Fürs Semesterticket noch zu jung

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Viele Schüler der Claus-von-Stauffenberg-Schule fahren mit der S-Bahn - zumindest bis sie den Führerschein haben. Ihre Fahrtenbücher sollen die Grundlage liefern, um ein spezielles Angebot zwischen Schülerkarte und Semesterticket zu konzipieren.

Dudenhofen - Gibt es im Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) bald spezielle Fahrkarten für Schüler der gymnasialen Oberstufe? Erste Daten als Entscheidungsgrundlage soll eine Untersuchung bieten, die jetzt an der Claus-von-Stauffenberg-Schule in Dudenhofen begonnen hat. Von Ekkehard Wolf

Rund 700 Schüler füllen dafür seit Montag freiwillig Fahrtenbücher aus. Vier Wochen lang notieren die Jugendlichen jede gefahrene Strecke: Wann? Woher und wohin? Mit welchem Verkehrsmittel? Bei Bus und Bahn wird auch nach der Art der Fahrkarte gefragt.

Nach den ersten beiden Wochen bietet der Verkehrsverbund den Gymnasiasten eine spezielle Zeitkarte an, die ihnen den Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel erleichtern soll: Für nur fünf Euro können sie zwei Wochen lang in Stadt und Kreis Offenbach sowie in Frankfurt alle RMV-Linien nutzen. Die fünf Euro sind ein Schnäppchenpreis: Schon mit einer einzigen Fahrt nach Frankfurt und zurück hat man bares Geld gespart.

Mobilität der Oberstufenschüler

Aus der Auswertung der Daten erhoffen sich die Kreisverkehrsgesellschaft (KVG) Offenbach und der RMV Aufschluss über die Mobilität der Oberstufenschüler. KVG-Geschäftsführer Andreas Maatz: „Was brauchen eigentlich diese Schüler, die heute schon mit 17 den Führerschein machen können?“

Klar ist, dass das bestehende Angebot an dieser Zielgruppe vorbeigeht. Für Schüler und Auszubildende gibt es zwar eine spezielle Jahreskarte („Clevercard“), aber sie beschränkt sich außerhalb der Ferien auf die Tarifzonen des täglichen Schul- und Arbeitsweges. „Der Aktionsradius junger Menschen geht über diese Strecke hinaus“, vermutet Andreas Maatz: „Vielleicht geht jemand aus Dudenhofen in Langen zum Tanzen? Wir wissen es nicht.“

Die „Clevercard“ passt für die Oberstufenschüler nicht mehr, für das Semesterticket der Hochschule sind sie noch zu jung. Was dann? „Vielleicht gibt es mittelfristig ein neues, überarbeitetes Angebot für diese Altersgruppe“, denkt der KVG-Geschäftsführer nach. Die Daten aus Dudenhofen sollen eine Diskussionsgrundlage liefern.

Ergebnisse Anfang 2012 erwartet

„Anfang 2012 werden wir die Ergebnisse haben“, hofft Andreas Maatz, „dann werden wir sie diskutieren und interpretieren. Wir hoffen, dass wir im Frühjahr an die Öffentlichkeit gehen können. Vielleicht wird es so gut, dass wir Nachahmer in anderen Kreisen oder Städten finden.“ Falls daraus die Idee einer neue Oberstufen-Fahrkarte entstehe, werde eine verbundweite Lösung angestrebt. Die Tarifhoheit liege schließlich beim RMV.

Eine Studie „Zukunftsfähiger öffentlicher Personennahverkehr im Kreis Offenbach“ der Hochschule Darmstadt im Auftrag von KVG und RMV hatte ergeben, dass nur wenige Oberstufenschüler eine „Clevercard“ besitzen. Die Wissenschaftler um Professor Jürgen Follmann hatten daraufhin eine Feldstudie an einer Oberstufe angeregt. Die Claus-von-Stauffenberg-Schule (CvSS) wurde dafür ausgewählt, weil sie mit rund 750 Schülern die wohl größte gymnasiale Oberstufe im Kreis Offenbach ist. Das Einzugsgebiet erstreckt sich über mehr als fünf Städte.

Erst Clevercard jetzt Semesterticket? 

Die derzeit laufende Studie zum Mobilitätsverhalten von Schülern sei nicht die erste, berichtet Schulleiter Dr. Fred Ruths: „Vor einigen Jahren haben sie so etwas schon einmal gemacht, da kam dann die Clevercard heraus.“ Schon damals hätten ältere Schüler eine Art Semesterticket gefordert, wie es das für Studierende an den Hochschulen gibt.

Mehr als 90 Prozent der CvSS-Schüler beteiligen sich an der Fahrtenbuch-Aktion. Mit einem finanziellen Anreiz hatten die Auftraggeber der Studie die Jugendlichen motiviert: Der Jahrgang, von dem prozentual die meisten Schüler teilnehmen, bekommt 500 Euro für seine Abiturfeier. Insgesamt kostet die Feldstudie „einen überschaubaren fünfstelligen Betrag“, wie KVG-Geschäftsführer Andreas Maatz auf Anfrage sagte.

Quelle: op-online.de

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