Schneckentempo in alten Ortskernen und Gewerbegebieten

Schnelles Internet oft Fehlanzeige

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Rogdau - Das Netz hat Lücken: Wohn- und Gewerbegebiete sind noch immer nicht flächendeckend mit Breitbandleitungen fürs schnelle Internet versorgt. Schneckentempo nervt Bewohner der alten Ortskerne und die Mitarbeiter vieler Firmen. Von Ekkehard Wolf 

Die CDU-Stadtverordnetenfraktion will es nun genau wissen. Sie fragt den Magistrat, wie gut die einzelnen Stadtteile ans Internet angebunden sind und ob es konkrete Ausbaupläne gibt. Darüber hinaus soll der Magistrat darstellen, welche Handlungsoptionen bestehen, um eine flächendeckende Versorgung mit leistungsstarken Internetzugängen für das gesamte Stadtgebiet zu erreichen. Als notwendige Grundversorgung bezeichnet CDU-Fraktionschef Clemens Jäger eine Datenübertragungsrate von mindestens 50 Megabit pro Sekunde (Mbit/s). Bereits vor mehr als zwei Jahren hatte sich die Fraktion „Zusammen mit Bürgern“ für schnelleres Internet stark gemacht.

Unternehmen aus Rodgau klagen schon lange über unzureichende Verbindungen ins Netz. Sorgenkinder sind die Gewerbegebiete Jügesheim und Weiskirchen-Ost. Dort werden stellenweise nur ein bis zwei Mbit/s erreicht (DSL 1000 bis 2000). Die lahmen Leitungen bremsen Hightech-Betriebe in Rodgau aus. Ein prominentes Beispiel ist die Informationstechnische Servicestelle der gesetzlichen Krankenversicherung (ITSG), die 2009 von Weiskirchen nach Heusenstamm umzog. Bereits zuvor hatte das Unternehmen sein Rechenzentrum nach Frankfurt ausgelagert. Eine Richtfunkstrecke war notwendig, da es in Weiskirchen keine geeigneten Breitbandleitungen gab.

Schnelles Internet ist keine Hexerei

Schnelles Internet ist keine Hexerei: Diesen Eindruck vermittelten drei Netzbetreiber im Februar 2012 im ersten „Breitbandforum“ der städtischen Wirtschaftsförderung. Sowohl die Deutsche Telekom als auch Unitymedia und HSE Medianet sprachen davon, ein Ausbau sei machbar. Ein Optimismus mit Haken, wie sich bei näherem Hinsehen zeigte: Die HSE Medianet bot die 50 MBit/s in Nieder-Roden-Süd nur asynchron in einer Richtung an, Unitymedia hatte die Gewerbegebiete vom Glasfasernetz ausgespart und die Telekom forderte finanzielle Vorleistungen in der Größenordnung von 300.000 Euro.

Mehr Markttransparenz erhoffte sich der Kreis Offenbach von einer Breitbandstudie, die er im vergangenen Jahr in Auftrag gab. Eine Umfrage sollte den Bedarf an Internetanschlüssen ermitteln. Auch Bürger und Betriebe aus Rodgau füllten den Fragebogen aus. Gut zwei Jahre nach dem Breitbandforum im Rathaus hat Wirtschaftsförderer Bernhard Schanze viele Informationen über Glasfasern, Kupferleitungen, Leerrohre und Anschaltpunkte gesammelt. Daraus ergeben sich Chancen auf Verbesserungen. „Wir müssen uns von dem Gedanken lösen, dass die Telekom alles richten wird“, sagte Schanze kürzlich auf einer Veranstaltung mit dem Bundesverband mittelständische Wirtschaft im Opel-Testcenter. In den nächsten Monaten werde es konkrete Angebote der Netzbetreiber für einzelne Gewerbegebiete geben.

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Wenn es nach der CDU geht, sollten die Stadtverordneten spätestens am 13. Oktober eine Übersicht über den Stand der Dinge in der Hand halten. Der Unionsfraktion geht es dabei auch um die Frage, ob eine Zusammenarbeit mit den Nachbarkommunen Rödermark, Seligenstadt, Hainburg und Mainhausen sinnvoll ist. Kritik an den Netzbetreibern äußert Bürgermeister Jürgen Hoffmann: „Die Kunden will jeder haben, aber das Netz will keiner bauen.“ Im Gegensatz zur Nachbarstadt Rödermark werde Rodgau keine Steuergelder in den Netzausbau investieren, „solange wir nicht mal unsere Straßen reparieren können.“

Quelle: op-online.de

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