Fällung war rechtens

Seltene Bäume der Säge geopfert

+

Dudenhofen - Bei der Rodung für den Gewerbe- und Logistikpark östlich der B 45 sind auch zwei seltene Speierlingbäume gefällt worden. Das hätte sich leicht verhindern lassen: Ehrenamtliche Obstbaumfreunde wollten die beiden Bäume schon vor einem Jahr retten. Von Ekkehard Wolf 

Die Speierlinge gehörten zu einem kleinen Streuobstbestand bei der Pferdekoppel an der Straße „Blumenau“. Dort lebten auch die vier Zauneidechsen, für die auf Kosten des Investors ein Ersatzbiotop angelegt wurde. Die Umsiedlung der Eidechsen ist im Bebauungsplan vorgeschrieben. Für die Bäume gilt etwas anderes: Der Biotoptyp „Streuobstwiese“ ist zwar gesetzlich geschützt, aber nicht der einzelne Baum. Deshalb ist es erlaubt, zwei Streuobstbestände zu beseitigen und als Ersatz neue, größere Streuobstwiesen anzulegen.

Gerhard Klein trauert den beiden Speierlingen dennoch hinterher: „Die Bäume habe ich vor 20 Jahren dem Albert Liller geschenkt, weil ich den Anbau forcieren wollte. Der Speierling war 1993 Baum des Jahres.“ Noch beim Bau des Eidechsen-Geländes habe er Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde auf den Erhalt der seltenen Bäume angesprochen: „Sie haben gesagt, sie würden in der Vegetationsruhe tätig werden.“ Doch passiert sei nichts. Die Speierlinge waren nicht zu übersehen. Gerhard Klein hatte sie mit blauer Farbe mit dem botanischen Namen „Sorbus domestica“ gekennzeichnet. Ein Landwirt hatte sich bereiterklärt, die Bäume mit seinem Frontlader umzusetzen. Nach der Fällung ist Klein sauer: „Die Naturschutzbehörde ist unglaubwürdig. Da macht man einen Riesenaufwand wegen vier Zauneidechsen und die Bäume sind einem egal.“

Klaus Klein von der Streuobstkooperative Rodgau hatte sich im März letzten Jahres für den Erhalt der Speierlinge eingesetzt. „Wenn wir die Bäume wirklich retten wollen, muss dies kurzfristig geschehen, denn die Vegetationspause ist in Kürze vorbei“, schrieb er an das Bauamt der Stadt Rodgau und die Untere Naturschutzbehörde. Eine Mitarbeiterin des Rathauses hatte ihm am Telefon erklärt, dem Investor seien die Kosten der Verpflanzung (500 bis 1 000 Euro) zu hoch.

Historische Holzversteigerung

Historische Holzversteigerung

Daraufhin bot die Streuobstkooperative an, die Bäume mit ehrenamtlichen Helfern auszugraben. Was fehlte, war das Einverständnis des Investors. Für das Desinteresse der Behörden hat Klaus Klein kein Verständnis: „Dass der Speierling ein geschützter Baum ist, hat keinen interessiert.“

Quelle: op-online.de

Kommentare