Schnee schieben um 4 Uhr früh Die Glätte im Griff

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Um 4 Uhr früh rückt der Winterdienst in Jügesheim aus.

Rodgau ‐ 4 Uhr früh. Die Stadt schläft. Doch im Bauhof Jügesheim ist Licht. Der Winterdienst macht sich bereit zum Ausrücken. Peter Böschow verteilt die Einsatzpläne an die Fahrer. Die Fußtrupps für die Geh- und Radwege werden erst eine Stunde später starten. Von Ekkehard Wolf

Richard Ricker klettert in seinen Unimog. Bevor er zum Dienst gefahren ist, hat er bereits daheim in Weiskirchen seinen Gehweg gekehrt. Für ihn hat der Tag um 3 Uhr begonnen. Pünktlich mit dem Wecker klingelte das Handy: „Minus 2,5 Grad“ meldete die Glättewarnanlage der Brücke Udenhoutstraße. Ricker hat in dieser Woche Bereitschaftsdienst. „Am Sonntag bin ich von 20 bis 22 Uhr gefahren und dann wieder am Montag um 4 Uhr. Und wenn in der Nacht die Polizei anruft, muss ich halt auch raus.“

Richard Ricker im Führerstand des Unimog: Mit einem „Joystick“ kann er das Räumschild so steuern, wie es die Straße erfordert.

Mit Tempo 30 fährt der Unimog über die Haingraben-Brücke in den Ort. Vorne rumpelt das schwere Räumschild. Die weißen Kristalle stieben zur Seite. Statt der angekündigten Schneemassen sind nur ein paar Zentimeter Pulverschnee gefallen. Doch auch der muss weg. Nur wenige Menschen sind wach. An der Dudenhöfer Straße kehrt Wolfgang Sattler den Gehweg vor seinem Laden „Ums Eck“, damit die Frühaufsteher trockenen Fußes ihr Frühstück holen können. In der Gaststätte „Sowiso“ ist noch Licht, weil die Küche geputzt wird. Ein paar Leute warten am Bahnhof auf die erste S-Bahn.

Busstrecken, Unterführungen und Hauptstraßen stehen auf dem Tourenplan. Alle zehn Minuten hält Richard Ricker kurz an und trägt die Uhrzeit ein: „Damit wir nachweisen können, wann wir wo waren.“ Mit einem Fingertipp stellt er Streubreite und Dosierung ein. 20 Gramm pro Quadratmeter müssen reichen. Nur an gefährlichen Stellen darf es mehr sein.

Streusalz ist so knapp, dass Ricker und seine Kollegen ein Salz-Splitt-Gemisch verwenden. Aber auch das ganz sparsam. So reicht der Inhalt des Vorratsbehälters derzeit für eine Tagestour von etwa 60 Kilometern. Eigentlich bräuchte man für diese Strecke die dreifache Menge.

Peter Böschow verteilt die Einsatzpläne an die Fahrer wie Uwe Bachert.

Das Rumpeln des gut zwei Meter breiten Schneeschiebers ist in der gefederten Fahrerkabine nur dezent zu spüren. Das Räumschild hebt und senkt sich hydraulisch. Dazu reicht ein Fingerdruck auf den schmalen Steuerknüppel („Joystick“). „Bei dem alten Schieber musste man aussteigen und die Bolzen wechseln, wenn ihn von rechts auf links umstellen wollte“, erzählt Richard Ricker, der seit 20 Jahren im Winterdienst fährt. Die umgerüsteten Schlepper hatten nicht mal eine Heizung.

Um 5 Uhr sind schon die wichtigsten Hauptstraßen geräumt. Vor dem Berufsverkehr kann der Winterdienst ungehindert arbeiten, danach kommt er nur zäh voran. Noch sind erst wenige Autofahrer unterwegs. Wenn sie das zuckende, gelbe Licht sehen, lassen sie den Schneepflug vorbei. Nicht immer stoßen die Winterdienstfahrer auf so viel Verständnis, wie Richard Ricker berichtet: „Ich habe auch schon erlebt, dass die Leute samstags auf der Gass‘ stehen und mit dem Schneeschieber drohen.“

Quelle: op-online.de

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