Älteste Siedlungsspuren

Sensationsfund beim Gassigehen

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Rodgau - Schon vor 8000 Jahren ließen sich die ersten Siedler in Rodgau nieder. Werkzeuge aus der Steinzeit liefern den Beweis. Von Ekkehard Wolf 

Die ersten Menschen in Rodgau siedelten noch früher als bisher gedacht. Die ältesten Siedlungsspuren stammen aus der Mittelsteinzeit. Marion Heise aus Nieder-Roden entdeckte die steinzeitlichen Werkzeuge beim Spaziergang mit ihrem Hund in den „Farnebüsch“. Die Fundstücke sind etwa 8000 Jahre alt. Die ehemalige Sanddüne ist demnach der älteste bekannte Siedlungsplatz in Rodgau. Die Faustkeile, Messer, Schaber, Hohlschaber, Stichel und Kernsteine aus Basalt sind am 7. September erstmals öffentlich zu sehen. Sie werden am Jügesheimer Kerbsonntag im Heimatmuseum ausgestellt. Im Herbst vergangenen Jahres fand Marion Heise mehrere schwarze Gesteinsstücke, die Spitzen und scharfe Kanten aufwiesen. Sollten das etwa Werkzeuge aus der Steinzeit sein? Der erfahrene Gesteinskundler Gerhard Lämmlein vom Heimatverein Jügesheim bestätigte die Vermutung: „Es sind eindeutig Werkzeuge, keine zufälligen Absplitterungen.“ Diese Einschätzung bestätigte auch Archäologin Gesine Weber von der Bodendenkmalpflege des Kreises Offenbach.

Die ehemalige Düne „In den Farnebüschen“ zwischen Dudenhofen und Nieder-Roden ist der wohl älteste Siedlungsplatz Rodgaus.

Nach eingehender Untersuchung ist sich Lämmlein sicher: Die Artefakte sind wegen ihrer Machart typisch für die Campignien-Kultur der Mittelsteinzeit (Mesolithikum) vor rund 8 000 Jahren. Der erste Bodendenkmalpfleger der Stadt Offenbach, Johann Geiß, hatte bereits um 1960 auf den Sanddünen im Mainbogen von Offenbach Bürgel eine größere Anzahl ähnlicher Werkzeuge gefunden und in den „Offenbacher Geschichtsblättern“ beschrieben. Die Steinwerkzeuge vom Rodgau-See, die bereits bisher im Heimatmuseum Jügesheim ausgestellt waren, sind zwar ähnlich alt, aber sie wurden vom Urmain eingeschwemmt. Daher lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, ob sie auch von „Ur-Rodgauern“ hergestellt wurden. Die Geräte von der Düne „Farnebüsch“ wurden hingegen „in situ“ gefunden, also dort, wo damals die Menschen lebten. Dies schließt Lämmlein daraus, dass so viele Werkzeuge an einer Stelle lagen. Im Herbst will er dort nach weiteren Artefakten suchen.

Solche Sanddünen gab es an vielen Orten in Stadt und Kreis Offenbach. Es handelt sich dabei um Ablagerungen von Sandstürmen aus dem Ende der letzten Eiszeit vor etwa 20.000 Jahren. Für die Steinzeitmenschen waren die Dünen bevorzugte Siedlungsgebiete: Sie mussten nicht gerodet werden, waren nach einem Regenguss schnell wieder trocken, der am Tag erwärmte Sand bot auch in kühleren Nächten noch etwas Wärme und von ihrem Kamm aus hatte man eine gute Übersicht, was bei Annäherung von Raubwild oder Feinden überaus wichtig war. Die Menschen des Mesolithikums vor etwa 8 000 Jahren waren noch Jäger und Sammler, aber bereits sesshaft. Man zählt sie schon zum modernen Menschen, dem „Homo sapiens“.

Nacht der Museen (Archiv)

Nacht der Museen

Die neuen Funde werden erstmals am 7. September im Museum für Heimat- und Erdgeschichte Jügesheim ausgestellt. Das Museum ist von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Ab 11.30 Uhr werden Hackbraten und Haspel angeboten, am Nachmittag Kaffee und Kuchen.

Quelle: op-online.de

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