Schädlinge fürchten Kälte nicht

+
Revierförster Peter Bangert schält auf der Suche nach Schädlingen mit gekonnten Handgriffen und einer Axt von einem abgestorbenen Baum ein Stück Rinde ab.

Rodgau ‐ Schnee, Eis, klirrende Kälte über Nacht. Während viele Rodgauer bibbern und vom Winter längst genug haben, nehmen‘s die Tiere in Wald und Feld gelassen. Das gilt leider auch für Schädlinge. Von Bernhard Pelka

Die Natur hat sie auf so etwas vorbereitet“, sagt Forstamtsleiter Kurt Schäfer. Er hätte es zwar gern gesehen, wenn im heimischen Forst die Eier des lästigen Eichenprozessionsspinners an Zweigen in den Baumkronen oder auch Engerlinge der Maikäfer in der Erde erfroren wären. „Das ist aber nicht der Fall. Frost schadet denen nicht.“ Viele Schädlinge haben - wie die Tiere des Waldes auch - „ein hervorragendes Regulativ entwickelt“, berichtet der Waldexperte von einem ganz speziellen Schutzmechanismus gegen Dauerfrost. „Die fahren den Stoffwechsel zurück, müssen kaum etwas fressen.“

Das Motto lautet: Energie sparen, sich weniger bewegen in den Wochen, in denen der Speiseplan dürftig ausfällt. Die Kälte macht Reh, Wildschwein und Hase generell nichts aus. „Sie finden ja auch noch ganz gut Futter“, sagt Schäfer. „In unserer Region liegt nur eine dünne Schneedecke.“

Außerdem arbeitet die Tierwelt mit Tricks. Eichhörnchen, Feldhamster und Dachs, zum Beispiel, legen Futterdepots an, die sie bei Bedarf plündern. Andere Tiere suchen sich in Keller oder Dachboden ein lauschiges Plätzchen, um den Winter zu überstehen. Dazu zählen Mäuse, Weberknechte und Siebenschläfer.

Bei Regen, Nebel, ein, zwei Grad plus, bilden sich Schimmelpilze

Anpassungsfähig ist auch die Population der Schädlinge. Sie muss kaum Verluste hinnehmen. „Mildes und feuchtes Wetter wäre schon eher ein Problem“, berichtet der Forstamtsleiter. Bei Regen, Nebel, ein, zwei Grad plus, bilden sich Schimmelpilze. Und die befallen auch Schädlinge gern. „Der aktuelle Winter ist aber trocken und kalt. Da passiert das nicht.“

Fakten

  • Mit Schädlingen kennt sich der Pflanzenschutzdienst des Regierungspräsidiums Gießen ganz genau aus.
  • Er versendet per Post und E-Mail regelmäßig Informationen und seinen Warndienst zum Thema, getrennt nach Ackerbau, Haus- und Kleingarten sowie Obstanbau.
  • Kosten: ab zehn Euro.
  • Anfordern unter E-Mail: psd-wetzlar@rpgi.hessen.de oder Tel.: 0641 3035227.

Diese Meinung teilen die Fachleute vom Pflanzenschutz-Warndienstes des Regierungspräsidiums Gießen. Der Winter mit zum Teil strengem Frost habe die Zahl der Schädlinge kaum verringert. Landwirte und Hobbygärtner könnten deshalb nicht mit Erleichterung rechnen. Entgegen der weit verbreiteten Meinung kämen die heimischen Plagegeister wie Frostspanner oder Blattläuse sehr gut mit Frost zurecht. „Laub, Nadeln, dann noch der Schnee darüber - das ist doch geschützt wie in einem Iglu“, bestätigt Revierförster Peter Bangert. Er macht die Beobachtung, dass Borkenkäfer & Co. mit Tiefkühlwetter super klar kommen.

Höchstens die Wühlmäuse werden leiden“, vermutet auch Landwirt Stefan Raab. „Insekten haben dagegen keine Probleme.“ Der Schnee sei „wie eine Isomatte“. Und die schützt derzeit auch die Feldfrucht vor Frostschäden. Deshalb gedeiht Wintergerste unter der weißen Pracht bestens.

Im Jügesheimer Feld baut Raab Wintergerste, Winterroggen, Winterweizen, im Frühjahr Hafer, Mais, Raps und Kartoffeln an. Eine Verzögerung der Ernte erwartet der Bauer trotz der strengen Witterung nicht. „Die Natur holt das locker auf. Sobald es jetzt ein bisschen wärmer wird, gehen die Pflanzen ab wie nichts.“

Quelle: op-online.de

Kommentare