Sender hat Funkstille

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Die Zukunft des Senders Weiskirchen ist noch offen.

Weiskirchen ‐ Der Rundfunksender an der Autobahn 3 bei Weiskirchen ist seit dem Jahresanfang außer Betrieb. Der Hessische Rundfunk (hr) sendet nicht mehr auf der Mittelwelle. Das ist Teil eines Sparprogramms, das die laufenden Kosten bis zum Jahr 2012 um 64 Millionen Euro senken soll. Von Ekkehard Wolf

Mittelwellensender gelten technisch bedingt als Stromfresser.

Von Weiskirchen wurden bisher unter anderem Bundestags- und Landtagsdebatten im Programm „hr-info“ ausgestrahlt. Abends gab es Sendungen auf Spanisch und Griechisch von 19 bis 22 Uhr. Während der Infokanal über UKW, Kabel und Internet weiterhin zu empfangen ist, fallen die muttersprachlichen Programme ersatzlos weg.

Die beiden Antennenmasten sind 126,50 Meter hoch. Sie wurden 1966 errichtet und gingen ein Jahr später in Betrieb. Der Sender sei für eine Leistung von 1000 Kilowatt (kW) genehmigt, berichtet Horst Hölzel, der beim „hr“ die Abteilung Programmverbreitung leitet: „Wir haben ihn aber zuletzt deutlich geringer gefahren.“

Ingenieur für Nachrichtentechnik geht in Altersteilzeit

Gemeinsam mit einem Sender auf dem Hohen Meißner in Nordhessen versorgte der Weiskircher Sender ganz Hessen mit Rundfunkprogrammen der Frequenz 594 Kilohertz. Die große Reichweite diente früher auch dazu, Einwohner der DDR mit Westrundfunk zu versorgen: Bis zur Wende 1989 wurden beide Sender nachts so umgeschaltet, dass sie ihr Programm vorwiegend nach Osten ausstrahlten.

Das Dienstgebäude neben der Sendeanlage war bis zuletzt mit einem Ingenieur für Nachrichtentechnik besetzt. Joachim Zinn sorgte seit 1986 dafür, dass die Anlage rund um die Uhr in Betrieb war. Im Sommer wird er in Altersteilzeit gehen. Auf seinen jüngeren Kollegen wartet eine neue Aufgabe beim Hessischen Rundfunk.

Der Ingenieur vor Ort musste nicht nur bei Betriebsstörungen eingreifen, sondern hatte auch mit Messungen und Wartungsaufgaben zu tun. Bei einem Stromausfall sprang innerhalb weniger Sekunden ein Dieselgenerator an. Einmal im Monat wurde der Sender für Wartungsarbeiten abgeschaltet, immer am ersten Dienstag zwischen 0.05 und 2 Uhr.

Stadt Rodgau hat ein Auge auf das Grundstück geworfen

Ein bewohntes Gebäude neben einem starken Sender weist manche Besonderheiten auf. Zum Schutz vor elektromagnetischen Feldern ist der Flachbau mit Kupferblechen ummantelt und geerdet. Die Abwärme der Röhren-Endstufen wurde im Winter zur Heizung genutzt.

Was wird nun aus dem stillgelegten Sender? Diese Frage ist laut Horst Hölzel noch nicht geklärt. Zurzeit prüfe man die Möglichkeit, die Anlage für einen anderen Anbieter zu nutzen: „Die Frequenz ist frei. Vielleicht ist ja jemand daran interessiert.“

Auch die Stadt Rodgau hat ein Auge auf das Grundstück geworfen. Sie will Ausgleichspflanzungen für den Weiterbau der Rodgau-Ringstraße anlegen. Bisher hat sich die Stadt diese Option durch einen Pachtvertrag gesichert.

Es wäre Frevel, wenn wie die Station zurückbauen würden“, sagt hr-Abteilungsleiter Horst Hölzel: „Der Standort ist für die Aussendung von Mittelwelle ideal geeignet.“ Durch die große Entfernung zur Ortslage Weiskirchens gebe es auch keine Probleme mit der elektromagnetischen Verträglichkeit (EMVU).

Im Gegensatz zur Ultrakurzwelle benötigt ein Mittelwellensender keinen Berg. Die Radiowellen werden von der Ionosphäre reflektiert, so dass sehr große Reichweiten zu erzielen sind.

Quelle: op-online.de

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