Klangkünstler Bernd-Michael Land verbindet Musik und Geräusche zu einer Hommage an seine Stadt

So klingt Rodgau

4 Uhr früh an den Krähenbäumen bei Dudenhofen: Klangkünstler Bernd-Michael Land bei Außenaufnahmen für sein Projekt „Rodgau Field“.
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4 Uhr früh an den Krähenbäumen bei Dudenhofen: Klangkünstler Bernd-Michael Land bei Außenaufnahmen für sein Projekt „Rodgau Field“.

Rodgau – Die Welt der Kunstwerke zum Thema „Rodgau“ ist um eine Facette reicher. Seit wenigen Tagen ist die Doppel-CD „Rodgau Field“ von Bernd-Michael Land auf dem Markt. Der Klangkünstler aus Hainhausen verspricht nicht weniger als „ein akustisches Porträt der Stadt Rodgau“.

Rodgau - Bernd-Michael Land ist Kulturpreisträger der Stadt Rodgau. Er ist national und international bekannt für elektronische Ambientmusik, die er gern mit sogenannten Feldaufnahmen kombiniert. Dabei entstehen Stücke, die er als meditative Klangskulpturen bezeichnet.

Krähen krächzen, Bienen summen, Blätter rascheln, Autos dröhnen, Supermarktkassen piepsen: Die Aufnahmen sind so in die Melodien eingewoben, dass sie kaum noch als Geräusche erkennbar sind. Das Ergebnis ist also keine Collage, sondern Musik: 29 Kompositionen, zusammen zweieinhalb Stunden lang.

Zwei Jahre lang mit dem Aufnahmegerät in Rodgau unterwegs

Das Rohmaterial für sein Projekt hat der Künstler seit Sommer 2018 gesammelt. Von Weiskirchen bis Rollwald fing er Klänge und Geräusche ein. Der erste Corona-Lockdown erleichterte zum Beispiel die Aufnahmen an den Krähenbäumen bei Dudenhofen. Dort gab es keinerlei störende Verkehrsgeräusche. Vielleicht lag das aber auch an der Uhrzeit: 4 Uhr früh.

Dennoch sind Feldaufnahmen nie ohne Risiko, wie sich beim Rotmilan auf einer Streuobstwiese zeigte: „Da war ich drei Mal umsonst da, bis er endlich einen Ton von sich gegeben hat.“

Selbst das Rascheln der vertrockneten Blätter in einem Maisfeld brachte ungeahnte Schwierigkeiten mit sich. Mal herrschte plötzlich Windstille, mal begann es zu nieseln oder Fremdgeräusche störten die Aufnahmen. Erst beim achten Versuch war die perfekte Aufnahme im Kasten. Die Bilanz: mehr als sieben Stunden Aufwand für vier Minuten Maisfeld.

Auch Unhörbares hat Bernd-Michael Land hörbar gemacht. An der Gänsbrüh nahm er die Ortungsrufe der Fledermäuse mit einem speziellen „Bat-Scanner“ auf. Elektromagnetische Wellen der Stromleitungen und Straßenlaternen „übersetzte“ er mit einem Gaußmeter, mit dem man die magnetische Flussdichte messen kann.

Im Studio: Der Klangkünstler programmiert einen Analog-Synthesizer.

Vier Monate intensive Studioarbeit waren notwendig, um die Aufnahmen zu bearbeiten, die Musikstücke zu komponieren, einzuspielen und abzumischen. Sieben bis zehn Stunden täglich habe er im Studio verbracht, berichtet der Künstler.

Ungewöhnlich: Jeden Aufnahmeort von „Rodgau Field“ kann man besuchen

Die Hessische Kulturstiftung unterstützte das Projekt „Rodgau Field“ mit einem Arbeitsstipendium. Er habe mit Absicht nicht die volle Summe beantragt, damit auch andere Künstler gefördert werden können, sagt Land. Bereits die im Dezember erschienene CD „Definitivum“ hatte er mithilfe der Kulturstiftung produziert; er erhielt damals 2.000 Euro.

Auch die neue Veröffentlichung beweist, dass ein echter Tonträger „mehr“ ist als die übliche Streaming-Musik. Zur Doppel-CD gehört ein Booklet mit 28 Seiten. Das Gesamtwerk ist als „kartografische Komposition“ angelegt. Alle Standorte der Tonaufnahmen und der Fotos sind mit ihren Geokoordinaten aufgeführt. Wer möchte, kann die einzelnen Orte aufsuchen, um das Werk in einer neuen Dimension zu erleben.

„Rodgau Fields“ kann man über den Künstler beziehen. Die Doppel-CD kostet 23 Euro plus zwei Euro für den Versand.

Bernd-Michael Land arbeitet längst an weiteren Projekten. Für ein geplantes Musikvideo durfte er während des Lockdowns per Segway durch eine menschenleere Fußgängerzone kurven. Aber das ist nur eines von vielen Vorhaben, die der Künstler auf der Agenda hat. Irgendwann, so hofft er, sind auch wieder Konzerte möglich. Sein nächster Auftritt ist beim Art-Rock-Festival im April 2022 geplant. (Von Ekkehard Wolf)

Ein Ortsschild wirbt für die neue Doppel-CD von Bernd-Michael Land.

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