Verzögerung beim Netzausbau

Schnelles Internet kommt langsam

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Die Kabel sind verlegt, doch die Kunden warten auf schnelle Leitungen. Wie lange noch?

Rodgau -  Der Breitbandausbau in Rodgau verzögert sich weiter. Statt Mitte September 2017 ist nun Ende März 2018 im Gespräch. Sicher ist das aber nicht. Bürgermeister Jürgen Hoffmann (SPD) fordert nun verlässliche Informationen von der Deutschen Telekom. Von Ekkehard Wolf

Es sei „nicht mehr vertretbar“, die Bürger noch länger hinzuhalten. „Von 5 auf 100 MBit/s in sofort“, versprach die Telekom im März vergangenen Jahres auf einem Werbebanner in Dudenhofen. Nun zeigt sich: Das Wort „sofort“ ist ein dehnbarer Begriff. „Stinksauer“ auf das Unternehmen zeigte sich Bürgermeister Hoffmann in der wöchentlichen Magistratspressekonferenz: „Wir haben ihnen seit September monatelang Zeit gegeben, die Öffentlichkeit zu informieren.“ Eine konstruktive Zusammenarbeit sehe anders aus.

„Wir fühlen uns auf der Seite der Menschen, die betroffen sind“, betonte Hoffmann. Die Stadt habe aber nur einen begrenzten Einfluss. Immerhin baue der Telefonkonzern sein Netz ohne städtische Kostenbeteiligung aus. Im Rathaus sei der Eindruck entstanden, der technische Betriebszweig der Telekom bremse den Vertrieb aus. Jürgen Hoffmann: „Wir sind schon davon überzeugt, dass der Ausbau weitergeht. Wir wissen nur nicht, wann.“ Die städtische Wirtschaftsförderung steht weiterhin in Kontakt mit der Telekom. Volker Pechmann vom Infrastrukturvertrieb Mitte (Frankfurt) versprach der Stadt per E-Mail, bis Mitte nächster Woche allen Kommunen des Kreises Offenbach den aktuellen Stand der Dinge mitzuteilen.

Da war die Welt noch in Ordnung: Bürgermeister Jürgen Hoffmann und Jutta Hegwein vom Infrastrukturvertrieb Mitte der Telekom Deutschland im Mai vergangenen Jahres bei einem Fototermin in Dudenhofen. Beim Thema Breitbandausbau ist dem Bürgermeister das Lachen vergangen.

Die Verzögerung beim Ausbau sei kein örtliches, sondern ein bundesweites Problem, sagt George-Stephen Mc Kinney, der als Telekom-Pressesprecher für vier Bundesländer zuständig ist. Einerseits gebe es Lieferengpässe beim Material, andererseits mangele es an Subunternehmern für die Montage. Besonders Tiefbaufirmen seien derzeit kaum zu finden. Den aktuellen Ausbaustand nennt der Sprecher nur für drei der fünf Stadtteile. In Jügesheim und Dudenhofen seien fast 100 Prozent der neuen Anschlüsse verfügbar. In Nieder-Roden sei bis Ende März mit dem Abschluss der Arbeiten zu rechnen.

Ausgenommen sind laut Mc Kinney noch die Nahbereiche“ der drei Vermittlungsstellen. Darunter versteht man alle Telefon- und Internetanschlüsse im Umkreis von 550 Metern. Sie sind nicht an einen der grauen Schaltkästen am Straßenrand angeschlossen, sondern direkt an die Vermittlungsstelle. Erst seit August vergangenen Jahres gebe es eine EU-weite Regelung für diesen sogenannten „Nahbereich II“. Die betroffenen Anschlüsse würden in Rodgau „nicht vor 2019“ umgestellt.

„Wir drehen im Moment ein sehr großes Rad“, betont Mc Kinney. Die Telekom stecke 2017 und 2018 jeweils fünf Milliarden Euro in den Netzausbau. Woche für Woche würden 70.000 Anschlüsse auf IP-Technik umgestellt. Über die Verzögerung beim Bau ärgere sich die Telekom am meisten, sagt der Sprecher: „Die Einzigen, die davon finanzielle Nachteile haben, sind wir. Für uns lohnt sich ein Netz erst, wenn wir es vermarkten können.“ Der Konzer habe deshalb ein großes Interesse daran, das neue Netz so schnell wie möglich in Betrieb zu nehmen.

Welche Computermaus ist die richtige?

Die Landkarte im Internet (www.telekom.de/schneller) über die Verfügbarkeit der Anschlüsse stellt nicht den tatsächlichen Ausbaustand dar, wie George-Stephen Mc Kinney auf Anfrage bestätigt. Die Telekom sei damit „nicht besonders glücklich“, da die Karte ein wichtiges Vertriebsinstrument sei. Die Karte enthalte üblicherweise eine Prognose für drei Monate, eine genauere Darstellung sei technisch nicht möglich: „Es ist nicht alles so trivial, wie es aussieht.“

Weiße Flecken: Die Karte auf den Internetseiten der Telekom zeigt nicht den aktuellen Ausbaustatus.

Keine Erklärung hat der Telekom-Sprecher dafür, dass die Verfügbarkeitskarte auch Rückschritte verzeichnet. Einige Wohngebiete sind dort als weiße Flecken dargestellt, obwohl sie vor einigen Monaten als „im Ausbau befindlich“ angezeigt wurden. An einem Informationsabend vor vier Monaten im Rathaus hieß es, die Telekom habe das Breitbandnetz in Rodgau zu 98 Prozent ausgebaut. Für 21.385 Anschlüsse seien Übertragungsraten von mehr als 50 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) zu erwarten. Die meisten davon (20.400 Anschlüsse) kämen auf 80 Mbit/s oder mehr. Das volle Tempo von 90 bis 100 Mbit/s wurde für rund 19.000 Anschlüsse angekündigt.

Quelle: op-online.de

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