Initiative „Pop-up-Galerie“ will Künstlern in der Corona-Krise helfen

Schaufenster für Kunst aus Rodgau

Ein Anfang ist gemacht: Yvonne Rebmann (rechts) und Jürgen Sagstetter (links) stellen ihre Schaufenster als Ausstellungsraum für Künstler zur Verfügung. Jens Joneleit (Zweiter von rechts) zeigt am Puiseauxplatz einige seiner Gemälde. Mit im Bild: Lothar Mark, der die Aktion unterstützt.
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Ein Anfang ist gemacht: Yvonne Rebmann (rechts) und Jürgen Sagstetter (links) stellen ihre Schaufenster als Ausstellungsraum für Künstler zur Verfügung. Jens Joneleit (Zweiter von rechts) zeigt am Puiseauxplatz einige seiner Gemälde. Mit im Bild: Lothar Mark, der die Aktion unterstützt.

Schaufenster für die Kunst: Einige Geschäftsleute in Rodgau stellen ihre Fenster als „Pop-up-Galerie“ für ortsansässige Künstler zur Verfügung. Damit wollen sie den Kunstschaffenden durch die finanzielle Durststrecke der Corona-Zeit helfen. Vorteil für Kunstfreunde: Aktuelle Kunst ist preiswerter als in der Galerie.

Rodgau - Über die Bedeutung von Kunst und Kultur in Zeiten des Lockdowns ist viel geschrieben worden. Ihr gesellschaftlicher und sozialer Wert steht außer Frage. Für die meisten professionellen Künstler immer noch unbeantwortet bleibt dabei die Frage, wie das tägliche Brot bezahlt werden soll.

Trotz der Förderprogramme der öffentlichen Hand befinden sich dennoch viele Künstler in zum Teil prekären finanziellen Notlagen. Wie können wir diesen Künstlern unter die Arme greifen, fragten sich Lothar Mark sowie Yvonne Rebmann, die sich beide der Rodgauer Kunstszene eng verbunden fühlen. Herausgekommen ist die Idee, eine Art „Pop-up-Galerie“ zu initiieren, in der lokale Künstler ihre Werke zum Verkauf anbieten können.

Als „Pop-up-Galerie“ wird normalerweise eine Galerie bezeichnet, die nicht genutzte Ausstellungs- und Ladenflächen dafür nutzt, um spontan und für kurze Zeit Kunstwerke auszustellen.

Konkret wurde Kontakt mit der städtischen Agentur Kultur, Sport und Ehrenamt (AKSE) aufgenommen und dort die Idee vorgebracht. Das traf auf großes Interesse, da dieses Thema dort auch schon angedacht war.

Um mit gutem Beispiel voranzugehen, stellt Yvonne Rebmann die Schaufenster ihres „Malraum-Rodgau“ am Puiseaux-Platz in Nieder-Roden als Präsentationsfläche zur Verfügung.

Der Malraum-Rodgau hatte seit dem ersten Lockdown im März vergangenen Jahres nur wenige Wochen öffnen können. Wann es weiter gehen kann, ist für Yvonne Rebmann nicht planbar. Aktuell bietet sie Online-Malkurse an, um zumindest den Kontakt zu ihren Malenden aufrecht erhalten zu können.

Ihr Nachbar Jürgen Sagstetter von der Firma Pro Finance Consulting hat sich spontan der Idee angeschlossen. Ebenso wie Stefan Manus vom Einrichtungshaus Manus in Nieder-Roden, der sein Möbelhaus schon des Öfteren als Ausstellungsfläche zur Verfügung gestellt hat. Auch das in der Jügesheimer Triangel ansässige TuTump Ceramic Art Studio hat sich bereit erklärt, seine Schaufenster zur Verfügung zu stellen.

Der erste Aussteller wurde von Rebmann und Mark auch schnell gefunden: Es ist Jens Joneleit, Kulturpreisträger der Stadt Rodgau, der seit vielen Jahren sowohl national als auch international auf sich aufmerksam macht. Auch er hat seit dem Lockdown im März 2020 praktisch sein ganzes Einkommen verloren. Sicher geglaubte Kompositionsaufträge wurden storniert, ausstehende Abschlags- oder Restzahlungen nicht mehr geleistet. Auch der Verkauf seiner Bilder kam vollends zum Stocken. Für ihn kommt die Idee wie gerufen, um dringend benötigtes Einkommen zu erzielen. Gleichzeitig ist es für die Bürger seiner Heimatstadt Rodgau auch eine Gelegenheit, das künstlerische Schaffen des Künstlers näher kennenzulernen.

Ein besonderer Reiz für Käufer besteht darin, dass im Vergleich zum üblichen Verkauf seiner Kunstwerke in Galerien, in dieser Aktion kein Preisaufschlag durch die Galeristen auf seine Kunstwerke anfällt. Damit gibt es einen echten Joneleit für deutlich weniger als die Hälfte des marktüblichen Preises.

Die AKSE plant nun in Kooperation mit der Agentur für Wirtschaft und Stadtmarketing, lokale Einzelhändler und Rodgauer Künstler anzusprechen, um dieses Projekt unter dem Namen ‚KunstHandel‘ weiterzuführen. Entsprechende Anschreiben gehen demnächst raus.

Bei konkretem Kaufinteresse an einem der Kunstwerke erfolgt die Kontaktaufnahme über die E-Mail-Adresse des ausstellenden Künstlers.  (siw)

Im Schaufenster des Möbelgeschäfts wirkt das Joneleit-Bild wie ein Triptychon.

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