Koski auch seine Sprechstunde im Forsthaus abhalten.

Quelle: op-online.de

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