Schweinerei im Schutzgebiet

Etwa zwölf Hektar Wiese umgepflügt

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Die von Wildschweinen im Naturschutzgebiet „Nieder-Röder Lache“ umgepflügte Fläche ist zig Fußballfelder groß.

Rodgau - So massiv wie in diesem Jahr waren die Flurschäden durch Wildschweine im Rodgauer Wald noch nie. Landwirt Günter Keller bewirtschaftet für den Katharinenhof im Naturschutzgebiet „Nieder-Röder Lache“ etwa 25 Hektar Wald-Wiesen. Von Bernhard Pelka

Die Hälfte davon haben Schwarzkittel umgepflügt. Für Keller ist dieser Boden deshalb verloren, der Ertrag gleich null. Grund: Da die Fläche Naturschutzgebiet ist, darf er die aufgewühlte Erde und die zusammengeschobenen Grasnarbe nicht bearbeiten und zum Beispiel glatt ziehen. Das ist ebenso verboten, wie düngen, spritzen oder nachsäen. Das wiederum bedeutet, dass Keller dort im Sommer das Gras, das er zu Heu verarbeitet, nicht mähen kann. „Sonst gehen mir meine Maschinen kaputt. Außerdem hätte ich jede Menge Sand im Heu, wenn ich diese Kraterlandschaft mähe.“

Mit der Unmöglichkeit zu mähen droht dem Landwirt weiterer Ärger. Denn ein Vertrag mit dem Amt für Landwirtschaft in Bad Homburg verpflichtet Keller dazu, das Gras zu mähen, damit der Naturschutzstatus der Flächen erhalten bleibt und der Wald und andere Pflanzen sich das Gelände nicht überwuchern. Schafft der Bauer dies nicht, verlangt das Amt Zuschüsse zurück, die er fürs Mähen bekommt. „Der Vertrag ist jetzt gekündigt.“

Der Wiesen-Zug

Der Wiesen-Zug, den Keller bewirtschaftet, erstreckt sich mitten im Wald von Ober-Roden bis weit nach Nieder-Roden. Dazwischen liegt zwar die B 45. Die Wildschweine nutzen aber die Brücken über die Bundesstraße und dringen auf der Suche nach Futter in immer neue Regionen vor. „Letztes Jahr waren sie das erste Mal in so großer Zahl da. Früher hatten wir in Nieder-Roden kaum welche. Die suchen nach Engerlingen.“

Der Leiter des Forstamts Langen, Christian Münch, kennt das Problem. Schon im Frühjahr 2012 hätten Mitarbeiter des Landesbetriebs Hessen-Forst die umgepflügten Wiesen mit einem so genannten Wiesen-Hobel schonend geglättet. „Das hat aber leider nur teils geklappt, weil die Nieder-Röder Lache nun mal sehr feucht ist. Da sinkt der Schlepper an vielen Stellen ruck zuck ein.“

Auch im kommenden Frühjahr werde Hessen-Forst den Wiesen-Hobel wieder einsetzen. Sofern Keller die Flächen nicht mehr bewirtschafte sei denkbar, dort im Spätsommer Schafe zum Weiden drüberzuführen.

Das Grund-Problem

Das Grund-Problem ist Münch zufolge die drastische Vermehrung des Schwarzwilds. Die Vermehrungsrate liege bei 300 Prozent. Bedeutet: Sofern in einem Jahrgang zum Beispiel 100 Tiere durchkommen, sind es ein Jahr später schon 400. Der Waidmann plädiert deshalb für eine intensive Bejagung - etwa durch eine so genannte Gesellschaftsjagd über Reviergrenzen hinweg.

Diese Form der Jagd sei zwar am effektivsten, in unserer Region zugleich aber sehr problematisch. „Wir leben in einem Ballungsraum und müssen in einem Erholungswald jagen. Und der ist dann auch noch von Straßen durchzogen.“ Das berge gewisse Risiken. Ganz zu schweigen von der geringen gesellschaftlichen Akzeptanz solcher Jagdereignisse.

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Warum geht’s den Säuen bei uns so gut? Nun schon zwei Jahre in Folge haben Buchen und Eichen extrem viele Früchte getragen. „Die Vollmast der Bäume steht dem Schwarzwild inzwischen praktisch neun Monate lang als Nahrungsgrundlage zur Verfügung. Und die Winter sind sehr mild.“ Die Eicheln und Bucheckern liefern den Schweinen das pflanzliche Protein. Sobald der Boden nicht mehr gefriert, holen sie sich tierisches Eiweiß (Würmer, Engerlinge, Insekten) unterm Gras - zum Beispiel im Naturschutzgebiet „Nieder-Röder Lache“.

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Quelle: op-online.de

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