Drachenfest mit vielen Zuschauern auf den Wiesen am Badesee

Wo die Fische fliegen lernen

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Nieder-Roden - In Rodgau können nicht nur Schweine fliegen. Vier rosige Wutzen, jede über drei Meter hoch, bekamen beim Drachenfest am Wochenende unter anderem Gesellschaft von schwebenden Einhörnern, Lindwürmern, Krokodilen, Mainzelmännchen und vor allem Eulen.

Konkurrenzlos weit gereist war eine Drachenpilotin aus Indien, die zur Freude hunderter Zuschauer eine riesige Meerjungfrau aufsteigen ließ.
An internationales Publikum ist der Drachenclub Aiolos, seit 1993 Gastgeber des inzwischen anerkannt größten hessischen Drachenfests, nach Worten seines Vorsitzenden Jan Machacek gewöhnt. Neben Drachenfliegern – so nennen sich die Angehörigen der Zunft – aus allen Ecken Deutschlands fanden sich unter den rund 50 gemeldeten Teilnehmern auch Freunde aus Holland, Belgien und der Schweiz ein. Die meisten sind Stammgäste und bringen oft ein eigenes kleines Team mit.

Mehrere Helfer braucht es meist, um die am Boden gigantisch und bisweilen auch plump wirkenden, in der Luft dann aber höchst eleganten Gebilde in Fahrt zu bringen. Weil am Samstag um die Mittagszeit, als die Besucher zu strömen begannen, nur eine leichte Brise wehte, halfen die Piloten gelegentlich mit einem Ventilator nach, um ihre voluminösen Figurdrachen zu entfalten und gleichsam aufzublasen. Das sei nicht gemogelt, versicherte ein Szenekenner, sondern auch bei Wettbewerben üblich.

Davon abgesehen unterliegt das Drachenfliegen Regeln, über deren Einhaltung das Moderationsteam vom Aiolos-Vorstand wachte. So durfte keine schwebende Kreation höher als 100 Meter aufsteigen – eine Sicherheitsauflage wegen des regen Flugverkehrs im Rhein-Main-Gebiet und besonders in der Nähe kleinerer Flugplätze. Naturschutzgründe sind neben der im September und Oktober in der Regel besonders günstigen Wetterlage dafür verantwortlich, dass Drachen-Events wie das in Nieder-Roden meist im Frühherbst stattfinden – und nicht mehr im Mai wie in den ersten Jahren: Brütende Vögel stört dann selbst ein ehrfurchtgebietender, 20 Meter langer Manta oder Krake nicht mehr.

Dem eigenen Spaß und Erfolg dient derweil die 15-Meter-Regel: Wer beim Anlaufen diesen Abstand zwischen sich selbst und dem Fluggerät einhalte, bekomme seinen Drachen am besten in die Luft, verriet ein Veteran. Diese Erfahrungen machten am frühen Samstagnachmittag zahlreiche Schüler der Dietzenbacher Heinrich-Mann-Schule, die beim traditionellen Massenstart ihre selbst gebauten Eulen aufsteigen ließen. Der Nachtvogel hielt diesmal für das Motto der Veranstaltung her. Die Drachenbauer von Aiolos durften mindestens ebenso stolz wie die Schüler sein, hatten sie doch zwei sechs und neun Meter große Eulen vorzustellen.

Noch vor der Kaffeezeit frischte der Wind am Samstag auf, bald zählten die Drachen am strahlend blauen Himmel nach Dutzenden. Nicht nur die Voll- und Halbprofis aus dem Teilnehmerfeld legten sich ins Zeug, um ihre imposanten Figur- oder schnittigen Lenkdrachen in Szene zu setzen, die ebenfalls mehrere Meter Spannweite haben können: Auf dem eigens für sie abgesteckten Feld für freies Fliegen hatten vor allem Familien mit Kindern ihren Spaß.

Da Drachenflieger oft auch Bastler sind, kannte die optische Vielfalt kaum Grenzen. Da tanzte dann ein filigranes Skelett mit imposantem Schädel neben dem psychedelischen Portrait von Jimmy Hendrix und einem quietschgrünen Krokodil. „Das wird noch besser“, versprach Jan Machacek – nach Einbruch der Dunkelheit, wenn beim Nachtfliegen neben der Fantasie und dem Geschick der Piloten noch die Wunder der LED-Technik ins Spiel kommen. (zrk)

Quelle: op-online.de

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