Haus der Eheleute Dutiné immer noch nicht ganz wieder hergestellt

Der Schock nach Feuer sitzt noch tief

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Dudenhofen - „Uns entgeht keine Feuermeldung mehr – weder in der Zeitung noch im Radio“, sagen Manuela und Thomas Dutiné wie aus einem Mund. Von Bernhard Pelka 

Die große Aufmerksamkeit, die das Ehepaar solchen Unglücksmeldungen schenkt, hat eine bedauerliche Ursache: Die Eheleute sind gebrannte Kinder. Und das im wahrsten Wortsinn. Am 17. Januar 2016 zerstörten Flammen ihr Haus an der Wiesenstraße 3. Erst im vergangenen Mai konnten sie wieder einziehen – und noch immer ist es im Zuhause noch nicht so wohnlich wie früher.

Die Treppe zum Dachgeschoss, in dem das Tonstudio war, nach der Renovierung und nach dem Feuer (oben).

Ausgebrochen durch einen technischen Defekt im Tonstudio unterm Dach, fraß sich das Feuer durch das ganze Obergeschoss. Schlimmer noch war der Schaden durch Löschwasser: „Etwa 70 zu 30 Prozent“, schätzt Thomas Dutiné. „Im Keller stand das Wasser knöchelhoch. Dort lief die Pumpe beim Absaugen einen kompletten Tag. Wir hatten Holz-Lehm-Decken. Die haben sich aufgelöst.“ Deshalb konnten die Hausbesitzer nach den Löscharbeiten durch den komplett ausgebrannten Dachstuhl „in den Himmel gucken“.

Nach Romantik stand den Feueropfern der Sinn freilich nicht. „Für mich war das alles zunächst mal ganz unwirklich. Es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich realisiert habe, was passiert war“, erinnert die Büchereileiterin an ihre damaligen Gefühle von Machtlosigkeit und Beklommenheit. Äußerlich waren Manuela und Thomas Dutiné zwar unversehrt geblieben. Innerlich jedoch keimten Ängste, Anflüge von Ratlosigkeit und Verzweiflung.

Kein Wunder: Alles war zerstört im Haus ihrer Oma, in dem Manuela Dutiné groß geworden war. Erinnerungen verbrannt, Familienfotos durchweicht, wertvolle Bandmaschinen, Musikinstrumente und Tonbandaufnahmen von Thomas Dutiné aus früheren Zeiten als begeisterter Hobbymusiker bis zur Unkenntlichkeit zerschmolzen. Ein deprimierendes Bild der Verwüstung. Möbel aufgequollen, Holtreppenhaus teils verkohlt, Fußbodenbeläge hinüber.

Aber es gab auch Lichtblicke. Bauarbeiter bargen in den rußigen Trümmern eine weitgehend unbeschädigte Stahlkassette. Darin fanden sich Fotos, die den Hausherrn 1989 zusammen mit einer Band bei einer Schallplattenaufnahme zeigen. Zusammen nahmen sie damals den Titel

„Far away“ auf. Auch wichtige Dokumente wie das Familienstammbuch überstanden das Inferno, weil sie im Untergeschoss sicher verstaut waren. „Die Papiere waren natürlich durchnässt, aber immerhin waren sie noch vorhanden.“ Nach dem Brand begannen für den Flughafenangestellten und seine Frau schwierige Monate. Kein Dach über dem Kopf. Was zahlt die Versicherung? Packen wir den Rest finanziell? Alles Dinge, die eine Existenz infrage stellen können.

„Ohne die Familie und die besten Freunde, die man haben kann, hätten wir es nicht geschafft“, ziehen die zwei Bilanz. Manuela Dutinés Vater, Siegfried Döbereiner, packte nicht nur kräftig mit an beim Entkernen des Hauses aus dem Baujahr 1936, sondern steuerte obendrein die Handwerker. Thomas Dutinés inzwischen leider verstorbene Mutter nahm die Ausgebrannten großzügig bei sich zuhause in Waldacker auf.

Natürlich schufteten die Brandopfer selbst in jeder freien Minute. Vereinskollegen des Vorsitzenden des Offenbacher Sportkegelvereins Grün-Weiß sammelten Spenden und gestalteten zur Überraschung einen rührenden Benefiz-Abend. Arbeitskollegen griffen zu oder spendeten.

„Ich hab einen tollen Chef“, schwärmt die Leiterin der Bücherei in der evangelischen Kirchengemeinde, die hauptberuflich in der Dudenhöfer Buchbinderei von Hartmut Köhler ihr Geld verdient.

Ein freundlicher Nachbar stellte spontan Lagerfläche zur Verfügung. Andere boten noch in der Brandnacht übergangsweise ein Quartier an. „Wir wissen nicht, wo wir anfangen sollen“ – das war einer der ersten hilflosen Gedanken, nachdem die Betroffenen wieder einen klaren Kopf hatten. „Man weiß ja nicht, was auf einen zukommt. Woher auch?“

Feuer in der Jügesheimer Hintergasse

Vom Haus standen nur noch die Außenwände. Der Bausachverständige der Versicherung attestierte nach eingehender Prüfung der Statik trotzdem: Das Gebäude kann erhalten werden. „Das war uns sehr wichtig. Schließlich ist es das Haus meiner Oma.“ Vieles wurde dann in zäher Eigenleistung wieder hergestellt, den Großteil des Projekts gingen allerdings Handwerker an. Im Zuge der Bauarbeiten änderten sich Zuschnitte von Räumen, kam moderne Wärmedämmung in den neuen Dachstuhl, wurden (auf eigene Kosten) Wasserleitungen und Elektrik erneuert. Bis zum Wiedereinzug am 13. Mai dieses Jahres war es ein steiniger Weg.

Noch immer ist in dem umgebauten Haus nicht alles erledigt. Hier fehlt noch ein Heizkörper, dort noch ein Möbelstück oder ein Bild an frisch verputzten Wänden. Aber die Behaglichkeit kehrt langsam zurück. „Wir fühlen uns wieder daheim.“

Quelle: op-online.de

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