Solarkraftwerk auf Kläranlage

Neuer Schwung für Energiewende

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Rodgau/Rödermark - Die Bürger-Energiegenossenschaft „Energo“ beteiligt sich am Bau einer ersten Photovoltaik-Anlage. Die Solarzellen sind bereits auf einem Dach der Kläranlage Weiskirchen montiert. Die Anlage soll Ende Juli in Betrieb gehen.

Dies erfuhren knapp 50 Besucher eines Informationsabends am Dienstag im Bürgerhaus Nieder-Roden. Genau zwei Monate nach ihrer Gründung im kleinen Kreis trat die Genossenschaft damit erstmals an die Öffentlichkeit. Nach dem Info-Abend erklärten 34 Personen ihren Beitritt zur Genossenschaft. Nun hat die „Energo“ nach Angaben ihres Vorstandes 50 Mitglieder und verfügt über ein Kapital von rund 35.000 Euro.

Das erste Projekt soll die junge Genossenschaft in Schwung bringen. Dabei handelt es sich um ein einfaches Kreditgeschäft. Die „Energo“ leiht den Stadtwerken Rodgau 30.000 Euro zum Bau einer Photovoltaik-Anlage, die ohnehin errichtet wird. Die Stadtwerke planen, bauen und betreiben ihr Solarkraftwerk in eigener Regie. Die Kläranlage verbraucht den erzeugten Strom (Leistung: 24 kWp) selbst. Die Energiegenossenschaft legt also nur Geld an, erhält rund 2,4 Prozent Zinsen pro Jahr und muss ansonsten nichts tun. Der Zinsertrag deckt allerdings nicht einmal die laufenden Kosten des Geschäftsbetriebs. Aufsichtsratsmitglied Franz Dürsch: „Der Ertrag des ersten Projekts reicht noch nicht, um die Genossenschaft in den grünen Bereich zu bringen.“

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Als zweites, größeres Projekt stellte „Energo“-Vorstand Volker Feldmann die Wärmeversorgung einer Wohnanlage in Rödermark vor, deren Brennstoff aus nachwachsenden Rohstoffen stammen soll. Bei einer Investition von 120.000 Euro und 15 Jahren Laufzeit erwartet er eine Rendite zwischen drei und vier Prozent. Allerdings ist die Genossenschaft laut Feldmann nur einer von mehreren Bietern. Wer den Zuschlag erhält, ist offen.

Weitere Vorhaben sind Zukunftsmusik. Dazu gehören Sonnenkraftwerke auf den Feuerwehrhäusern oder auf den Dächern eines Gewerbeparks in Dudenhofen. Außerdem möchte die Bürger-Energiegenossenschaft künftige Neubaugebiete in Rodgau und Rödermark mit Wärme versorgen. Von Windkraft war am Dienstag keine Rede mehr. Rückenwind erhofft sich „Energo“ von den Bürgermeistern beider Städte, die ebenfalls Mitglieder sind.

Beteiligung an der „Energo“

Doch erst einmal gilt es mehr Mitglieder zu gewinnen, die der Genossenschaft ihr Geld anvertrauen. Das ist ab 100 Euro möglich, nach oben gibt es keine Grenze. Aufsichtsratsmitglied Sven Blatter machte deutlich, dass eine Beteiligung an der „Energo“ nichts für Renditejäger ist. Die Energiegenossenschaft zähle vielmehr auf Bürger, die die Energiewende auf kommunaler Ebene mitgestalten wollten. Ob, wann und in welcher Höhe eine Dividende gezahlt werden kann, ist ungewiss.

Das Geld ist auf Jahre hinaus gebunden: Wer aus der Genossenschaft austreten will, muss eine Kündigungsfrist von zwei Jahren einhalten und kann nur zum 31. Dezember gehen. Falls die „Energo“ eine finanzielle Bauchlandung erlebt, ist im schlimmsten Fall das eingezahlte Geld futsch. Im Gegensatz zu manchen anderen Genossenschaften müssen die Mitglieder dann jedoch kein Geld „nachschießen“.

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Vorstände und Aufsichtsratsmitglieder arbeiten ehrenamtlich. Als so genannte „strategische Partner“ sind die Stadtwerke Rodgau und die Vereinigte Volksbank Maingau dabei. Auch diese beiden Institutionen haben jeweils nur eine Stimme, wie jedes andere Mitglied auch.

Eine Mitgliederversammlung der Genossenschaft beschloss am Dienstag, den Vorstand am Dienstag zu erweitern. Karlheinz Weber (Rödermark) leitet die Geschäfte nun gemeinsam mit Volker Feldmann und Dieter Lindauer.

eh

Quelle: op-online.de

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