Schulküche in Hainhausen

Rund 1200 Essen am Tag

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Haben die Fischsterne auch die richtige Konsistenz? Eberhard Pauer mit einer Mitarbeiterin in der Küche des Schulzentrums Hainhausen.

Hainhausen - Seit 2008 betreibt die Offenbacher Integrationsgesellschaft „Esswerk“ die vom Kreis Offenbach in der Münchhausenschule gebaute Schulküche. Dort geht es manchmal so wuselig zu wie in einem Bienenstock. Von Bernhard Pelka 

Ist der Fisch schon gar? Ein routinierter Druck mit der Fingerkuppe genügt Küchenchef Eberhard Pauer, um sich ein Urteil zu bilden. „Heute gibt’s Fisch mit Salzkartoffeln, Rohkost und Remouladensoße“, erläutert der erfahrene Koch den Speiseplan. Und weil die Mahlzeiten für Grundschulkinder zubereitet werden, sieht der Fisch nicht einfach nur wie Fisch aus, sondern er hat die verspielte Form von Seesternen. Wer das nicht mag, der kann noch wählen zwischen Mexikosalat mit Taccos und Folienkartoffel oder einem Klassiker: lecker belegter Pizza.

Während Pauer den kräftig duftenden Fisch nochmals in den Wärme-Ofen schiebt, bereiten seine zwölf Kolleginnen und Kollegen alles auf den Ansturm der Schüler vor. Schüsselchen werden gestapelt und bereitgestellt, das Dressing für den Salat aus Senf, Orangensaft, Joghurt, Öl und Honig gemixt. Die Küchen-Crew rührt, schnippelt, probiert und füllt ab. Geschirr klappert, Besteck scheppert.

Die Gänge zwischen Kochherden und Wandregalen sind schmal. Bei Begegnungsverkehr wird’s manchmal eng. Trotzdem sind die Tische draußen im Speisesaal der Schulcafeteria schnell und akkurat gedeckt. Bloß das Mineralwasser (mit und ohne Kohlensäure) aus dem Spender nicht vergessen. Denn trinken sollen die Kids viel. Aus dem Verborgenen tönt die Frage: „Die Kaltspeisen habt ihr auch?“ Für den Laien sieht es so aus, als ginge alles wild durcheinander. Aber die Mannschaft ist eingespielt. Sie arbeitet schnell und konzentriert.

Mittendrin im Gewusel verstauen Küchenhelfer fertiges Essen in vorgewärmten Containern und schieben sie aus der Küche. Draußen wartet schon der weiße VW-Bus. Den füllen die „Esswerk“-Mitarbeiter mit den Containern, dann kann die Auslieferung der Mahlzeiten beginnen. Zum Beispiel an den Minikindergarten im Mütterzentrum Hainhausen, an die Elterninitiative Rasselbande in Weiskirchen oder Schulen in Offenbach, Dietzenbach und Mainflingen – und an die Kantine im Kreishaus. In der Hainhäuser Schulküche garen nicht nur Speisen für die Kinder und Jugendlichen der Münchhausenschule und der benachbarten Geschwister-Scholl-Schule, sondern für diverse andere Kunden auch. Macht 1200 Essen pro Tag oder 3,5 Tonnen Reis, acht Tonnen Nudeln, 20 Tonnen Gemüse, sechs Tonnen Obst, vier Tonnen Kartoffeln und fünf Tonnen Fleisch im Jahr.

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12.05 Uhr: Gleich wird der Schulgong ertönen, werden sich die Jalousien an der Essensausgabe heben – und los geht’s. Doch das erwartete Gewimmel und der Lärmpegel halten sich in Grenzen. Diszipliniert stellen sich die Kinder an, greifen die mit Salzkartoffeln gefüllten Schüsseln und stellen sie auf die Tische. Eine Zweitklässlerin balanciert vorsichtig eine Stahlschüssel mit der Remouladensoße. Die kommt zwar schwer ins Wanken – letztlich geht aber alles gut. Keine Sauerei! Das Essen scheint zu schmecken. Im Saal wird’s immer ruhiger. Ruhig bleibt auch Küchenchef Pauer. An seinem Arbeitsplatz kann den gemütlich aussehenden Koch sowieso wohl nichts erschüttern. Dazu hat der Mann schon zuviel im Beruf erlebt. Er bereitete leckere Kalorien in Werkskantinen, Altenheimküchen und Restaurants zu. Und er war 15 Jahre lang in der eigenen Gaststätte sein eigener Chef. Jetzt also die Schulküche.

Um 12.15 Uhr kommt der erste Schwung an Kindern, um 12.40 Uhr die zweite Schicht und um 13.10 Uhr die dritte. Während die Schüler essen, wartet in der Küche schon die Spülmannschaft. „Alles muss tipptopp sauber sein“, sagt Pauer. „Manches wird sogar nach dem Gebrauch desinfiziert.“ Beim Essen in der Schulcafeteria müssen sich die Kinder nicht auf den guten Geschmack des Küchenleiters allein verlassen. Vielmehr gestalten sie den Speiseplan zusammen mit Vertretern der Schulbetreuung und der Schule selbst mit.

Viermal im Jahr wird zum Wettbewerb um die besten Ideen aufgerufen. 30 bis 40 Speisepläne kommen zusammen, die dann nach einem strengen Punktesystem bewertet werden. Der Sieger-Plan wird zum „Speiseplankönig“ ernannt und nachgekocht. Oberste Prämisse ist dabei immer eine nährstoffoptimierte Kost. Rücksicht genommen wird natürlich auf Allergien, Unverträglichkeiten und religiöse Gepflogenheiten.

13.45 Uhr: Der Ansturm ist bewältigt, 200 Schülermägen gut gefüllt. Jetzt kann auch die Küchenmannschaft es sich schmecken lassen. Pause muss sein. Dann geht das lästige Spülen nachher umso leichter von der Hand.

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Quelle: op-online.de

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