Kartoffelschälwettbewerb beim Heimat- und Geschichtsverein

84 Sekunden - und die Haut ist ab

+
Das traditionelle Pellkartoffel-Wettschälen war der Höhepunkt beim „Gewellde-Owend“ in Weiskirchen. 

Weiskirchen - Alle Tische und Bänke besetzt, die Küchenvorräte so gut wie erschöpft.

Schon eine gute Stunde nachdem er begonnen hatte, wäre der traditionelle Gewellde-Owend des Heimat- und Geschichtsvereins so gut wie gelaufen gewesen, hätte nicht noch die Kür der „Miss Gewellde“ angestanden. Ingrid Meincke bewies diesmal das meiste Geschick beim Pellkartoffelschälen und eroberte die Schärpe der Siegerin.

Jedes Mal Anfang Oktober das gleiche Bild: Der Heimat- und Geschichtsverein Weiskirchen (HGV) bittet im Hinterhof des alten Spritzenhauses zu Tisch, die Hungrigen finden sich in hellen Scharen ein und verspeisen mit sichtlichem Genuss, was schon bei den Altvorderen auf den Tisch kam: Pellkartoffeln – auf gut hessisch Gewellde – aus Rodgauer Ernte, bevorzugt mit „Öldungsel“, den es ebenso wie die Erdäpfel kostenlos gibt.

„Das Armeleuteessen von früher“, erklärt ein kundiger Besucher. Die schlichte Würzsoße ist einfach und ohne kostspielige Zutaten herzustellen, und offensichtlich trifft sie den Rodgauer Geschmack: Noch bevor der Schälwettbewerb mit anschließender Miss-Kür begann, war der Öldungsel bis auf minimale Restbestände „aus“.

Wer allerdings den Geldbeutel zückte, konnte auch später noch seine Gewellden genießen: Gegen einen kleinen Obolus kam Rahmdungsel auf den Teller, wie der Name sagt mit Sahne angerührt. Oder der – zum Anlass ebenso traditionelle – Heringssalat aus eigener Produktion. Den könne jeder selbst machen, sagt Ilona Seuffert, die am Buffet die Regie übernommen hat: Matjesheringe in kleine Stücke schneiden, ebenso Zwiebeln. Saure Gurken und Äpfel werden gehobelt. Für die Soße nimmt sie zu gleichen Teilen süße und saure Sahne her. Zum Abschmecken genügt ein Schuss Essig oder eventuell Marinade aus dem Gurkenglas. Die jeweilige Dosis richtet sich nach der Zahl der Esser.

Was für einen „Gewellde-Owend“ gebraucht wird, wissen die Vorständler um Vereinschef Helmut Trageser aus langer Erfahrung. Bis zu 20 Kilo Hering und um die fünf Zentner Kartoffeln gehen pro Veranstaltung weg, dazu rund 150 Portionen Hausmacher Wurst. Im Ausschank sind neben Bier und alkoholfreien Getränken auch Federweißer, Apfelwein und heißer Sliwowitz.

Für die akustische Kulisse ist Willi Winter verantwortlich, der auch an diesem Samstag wieder seinen Leierkasten warmlaufen ließ.

Feste Regeln gibt es auch beim Pellkartoffel-Wettschälen, das je nach Jahr eine Miss oder einen Mister Gewellde hervorbringt. Diesmal griffen drei Damen zum Küchenmesser, um je drei frisch gekochte Pellkartoffeln möglichst effizient von der Schale zu befreien. Ingrid Meincke brauchte dazu 84 Sekunden. Neben der Schärpe und der Ehre wurde sie mit einer ordentlichen Portion Hausmacher belohnt.

Rodgau feiert „Wiesn im Wald“: Bilder

Angetreten war sie gegen Petra Seyffarth und Katharina Heberer. Für sie hatten Willi Winter bei der Siegerehrung jeweils eine Flasche Wein – nicht irgendwelchen, sondern einen Weißburgunder als Sonderabfüllung Rodgau-Lese.

Auch dieses Jahr wurde der „Gewellde-Owend“ seinem Ruf gerecht, die zweitgrößte Veranstaltung des HGV nach der Kerb zu sein. Im Kalender stehen dieses Jahr noch ein Tag des offenen Museums am 5. November sowie der stimmungsvolle und beliebte Sternschnuppenmarkt am 3. Dezember. (zrk)

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare