Schwarzfahren oder Rüge vom Chef?

Und wieder mal streikte der Fahrkartenautomat. In der Station Hainhausen hatten Unbekannte den Geldschlitz mit einer Plastikmasse verstopft. Foto: Wolf

Hainhausen - (bp / fma) Mit müden Augen nähert sich der Fahrgast dem Bahnsteig. Schnell ein Ticket am Fahrkartenautomaten ziehen und dann zur Arbeit. Aber der Automat streikt. Wie so oft. Die S-Bahn fährt ein und der andere Automat befindet sich außer Reichweite. Was tun? Schwarzfahren oder zu spät im Büro erscheinen?

So oder so ähnlich könnte es sich in den vergangenen Tagen am Hainhäuser Bahnhof zugetragen haben. Unbekannte hatten den Geldscheinschlitz am Automaten mit einer Plastikmasse verstopft. Nichts ging mehr. Wer kein Kleingeld dabei hatte und in Zeitnot geriet, musste wohl oder übel Schwarzfahren. Wie soll man in einer solchen Situation reagieren?

„Grundsätzlich sollte man immer etwas früher am Gleis sein, gerade wenn man noch ein Ticket braucht“, sagt ein Bahnsprecher aus Frankfurt. „Dann kann man im Falle einer Störung einen anderen Automaten nutzen“. Falls dies nicht mehr möglich ist, solle man sich die Nummer des Automaten merken und bei einer Kontrolle auf dessen Störung hinweisen. Das Bahnpersonal könne schnell herausfinden, ob der Automat tatsächlich defekt ist. Zudem verweist die Bahn auf ihre Service-Hotline 01801 235959.

Oft wird der Bahn auch vorgeworfen, Schäden zu spät zu erkennen und so deren Reparatur zu verzögern. „Alle Automaten sind online vernetzt, sodass Schäden in kürzester Zeit behoben werden können“, entgegnet die Bahn ihren Kritikern. Neulich hat es an der Station Bieber-Waldhof allerdings vier Wochen gedauert, bis die Bahn einen aufgebrochenen und kaputten Automat ausgetauscht hat. Ersatz war nicht schneller zu beschaffen.

Vandalismusschäden sind ein ständiges Ärgernis für die Fahrgäste und kosten die Deutsche Bahn Unsummen. An den S-Bahnstationen Offenbach-Bieber und Offenbach-Waldhof wurden auf Offenbacher Kosten Überwachungskameras aufgestellt. Nachziehen wollen Dietzenbach, Heusenstamm und Obertshausen. Doch solche teuren Anlagen sind in Rodgau zur Zeit nicht geplant: „Das Gesamtkriminalitätsvolumen an den Rodgauer Stationen rechtfertigt im Vergleich mit anderen Brennpunkten keine Überwachung“, sagt Ordnungsdezernent Michael Schüßler. Er belegt das mit Zahlen. 2007 gab es im Umfeld der S-Bahnhöfe drei Raubstraftaten, in Rodgau insgesamt 17. Bei den Körperverletzungen ist dieses Verhältnis elf zu 154, beim Diebstahl (ohne die 52 geklauten Fahrräder) sechs zu 163. „Rodgau ist kein Schwerpunkt. Die Kosten und Folgekosten der Überwachung sind nicht zu rechtfertigen“, argumentiert der Stadtrat.

Quelle: op-online.de

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