Neue Regeln für europäischen Zahlungsverkehr gelten als kompliziert / Erste Schatzmeister geben Ämter auf

SEPA belastet Vereine in Region

RODGAU/RÖDERMARK - Die zum 1. Februar 2014 geplanten neuen Standards bei Bankeinzügen bringen Schatzmeister und Kassierer von Vereinen schon jetzt schier zum Verzweifeln. Von Bernhard Pelka

Zwei in unserem Verbreitungsgebiet haben bereits die Segel gestrichen: Otto Langer (70) vom KSV Urberach und Rudolf Straube (86) vom Freundeskreis „Pro Morija“. Sie wollen sich den ungeheuren bürokratischen Aufwand für den neuen Zahlungsverkehr nicht mehr zumuten.

Auch die Schatzmeisterin des TSV Dudenhofen, Gisela Endres, hat vor der Änderung größten Respekt. Und sie ist sicher, dass manche Vereine dieses leidige Thema in seiner ganzen Tragweite noch gar nicht erfasst haben. „Ich bin gespannt, ob das alles funktioniert am 1. Februar“, beschreibt die TSV-Mitarbeiterin ihre Gefühlslage.

Die Welt rückt zusammen. Im bargeldlosen Zahlungsverkehr mit Überweisungen und Lastschriften bestehen jedoch nach wie vor nationale Unterschiede. Um diese Aufsplitterung zu beenden, haben Politik und Kreditwirtschaft einheitliche Regeln für den nationalen und europäischen Zahlungsverkehr eingeführt. SEPA heißt dieses Projekt. Das Wort steht für Single Euro Payments Area (Einheitlicher Euro-Zahlungsverkehrsraum). Hört sich schlüssig an, bringt aber Privatleuten, Unternehmen und auch den Vereinen in Stadt und Kreis Offenbach eine Menge Arbeit. Gislea Endres beschreibt den immensen Aufwand:

Vereinssoftware muss kompatibel sein

„Man muss prüfen, ob die Vereinssoftware kompatibel ist. Wenn nicht, muss man ein Update machen. Von jedem neuen Mitglied braucht man künftig eine neue Einzugsermächtigung, ein sogenanntes Mandat. Dafür benötigt man als Verein eine Gläubiger-Identifikation. Die muss man sich bei der Bundesbank besorgen. Die Gläubiger-ID wird dann der Bank und dem Mitglied mitgeteilt. Eine Referenznummer ist auch noch nötig für den Zahlungsverkehr - am besten die Mitgliedsnummer, um es einfacher zu machen.“

Das ist aber noch nicht alles. Die neue Einzugsermächtigung - etwa für die Zahlung der Mitgliedsbeiträge - muss in Zukunft einen bestimmten Wortlaut haben. Und der Verein muss seinem Mitglied den Zeitraum mitteilen, in dem er gedenkt, die Beiträge abzubuchen. Viele Vereine müssen ihre Satzungen ändern. Denn es fehlt darin die Verpflichtung, dass Mitglieder am Bankeinzugsverfahren teilnehmen.

Klingt nicht nur kompliziert, sondern ist es auch. Deshalb appelliert der Sportkreisvorsitzende Peter Dinkel an Vereine, das Thema nicht auf die lange Bank zu schieben. Beim jüngsten Sportkreistag gab es dazu ein profundes Referat.

Immer mehr komplexere Aufgaben

Dinkel kritisiert, dass die Vereine zu spät über die Reform im Zahlungsverkehr informiert worden seien. Die Neuregelung ist für ihn ein weiteres Beispiel für die immer komplexeren Aufgaben, die Staat und Politik dem ohnehin überfrachteten Ehrenamt aufbürden. „Alles wird schwieriger. Ein Vorstand muss heute Jurist, Buchhalter und Wirtschaftsexperte in einer Person sein, um allen Ansprüchen zu genügen.“ SEPA stehe exemplarisch dafür, dass die Politik einmal mehr neue Regeln vorgibt „und wir dann sehen müssen, wie wir damit klar kommen“, findet Dinkel deutliche Worte.

Tatsächlich bietet nicht die Politik den Vereinen Hilfe an, sondern der Sportkreis und die Geldinstitute. „Wir stellen uns unserer Verantwortung“, sagt Udo Heberer. Der Sprecher der Vereinigten Volksbank Maingau stellt einen großen Informationebedarf bei den Vereinen fest.

Auch die Sparkasse lässt Vereine nicht im Regen stehen

„Wir lassen die Vereine nicht im Regen stehen“, versichert auch Walter Metzger, Sprecher der Sparkasse Langen-Seligenstadt. Schon vor drei Jahren habe das Geldinstitut über SEPA informiert. Nun seien „alle angeschrieben worden“. Überdies verweist Metzger auf spezielle Vereins-Info-Veranstaltungen der Sparkasse: die nächste am 15. Mai, 19 Uhr, im Kreishaus Dietzenbach.

Die Vereinigte Volksbank Maingau bietet ebenfalls schon seit Jahren Info-Termine an. Die nächsten sind am 7. Mai, 19 Uhr, in der Kulturhalle Ober-Roden für Firmenkunden und am 16. Mai (gleiche Zeit, gleicher Ort) für Vereine.

Quelle: op-online.de

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