Ungewöhnliche Aktion der evangelischen Kirche

Segenslied statt nur Klamauk

+
Gudrun und Max Wilhelm: „Ich finde, das ist eine gute Idee. Es ist nicht so kommerziell und es geht nicht nur ums Losrennen und Süßigkeiten abgreifen. Ein bisschen Tradition mit ins Spiel zu bringen, tut sicher gut.“

Rodgau - Wenn es am 31. Oktober abends an der Haustür klingelt, ist man mittlerweile auf Geister, Zombies und Vampire gefasst, die zu Halloween „Süßes oder Saures“ fordern.

Diesmal allerdings standen zum Spuk-Fest Kinder in Kostümen vor den Türen in Nieder-Roden und sangen einen kleinen Vers von Martin Luther. Zum Reformationstag hatte die evangelische Kirchengemeinde unter Leitung des Pfarrerehepaars Blanco Wißmann den oberflächlichen Kommerz mit einer christlichen Botschaft bereichert, die von Haus zu Haus getragen wurde.

Verena (Mutter) und Svenja (Tochter) Kekeisen: „Die Idee ist super. Es steht etwas dahinter und den Kindern macht es trotzdem Spaß. Das Kirchliche daran sorgt dafür, dass es nicht nur um irgendwelchen Unsinn geht.“

Es gebe Wichtigeres als Süßigkeiten, Streiche und gruselige Kostüme, lautete die Botschaft von Pfarrer Felipe Blanco Wißmann: die Erinnerung an den Reformationstag. Diese Botschaft stand im Hintergrund der kleinen Veranstaltung, unter dem Titel „Hello Marteen“, die ein Gegenprogramm zum üblichen Halloween darstellte. Dementsprechend instruierte das Pfarrerehepaar in passender Verkleidung als Mönch und Nonne und bei Kerzenlicht auf dem Puiseauxplatz die etwa 25 Kinder, die gekommen waren, noch einmal darüber, was es mit Martin Luther und der Reformation eigentlich auf sich hatte, bevor sich die Gruppe auf den Weg machte von Haus zu Haus zu ziehen.

Silvia und Tim Lohrke-Hartung

Ähnlich wie die Furcht bei dem Thema Halloween eine große Rolle spiele, so habe auch Martin Luther Angst gehabt. Angst vor Gott, dem zornigen Gott des alten Testaments. Doch er habe durch die Bibel gelernt, dass Gott gut sei und es keinen Grund gebe, sich zu fürchten. Einen Vers, der eben das vermittelte, sangen die Kinder letztlich dann in Vampir- und Hexenkostümen vor den Türen der Nieder-Röder. Sicher ein seltsames Bild für viele, diese Kombination. Doch auch die Größe der Gruppe überraschte die einzelnen Nieder-Röder, die ihre Türen für die Kinder öffneten. Meist hatte man nicht mit einem derartigen Ansturm gerechnet und konnte nicht allen etwas Süßes geben.

Dennoch zeigten sich viele Kinder und Eltern begeistert von der Idee, Halloween mit christlicher Tradition zu konfrontieren und zu verknüpfen. Allem voran wurde gerade der kommerzielle Charakter Halloweens von vielen Seiten angeprangert. Es bleibt aber festzuhalten, dass der kommerzielle Charakter Halloweens durch die Veranstaltung selbst nicht vollkommen umgangen wurde. Die meisten Kinder kamen verkleidet, und um Süßigkeiten buhlte man ja ebenso.

Außerdem ist der Grundgedanke von Halloween auch nicht nur gewesen, Leute zu erschrecken, sondern durch Verkleidungen böse Geister fernzuhalten, da der Schleier zwischen Dies- und Jenseits in der Nacht von Halloween besonders dünn sei. Felipe Blanco Wißmann war sich bei der Veranstaltung durchaus bewusst, dass man durch die Kombination von Halloween und dem Reformationstag keineswegs ein Umdenken in Sachen Kommerz bewirken könne. Es gehe vielmehr darum, statt „Süßes oder Saures“ ein „Segenslied“ von Tür zu Tür zu tragen und den Reformationstag wieder mehr zur Geltung zu bringen, beschrieb er den Inhalt der einfallsreichen Aktion.

sjs

Quelle: op-online.de

Kommentare