Rodgau: Anwohner äußern Wünsche bei Ortsbegehung mit der Stadt

Neuer Rollwald-Plan soll Bauwut bremsen

Reihenhäuser und Häuser mit zwei bis drei Wohnungen prägen den westlichen Teil Rollwalds. Massive Neubauten, vor allem im östlichen Teil, erregen Unmut in der Bevölkerung. Nun will die Stadt einen neuen Bebauungsplan aufstellen. Eine Veränderungssperre soll Auswüchse verhindern.
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Reihenhäuser und Häuser mit zwei bis drei Wohnungen prägen den westlichen Teil Rollwalds. Massive Neubauten, vor allem im östlichen Teil, erregen Unmut in der Bevölkerung. Nun will die Stadt einen neuen Bebauungsplan aufstellen. Eine Veränderungssperre soll Auswüchse verhindern.

Der Wildwuchs soll ein Ende haben: Die Stadt Rodgau stellt einen neuen Bebauungsplan für die Siedlung Rollwald auf. Die betroffenen Anwohner dürfen dabei ein Wörtchen mitreden.

Rollwald – Die Stadt Rodgau ist Zuzugsgebiet. Um Wohnraum zu schaffen, werden Baulücken geschlossen und darauf neue Immobilien errichtet. In Rollwald erregten neue, massige Mehrfamilienhäuser und eine allzu nahe Bebauung an die Grundstücksgrenzen den Unmut der Anwohner. Die Nachbarn sahen ihr Zuhause mit dem prägenden Siedlungscharakter nachhaltig beschädigt.

Nun will die Stadt einen neuen Bebauungsplan aufstellen. Im Vorfeld hörten sich die städtischen Entscheidungsträger und der zuständige Fachbereich die Sorgen der Bürger an.

Die Offenheit der Planer für die Vorschläge der Bewohner zeigte sich in Bürgermeister Jürgen Hoffmanns einleitenden Worten: „Den Plan wollen wir in groben Zügen mit Ihren Interessen, Ihren Bedürfnissen und Ihren Empfindungen generieren.“

Aus den Reihen der 73 Teilnehmer heraus kritisierte Ehepaar Dürsch die zunehmende Verdichtung der Häuserreihen: „Die Vollbebauung, dass zwölf Familien draufkommen, das ist das Schlimme.“ Der Rollwald ist eine Einfamiliensiedlung, so die Sicht des Ehepaares: „Was hier im Moment betrieben wird, ist eine Maximalverdichtung.“ Für die Familie aus der Taunusstraße schloss sich die Frage an: „Wo stehen bei dieser Vollbebauung die ganzen Autos?“

Mit dieser Meinung standen die Dürschs nicht alleine da: Zu laut, zu eng und zu rücksichtslos, blickten weitere Teilnehmer auf die Verkehrssituation. Autos parken auf den Gehwegen und gar entgegen der Fahrtrichtung. Der Ruf nach dem Ordnungsamt wurde laut.

Zur Verkehrssicherheit ergriffen mehrere Personen das Wort: Die Ober-Rodener Straße braucht mehr Querungshilfen, dort überfahren rücksichtslose Kfz-Lenker sogar das rote Signal der Ampel.

Erster Stadtrat Michael Schüßler schaute bei der Ortsbegehung auf den chronologischen Ablauf des weiteren Vorgehens: „Es ist der Wunsch der Menschen, dass wir zeitnah vorankommen.“ Dabei verlor er den negativen Aspekt der von der Stadtverordnetenversammlung verhängten Veränderungssperre nicht aus den Augen: „Es gibt Menschen, die konkrete Planungsabsichten hatten.“ Damit bezog sich Schüßler auf vorgesehene Bau- und Renovierungsabsichten von Immobilieneigentümern, die zurzeit nicht umgesetzt werden können. Um allzu wuchtige Bauvorhaben zu stoppen, verhängte die Stadtverordnetenversammlung am 7. September 2020 eine Veränderungssperre. Seit dem Beschluss des Parlaments darf in Rollwald nicht mehr gebaut werden. Auch Abriss oder Umbau sind verboten. Ausnahmen sind zwar möglich, aber äußerst schwer begründbar.

Nun wird von städtischer Seite ein neues Konzept erarbeitet, das laut Bürgermeister Hoffmann „möglichst vielen Belangen Rechnung trägt“.

Zeitlich sind dem Vorhaben Grenzen gesetzt. Der Beschluss der Stadtverordnetenversammlung vom September vergangenen Jahres gilt zwei Jahre. Bis dahin sollte ein neuer Bebauungsplan stehen. Allerdings lässt sich bei zeitlicher Not die Frist um ein weiteres Jahr verschieben.

Einen Tag vor der Präsenzveranstaltung hatten Bürger bereits die Möglichkeit, in einer interaktiven Internetveranstaltung ihre Anregungen einfließen zu lassen. Die Projektverantwortlichen hörten dabei die Stimmen der Anwohner zu Punkten wie der Verkehrsstruktur (Radwege und knappe Parkplätze), der Grün- und Freiflächen, der Gebäudetypologien (wo stehen Reihenhäuser und wo Mehrfamilienhäuser) und zu den Siedlungsbesonderheiten (unter Schutz zu stellende Gebäudeensembles). (Von Andreas Pulwey)

Gut beschirmt waren die Teilnehmenden der Ortsbegehung in Rollwald. Bewohner der Siedlung erklärten den Verantwortlichen der Stadt, was aus ihrer Sicht verbessert werden sollte.

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