Schlichte Kirche aufgewertet

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Wandlungsfähiges Gestühl: Pfarrer Hansjörg Rekow und Kirchenvorstand Andreas Finkeldey zeigten, wie sich im Handumdrehen die Optik der Kirche verändern kann.

Weiskirchen (lö) ‐ Die Handwerker sind so gut wie abgezogen, gestern feierten die Weiskircher Protestanten die Renovierung ihrer 1952 geweihten Kirche am Hohen Nickel mit einem Festgottesdienst. Dekan Carsten Tag hielt die Predigt.

Das kleine Gotteshaus im Norden des Stadtteils ist Innen so gut wie neu und vor allem viel, viel heller als noch im Sommer. Weiß gestrichene Wände und eine effektive, aber sparsame Beleuchtung unterstreichen den freundlichen Eindruck. Parkett ersetzt den abgewetzten Linoleumboden, die Bleiverglasung der Fenster wurde ebenso erneuert wie Mikrophonanlage und Orgel. Seit Juli wurde dort gewerkelt.

Die Gemeinde hat alle Renovierungsarbeiten von Profis erledigen lassen, um ihren aktiven Mitglieder nicht noch mehr Aufgaben aufzubürden, erläuterte Pfarrer Hansjörg Rekow. Lediglich die kleine Teeküche wollen die Protestanten in eigener Regie aufmöbeln.

Bau soll Charakter nicht verlieren

Eine Kirchenrenovierung ist immer eine Herausforderung“, sagten die Darmstädter Architekten Uwe Blumenstein und Joachim Goldstein, die den rund 200.000 Euro teuren Umbau managten. Mit vergleichsweise bescheidenen Mitteln hätten sie hoffentlich erfolgreich versucht, viel zu erreichen. Ihr Ziel: den schlichten Bau so aufwerten, dass er seinen Charakter nicht verliert. Erfahrung hat das Architekturbüro unter anderem bei Kirchenrenovierungen in den Frankfurter Stadtteilen Bockenheim, Nied und Sachsenhausen gesammelt.

Stolz sind Planer, Pfarrer und Kirchenvorstand auf die 122 neuen Stühle. Buchstäblich im Handumdrehen wechselt die Polsterfarbe zwischen gediegenem Grau und freundlichem Rot. Die Sitzmöbel sind Unikate und wurden in dieser Form ausschließlich für die Gustav-Adolf-Kirche getischlert. Sie werten nicht nur die Optik, sondern zur Freude der Organisten auch die Akustik auf. Die Filzpolster absorbieren den Schall, Musik und Gesang hallen weniger durch den Raum.

Kirche besser in den Blick der Passanten rücken

Knappe 90.000 Euro muss die evangelische Kirchengemeinde aus eigener Kraft aufbringen. Einen Teil bezahlt sie aus Rücklagen, 30.000 Euro will sie über Spenden finanzieren. Aus den alten Stühlen wurden beispielsweise Kunstwerke, die zu Gunsten der Renovierung versteigert wurden. Auch beim Hainhäuser Weihnachtsmarkt sammelte die Gemeinde für das Projekt, das mit dem Festgottesdienst noch lange nicht zu Ende ist.

Im Lauf des Jahres will die Trinitatisgemeinde ihre Kirche besser in den Blick der Passanten rücken. Dazu lässt sie einen Teil der Bäume, hinter denen sich das Gotteshaus versteckt, fällen und die Außenanlage zu einem befestigten Platz umgestalten. Und auch in die Sicherheit investiert die Gemeinde: In den Kirchturm muss sie eine solide Leiter einbauen, damit Wartungsarbeiten sicher durchgeführt werden können. Wer bislang zu den Glocken klettern musste, kam nur über Steigeisen aus den frühen Jahren der Gustav-Adolf-Kirche an sein Ziel.

Quelle: op-online.de

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