So spannend wie Formel 1

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Eric Spengler (16) ist Vereinsmeister des Racing-Clubs Rodgau.

Dudenhofen (eh) - Den Nervenkitzel eines Autorennens konnte man am Wochenende in Dudenhofen erleben.

Während Formel-1-Pilot Sebastian Vettel sich in Monaco erst für die „Pole position“ qualifizierte und am Sonntag dann den Großen Preis einfuhr, starteten rund 70 Hobby-Rennfahrer auf dem „Rodgaudrom“ zum Hessencup. Ihre Boliden sind acht Nummern kleiner als in der Formel 1, doch auch im Maßstab 1 : 8 kommt es auf volle Konzentration an.

Die Offroad-Piste östlich von Dudenhofen bietet mindestens so große Herausforderungen wie der „Circuit de Monaco“: Haarnadelkurven, Steigungs- und Gefällstrecken, gemeine Bodenwellen und sogar eine Rampe, von der die Autos direkt in die Steilwandkurve fliegen.

Doch im „Rodgaudrom“ brettern die rasanten Flitzer nicht über Asphalt, sondern über festgewalzten Lehm, der allerdings durch die Trockenheit der letzten Wochen an vielen Stellen aufgerissen ist. Bei Rennbetrieb staubt es mächtig. Das verleiht dem Hessencup einen Hauch der „Rallye Paris - Dakar“.

Alle zehn Minuten nachtanken

Luftsprünge machen die kleinen Flitzer auf der Offroad-Buckelpiste. Eine winzige Bewegung an der Fernsteuerung entscheidet darüber, ob das Fahrzeug die Spur hält oder umkippt.

„Das ist Offroad, damit muss man einfach leben“, sagt Holger Schramm, der Vorsitzende des Racing-Clubs Rodgau. Rund 500 Arbeitsstunden haben Mitglieder des Vereins in die Aufbereitung ihrer Rennstrecke gesteckt. Seit April darf dort wieder gefahren werden. 1 000 bis 1 500 Euro muss man für ein renntaugliches Automodell investieren. Dafür halten die Autos auch einiges aus, wenn man nicht gerade einen Zaunpfosten rammt. Dennoch ist der Materialverschleiß beachtlich. „An so einem Wochenende wird man zwei Satz Reifen brauchen“, schätzt Schramm. Dazu kommen noch die Spritkosten. Etwa alle zehn Minuten müssen die Fahrzeuge zum Nachtanken in die Boxengasse. Dann wird aus Spritzflaschen ein achtel Liter Nitromethan-Öl-Gemisch in den kleinen Tank gefüllt. Die E 10-Diskussion der Autofahrer ist für die Modellpiloten kein Thema: Ihr Spezialtreibstoff ist umso besser, je mehr Alkohol er enthält. Bis zu 25 Prozent Alkohol sind erlaubt.

Die Autorennen im Maßstab 1 : 8 wecken das Kind im Manne. Trotzdem setzen sie viel technisches Verständnis voraus. Die Fahrer sind ihre eigenen Automechaniker.

„Kein Kinderhobby“

In einer Zeltstadt am Rand des „Rodgaudroms“ hat jeder Pilot seine eigene kleine Werkstatt aufgebaut. Zwischen den einzelnen Läufen wird geschraubt, entstaubt und eingestellt, um auch die allerletzten Reserven herauszuholen.

„Es ist kein Kinderhobby“, bestätigt Holger Schramm. Dennoch seien die erfolgreichsten Piloten jünger als 20 Jahre: „Bei ihnen ist die Kopf-Hand-Koordination so schnell, da kommen wir alten Herrschaften nicht mehr mit.“ Kein Wunder, dass auch der Vereinsmeister des Racing-Clubs Rodgau zur Altersklasse „Jugend“ zählt. Eric Spengler (16) ist mit einem Profi-Modell der Marke X-Ray auf dem besten Weg, über Hessen hinaus Erfolge zu feiern.

Der Racing-Club hat 45 Mitglieder von zwölf bis 60 Jahren. Frauen sind selten. Autorennen sind halt ein Hobby für echte Männer.

Quelle: op-online.de

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