Seit April 17 Wildschweine und drei Rehe totgefahren

Schlachtbank Kreisquerverbindung

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Jagdpächter Axel Brauer (links) und sein Kollege Heinz Löw zeigen auf die Unfallstelle an der K 174.

Rodgau - Mit der drastischen Vermehrung der Wildschweine nimmt die Gefahr von Wildunfällen auf der Kreisquerverbindung (K 174) zu. Liegen dort tote Tiere, alarmiert die Polizei die zuständigen Jagdpächter. Von Bernhard Pelka

Seit 1. April mussten der Jügesheimer Jagdpächter Axel Brauer und sein Kollege Heinz Löw 17 tote Wildschweine und drei Rehe beseitigen. Die beiden Jäger weisen auf ein weiteres Problem hin. Sie stören sich an einem etwa hüfthohen Zaun. Er steht am Waldrand auf dem Gebiet der Jagdpacht Nieder-Roden Nord. Dieser Leit-Zaun führt das Wild zwangsläufig zu einer Stelle an der K 174, an der es beim Überqueren der Fahrbahn auf Jügesheimer Gemarkung trifft. Kommt es dabei zum Unfall auf der Kreisquerverbindung, sind automatisch Brauer und Löw zuständig für den Abtransport der Kadaver - meist mitten in der Nacht.

„Mir stinkt’s“, ist Brauer sauer. „Der Nieder-Röder Kollege hat sich des Problems mit seinem Zaun entledigt. Jetzt müssen wir ständig die Suppe alleine auslöffeln. Das ist unkollegial. Entweder es wird hier alles eingezäunt oder ich mache auch nichts mehr“, kündigt er drastische Konsequenzen an. Überdies bezweifeln Brauer und Löw, dass der Zaun legal ist. Die Waidmänner haben sich deshalb beim Forstamt Langen schlau gemacht. „Die sagen, sie sind nicht zuständig.“ Nächster Ansprechpartner war dann die Umweltbehörde beim Kreis Offenbach. „Dort wird der Fall noch beraten.“

Umstrittene Einzäunung

Die jetzt plötzlich umstrittene Einzäunung hat Spargelbauer Jürgen Werle aus Nieder-Roden schon vor mindestens fünf Jahren aufgestellt. „Das geschah in Abstimmung mit dem Forstamt“, sagt er. Der Zaun begrenzt ein Waldstück, das ihm privat gehört. Auslöser für den Zaunbau war ein tödlicher Wildunfall, bei dem eine Mutter zweier Kinder starb. „Damals habe ich gesagt: Jetzt reicht’s, es muss was passieren“, erinnert sich Werle. Er kann verstehen, dass seine Jäger-Kollegen über die aktuelle Entwicklung nicht glücklich sind, bedauert aber zugleich, dass sie ihn nicht persönlich wegen ihres Ärgers angesprochen haben. „Wir finden bestimmt eine Lösung.“

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Werle sagt, er habe keine Schwierigkeiten damit, den Zaun zu beseitigen. „Das wird aber das Problem nicht lösen.“ Denn Ursache sei die explosionsartige Vermehrung der Wildschweine. „Ihre Population hat um gut 200 Prozent zugelegt.“ Tatsächlich dringen Wildschweine auf der Suche nach Futter inzwischen sogar in Großstädte vor. In Hanau rannte erst Anfang Oktober gleich eine ganze Rotte durch die Innenstadt. Polizisten, Mitarbeiter des Ordnungsamtes und ein Jäger fingen acht Tiere ein, eins floh. In Frankfurt hat sich ein Wildschwein-Vorfall 2008 tief ins Gedächtnis der Bürger gegraben. Das Tier war durch eine Glastür in den Saal der evangelischen Martinusgemeinde in Schwanheim gesprungen und tobte blutend durch den Mini-Club. Das Schwein flüchtete und wurde später auf der Schwanheimer Brücke überfahren.

Quelle: op-online.de

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