Die Sonne lacht zur Fassenacht

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Lady Gaga in Aktion: Der Judoclub Nippon mit „Pokerface“.

Jügesheim ‐ Der Winter hat ein Herz für die Narren: Sonnenschein und beinahe milde Temperaturen verwöhnten Teilnehmer und Zuschauer des Jügesheimer Fastnachtszugs. Von Ekkehard Wolf

Die zwei Euro für die Zugplakette waren gut angelegt. Mit mindestens 64 Nummern war der Umzug länger als sonst: rund und bunt und von ansteckender Fröhlichkeit. Die fantasievollen Kostüme und die Ausstrahlung der meisten Gruppen brauchten keinen Vergleich mit den Vorjahren zu scheuen. Auf politische Botschaften wartete man allerdings vergebens: Hatten die Karnevalisten ihr kritisches Pulver schon in der Sitzungsfastnacht und beim Rathaussturm verschossen? Oder hatten sie einfach keine Lust auf „schwere“ Themen? Den einzigen ernsten Akzent setzte Kurt Henkel mit seinem kleinen Motivwagen zum Thema Abwrackprämie.

Den 50. Geburtstag von Asterix und Obelix hatte der RCC „Knallkepp“ als Thema gewählt. Gallier und Römer liefen ausnahmsweise friedlich-fröhlich hintereinander her. Oben auf dem Wagen rührte der Druide den Zaubertrank.

Eine ebenso stimmige Kombination gingen Motivwagen und Fußgruppe beim SKV Hainhausen ein, die mit einem Wikingerschiff durch die Straßen zogen. Auch die TG Hainhausen schwamm mit dem Schiff durch die Menge; vom Kreuzfahrtdampfer regnete es fleißig Kamellen.

„Frankreich, Frankreich“ hieß es beim Kreppelkaffee Nieder-Roden. Passend zu ihrem Sitzungsmotto hatten die Kreppelfrauen einen fahrbaren Eiffelturm gebaut.

Narrenschiff unterwegs: Die Wikinger vom SKV.

Ein weiterer Hingucker: Mit einer Stretchlimousine ließen sich die Elfergirls der TGM SV durch Jügesheim chauffieren. Die Nobelkarosse auf leichtem Fahrradgestell brauchte keinen Sprit: Sie wurde von vielen Füßen angetrieben. Neben den Musikkapellen sorgten auch Tanzgruppen für Schwung im Fastnachtszug. Der Judo-Club Nippon tanzte zum Hit „Pokerface“ - natürlich in den passenden Spielkarten-Kostümen. „Wolf und seine Freunde“ verkörperten leckere Sahneschnittchen, die sich immer wieder zu fünf Torten gruppierten und im Kreis drehten. „Die ohne Namen“ tanzten Samba auf der Gass‘.

Von der Badstraße bis zur Schlossallee reichten die Kostüme der Gruppe Rau: Mit dem Motto „Monopoly“ war dieser Freundeskreis aus Rodgau erstmals dabei. Neu im Zug war auch der Waldkindergarten „Die Wühlmäuse“ mit der märchenhaften Welt des Waldes. Beim Jagd- und Reitverein Jügesheim zog ein Pony die Wildwestkutsche. „Im Urwald sind die Sportler los“ verkündete die SG Nieder-Roden.

Bonbons und Popcorntüten

Wie kleidsam Zeitungen sein können, bewies die TGS-Gruppe von Konni Walter als „Extrablatt“ in Kleidern aus bedrucktem Papier. Auch Tennisbälle kann man zweckentfremden: Die Raumfahrer vom TC Blau-Weiß trugen die gelben Kugeln als Helme.

Schutz vor unbekannten Flugobjekten brauchten die Zuschauer am Straßenrand nicht. Neben Bonbons flogen diesmal besonders viel Popcorntüten durch die Luft: Sie lassen sich zielgenau werfen und landen trotzdem weich. Die mit Abstand originellsten Gaben verteilte der Freundeskreis des Rodgau-Prinzenpaares: Am Gärtner-Roulette gab es 1 000 Primeltöpfen, Trillerpfeifen und Badelatschen.

Nur vor der Rodgau-Passage mischten sich gelegentlich Misstöne in das bunte, fröhliche Treiben. Gegen Ende des Umzugs landete ein leeres Fünf-Liter-Bierfass auf dem Leihwagen des Prinzenpaares. Und nach dem Zug rempelte ein Besoffener eine Frau an, die ihr Kind auf den Schultern trug. Der Kleine stürzte zu Boden, kam aber mit dem Schrecken davon.

Quelle: op-online.de

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