Über 100 Gäste im Sozialzentrum

SOS-Helferkreis feiert 50-jähriges Bestehen

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Rund 80 Mitglieder stark ist aktuell der SOS-Helferkreis in Nieder-Roden. An den runden Schildern sind die Vorstandsdamen zu erkennen.  

Nieder-Roden - Im Stillen helfen, zurückhaltend Präsenz zeigen und vor allem arbeiten – so umschrieb Rodgaus Bürgermeister Jürgen Hoffmann am Samstag das Wirken des SOS-Helferkreises, den es in Nieder-Roden seit 50 Jahren gibt.

Zur Jubiläumsfeier im Sozialzentrum am Puiseauxplatz hieß Vorsitzende Helga Hoffmann über 100 Gäste willkommen. In der Mehrzahl kannten sich die Besucher der Feierstunde gut: Um Landrat Oliver Quilling, den Rodgauer Rathauschef, Ehrenbürger Paul Scherer und eine Abordnung aus dem Paten-Kinderdorf in Eisenberg in der Pfalz scharten sich fast vollzählig die rund 80 Damen, die sich teils seit Jahrzehnten für die Unterstützung von SOS-Kinderdörfern in Deutschland und weltweit engagieren. Einige, etwa die Vorsitzende selbst, waren schon bei der Gründung der Initiative 1967 dabei. Erste Aktion war laut Helga Hoffmann ein Kinder-Fastnachtsball im damals neuen Bürgerhaus.

Ein Dankeschön vom Paten-Kinderdorf: Anne Krieger vom Vorstand des SOS-Helferkreises zeigt das Jubiläumsgeschenk aus der Pfalz (Im Vordergrund mit schwarzem Schal Leiterin Irene Jennes).

Den „Baby Beat“, wie die Sause hieß, veranstaltete der Helferkreis 45 Jahre lang. Dann habe der Aufwand für die Organisation und beim Maskenball selbst das Team zunehmend überfordert, so Vorstandsmitglied Heidi Neckermann: „Wir werden ja alle nicht jünger“, Zulauf aus der nächsten Generation gebe es kaum. Aus nämlichem Grund hat der Helferkreis inzwischen auch den Nikolaus-Markt aufgegeben. Nach wie vor aktiv und eifrig bei der Sache ist die zwischen zehn und 15 Damen starke Bastelgruppe. Bei regelmäßigen Treffen wird gestrickt, gehäkelt, geklebt und bemalt, die Produkte verkauft die Gruppe bei Basaren und Kunsthandwerker-Schauen.

Damit begann das Engagement für die SOS-Kinderdörfer für viele Helferinnen der ersten Stunde. Eine von ihnen, Gerda Pinnow (86), erinnert sich an den ersten Bastelabend: „Wir haben Papierblumen aus Krepppapier gemacht, auch in Milchdosen Löcher gemacht für Gestecke, die wurden alle verkauft.“ Ihr gleichaltriger Mann Wolfgang Pinnow, mit dem sie 1954 aus Lübeck über Frankfurt und zehn Jahre später nach Nieder-Roden gekommen war, unterstützte die Initiative von Anfang an und ist noch heute stolz auf den Elan der ersten Jahre: „Beim Basar war ich der Moderator und habe Werbung gemacht, bis wir das letzte Stück verkauft hatten“, erzählt er mit Begeisterung von damals. In den 1960ern sei der Helferkreis fast konkurrenzlos gewesen. „Später lief es dann nicht mehr so, aber Spaß hat es immer gemacht.“

Diese Einstellung schätzt Anne Krieger, die seit Kurzem dem fünfköpfigen Vorstand angehört: Das Gruppenerlebnis sei für viele Mitglieder von großem Wert. „Es gibt Leute, die sagen, ich kann ja nicht basteln, aber die sind immer allein“, so Krieger – einfach vorbeikommen, rät sie. „Wer nicht bastelt, erzählt eben aus seinem Leben. Fäden durchziehen, Kanten kleben – irgendeine Aufgabe findet sich immer.“

Ein Fenster zur Welt für Senioren

Motivieren kann auch das Ziel, das sich der Helferkreis nach wie vor setzt: Waisenkinder in den SOS-Kinderdörfern mit möglichst vielen Spenden und Verkaufserlösen unterstützen. Neben dem Patenkinderdorf, dessen Leiterin Irene Jennes zum Jubiläum ein selbst gemaltes Bild ihrer aktuell rund 50 Schützlinge mitgebracht hatte, profitieren zwei weitere deutsche Einrichtungen von Nieder-Rodener Aktionen. Ein Drittel des Jahresertrags stiftet der Verein laut Helga Hoffmann regelmäßig für die weltweite Arbeit der Kinderdorf-Organisation. Bis dato habe der Helferkreis rund 738 000 Euro aufgebracht, so Landrat Quilling – „eine Leistung, vor der man nur Hochachtung haben kann“.

Zusammen kam das Geld nach Worten der Vorsitzenden bei 109 eigenen Aktionen und 43 Veranstaltungen der Stadt, bei denen der Helferkreis die Bewirtung übernahm. Unter anderem gab es laut Hoffmann 45-mal den Baby Beat, 30 Jahre den Basar, 14 Jahre den Nikolausmarkt und 15 Jahre ein Straßenfest. Zusätzlich stemmten die Damen 37 Jahre lang die Frühlingsaktion rund um Rollwald und befreiten dabei die Landschaft von Abfall. (zrk)

Quelle: op-online.de

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