Schule mitten ins Feld gebaut

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1971 lag die Gartenstadtschule noch im Grünen.

Nieder-Roden ‐ „Ein rauschendes Fest“ versprechen Schulleiterin Ariane Lerch und ihre Konrektorin Petra Leyser. Zusammen mit Eltern und 340 Kindern feiert die Gartenstadtschule am Samstag, 26. Juni, ihren 40. Geburtstag. Zeit für einen Rückblick in die Anfangszeit. Von Andreas Pulwey

Unter dem Motto „Schule ist schön“ arbeitet seit Beginn des zweiten Halbjahres der Arbeitskreis um Petra Leyser, um ein perfektes Fest vorzubereiten. Von 11 bis 16 Uhr stehen am Samstag Ponyreiten, Theater, Basteln und Gesang auf dem Stundenplan.

Der Slogan „Schule ist schön“ stammt aus der Feder des ehemaligen Schulleiters Heiner Bergmann (Leiter von 1972 bis 1995), unter dessen Führung die Gartenstadtschule als erste im Kreis sozial schlechter gestellte Kinder bei den Hausaufgaben unterstützte. Bei der gemeinsamen Aktion mit den Eltern machten Lehrkräfte unbezahlte Überstunden, um Kinder erst gar nicht in den Teufelskreis aus fehlenden Hausaufgaben und dem damit verbundenen Tadel abrutschen zu lassen, berichtet Bergmann (70). Die Anzahl der Schulhof-Streitereien zur Frustbewältigung ging bei den betroffenen Kindern zurück. Gemeinsames Essen und Spielen gehörten zum Unterricht und die Schüler erlernten die entsprechenden Umgangsformen.

Auch für Behinderte standen die Türen der Schule in der Gartenstadt offen. Einen schwerhörigen Schüler integrierte Bergmann in die Klassengemeinschaft. Als deutlich komplizierter erwies sich die Aufgabe, ein blindes Zwillingsmädchen nicht von ihrer sehenden Schwester zu trennen. Gegen Einwände der zuständigen Stellen schuf Bergmann die Voraussetzungen für einen erfolgreichen Unterricht der beiden.

1970 begann mit dem Neubau die Zeitreise durch vier Dekaden Gartenstadtschule. Weit weg von den Nieder-Röder Bebauungsgrenzen stand das Schulgebäude damals einsam im Feld. Die damals 407 Schüler und 32 Lehrkräfte holten sich in Ermangelung einer asphaltierten Straße nicht selten schmutzige Schuhe im Matsch.

Die Lage des Schulhauses irritierte seinerzeit sogar den Kultusminister. Der kam eine geschlagene Stunde zu spät zum Gespräch mit dem ersten Schulleiter und späteren Landrat Josef Lach. Weder der Minister noch sein Fahrer hielten eine Schule fernab vom Schuss für möglich.

Der Weg bis heute war und ist gepflastert von Weiterentwicklungen und Umstrukturierungen. Ex-Schulleiterin Gudrun Behring blickt gerne auf eines ihrer „Lieblingskinder“ zurück: Im „Insel“-Projekt erlernen Kinder mit sozialen und emotionalen Problemen Wege zu einem angenehmeren Kontakt zu Mitschülern. Das Projekt wurde 2005 mit dem Landespräventionspreis ausgezeichnet.

Ob der Unterricht schwer fällt oder leicht, am Samstag feiern alle gemeinsam. Dann steigen bunte Drachen in den Himmel. Spannend wird die Enthüllung des neuen Schul-Logos.

FAKTEN

  • Erster Spatenstich war am 10. September 1969, am 28. August 1970 begann der Schulbetrieb.
  • Die Schülerzahl erreichte ihren Höhepunkt mit 564 im Jahr 1973/74.
  • Das Förderkonzept mit Mittagessen und Hausaufgabenhilfe startete 1986. Im Jahr 1992 wurde die Gartenstadtschule eine Modellschule mit festen Öffnungszeiten.
  • Mit dem Neubau der Betreuung begann 2002 die „Offene Ganztagsschule“ mit unterrichtsergänzenden Angeboten.
  • Zum Schulfest am Samstag, 26. Juni, von 11 bis 16 Uhr bietet jede Klasse etwas an: Theatervorführungen, Spiel- und Bastelstationen, Ponyreiten… Der Chor tritt mit der Band „Marsecco“ auf. Der Förderverein bewirtet die Gäste.„Ehemalige“ sind gern gesehen.

Quelle: op-online.de

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