Eurokrise zwingt zum Auswandern

In Spanien ohne Chance auf einen Job

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Zwei Herzen schlagen in der Brust von Elektriker Alejandro Gomez-Gomez. Einerseits ist er froh, bei der Jügesheimer ELS-tec eine berufliche Perspektive gefunden zu haben. Andererseits ist er traurig, dass er dafür seine Familie in Madrid verlassen musste.

Rodgau - Die Arbeitslosenquote der unter 25-Jährigen liegt in Spanien derzeit bei 56 Prozent. Von Bernhard Pelka  

Eine Jugend ohne Zukunft! Das hessische Wirtschaftsministerium  hat deshalb zusammen mit der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main 44 junge Spanier aus der Region Madrid als Lehrlinge an hessische Handwerksbetriebe vermittelt. Einer davon ist Alejandro Gomez-Gomez. Er arbeitet bei der ELS-tec inJügesheim  als Elektriker.

„Ich hatte keine Perspektive, keine Chance“, schildert der 21-Jährige mit ernstem Gesichtsausdruck seine Beweggründe, die Heimat und vor allem die geliebte Familie zu verlassen. Zu dem massiven Knick im Lebenslauf gab es aber keine Alternative. Nach der Schule und einer Ausbildung als Elektriker schaffte es der Madrilene zwar, in einer Firma unterzukommen. Die machte aber leider schon acht Monate später dicht. An einen Nachfolge-Job war trotz zahlloser Bewerbungen nicht zu denken. Also traf Alejandro seinen schweren Entschluss. Er hat ihn nicht bereut. Mit dem Deutsch hapert es zwar noch. Aber bei seinem neuen Arbeitgeber in Jügesheim fühlt er sich wohl. „Das kam schon beim Begrüßungsfest rüber“, erinnert sich ELS-Ausbildungsbeauftragter Kay Purkott. „Er war der einzige Neuankömmling, der bei dem Fest sofort Kontakt gesucht hat zu den Leuten seiner neuen Firma. Er hat mit uns am Tisch gesessen und sich sogar ein bisschen als Gastgeber gefühlt. Die anderen haben alle in Grüppchen zusammengesessen.“

Bei der ELS-tec, einemSpezialisten  für Komplettlösungen rund um Energie- und Gebäudetechnik, hat der junge Mann einen Dreieinhalbjahresvertrag als Auszubildender unterschrieben. Das Unternehmen von Firmengründer Mirco Uglik bildet damit zurzeit vier Nachwuchskräfte aus. Uglik ist froh, Alejandro Gomez-Gomez in seiner Belegschaft zu haben. „Es wird immer schwerer, gute Leute zu bekommen“, erläutert der Inhaber. „Jemand, der so viel auf sich nimmt, der die Familie zurücklassen muss für einen Job, der muss wirklich super motiviert sein“, ist Uglik von den Qualitäten seines neuen Schützlings überzeugt. Am 19. August war er auf dem Frankfurter Flughafen gelandet - zwei Koffer, Heimweh, aber auch viele Hoffnungen dabei.

Der Neue hat nach einem Praktikum in Deutschland und der vorrübergehenden Rückkehr nach Madrid dort einen dreimonatigen Sprachkurs absolviert. Der wird nun in Frankfurt fortgesetzt. Dort wohnt der Auswanderer im Gästehaus des Bildungswerks Bau Hessen-Thüringen nahe dem Eintrachtstadion. Mit der Familie hält der junge Spanier über das Internettelefon Skype Kontakt so gut es geht. Ein Traum ist für ihn ist jetzt - nach dem neuen Job - eine eigene Wohnung. Sein Arbeitgeber in Jügesheim will ihn bei der Suche unterstützen. „Wir sind aber auf die Mithilfe der Bürger angewiesen“, appelliert Uglik. Wer ein Appartement hat, meldet sich unter 06106/779600.

Quelle: op-online.de

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