Auswertung von über 2000 Fragebögen

Lebensqualität: Senioren sehen Nachholbedarf

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Rodgau - Mehr Lebensqualität für ältere Menschen haben sich Politiker aller Couleur auf die Fahnen geschrieben. Eine Umfrage liefert erstmals Daten, wie Rodgaus Senioren ihre Lebenssituation beurteilen.

Die Mehrheit ist zufrieden mit ihrem Wohngebiet sowie mit Einkaufsmöglichkeiten, Hausarztversorgung und Freizeitangeboten. Doch es gibt auch Nachholbedarf. Jeder vierte Rodgauer ist älter als 60 Jahre. Das sind knapp 12.000 Menschen. Mehr als 2000 von ihnen haben sich im November und Dezember vorigen Jahres an der Umfrage beteiligt. Der Rücklauf der Fragebogen ist ungewöhnlich hoch. „Da kriege ich noch heute Gänsehaut, wenn ich daran denke“, sagt Volker Staschke von der Hochschule Darmstadt, der die Daten ausgewertet hat. Gemeinsam mit Prof. Volker Beck stellte er gestern vor der Presse einige Ergebnisse vor.

Großteils Zufriedenheit mit Lebenssituation

Die weitaus meisten Teilnehmer der Umfrage schätzten ihre finanzielle Lage als gut (45 %) oder mittel (44 %) ein, drei Prozent sogar als „sehr gut“. Doch diese Angaben sind relativ. Mehr als die Hälfte der Befragten (57,4 %) gaben an, sie müssten sich einschränken oder sparen. Etwa 80 Prozent wohnen im eigenen Haus oder in einer Eigentumswohnung.

Sehr zufrieden sind die Senioren mit der Gegend, in der sie wohnen. Die meisten bewerten die Wohngegend als gut (70 %) oder sehr gut (21 %). Nur für drei Viertel der Menschen gibt es Lebensmittelgeschäfte in der Nähe. Banken und Kirchen sind gut erreichbar, die Post aber nicht.

Gesundheitsversorgung mit Lücken

Auch die Gesundheitsversorgung hat Lücken. Jeder Vierte ist damit nicht zufrieden. Fehlende Fachärzte sind das Problem: Fast zwei Drittel der Umfrageteilnehmer sehen Nachholbedarf (49 % unzufrieden, 14 % sehr unzufrieden). Bei der Hausarztversorgung gibt es weitaus weniger Unzufriedene (neun Prozent), ansonsten herrscht große Zufriedenheit vor (88 Prozent).

Widerstreitende Aussagen gab es zu der Frage, wie gut Rodgau auf die alternde Gesellschaft vorbereitet ist: Gut oder sehr gut meinten nur 20 Prozent, schlecht oder sehr schlecht 25 Prozent. Mehr als die Hälfte der Befragten hatte dazu keine Meinung.

Stoff für politische Diskussionen

„Ich finde es klasse, dass die Stadt Rodgau den Mut hat, sich mit dem demographischen Wandel auseinander zu setzen“, sagt Prof. Volker Beck. Rodgau sei damit ein Vorbild für andere Städte und Gemeinden in Hessen.

Mit der Bedarfsanalyse zur Lebensqualität der Menschen ab 60 erfüllt der Magistrat einen Auftrag des Stadtparlaments vom Februar 2011. Die Ergebnisse der Umfrage sollen nun Stoff für die politische Diskussion liefern. Ende August werden sie im Ausschuss für Soziales und Kultur vorgestellt. Bis dahin wollen die Wissenschaftler aus den Daten auch erste Empfehlungen für kommunales Handeln ableiten. Erster Stadtrat Michael Schüßler: „Wir sollten dort anfangen, wo unsere Einflussmöglichkeiten am größten sind.“

eh

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Quelle: op-online.de

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