Wenn der Kunde zum Betrüger wird:

Spanplatten statt Fernsehgerät?

Rodgau/Darmstadt - Wer gegen sein Gerichtsurteil in Berufung geht, hat zumindest die Garantie, sich am Ende nicht zu verschlechtern. Bleibt es beim Urteil aus erster Instanz, muss er jedoch die Verfahrenskosten tragen. Von Silke Gelhausen-Schüßler 

Und die sind nach drei Verhandlungstagen, wie im neu aufgerollten Betrugsprozess gegen einen 46-jährigen Rodgauer, nicht gerade preiswert. Der einschlägig Vorbestrafte war am 30. Juli vom Amtsgericht Seligenstadt zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten ohne Bewährung verurteilt worden. Von seiner Unschuld überzeugt, legte er Berufung ein, die die sechste Strafkammer des Landgerichts Darmstadt nun in zweiter Instanz verwarf. Damit ist das Urteil rechtskräftig.

Streitpunkt des Verfahrens ist ein Hightech-LCD-Fernsehgerät der Marke Sony, dass der Angeklagte über einen Ebay-Händler aus dem schwäbischen Bad Friedrichshall im Januar 2012 für 1206 Euro erwirbt. Der gelernte Industriekaufmann behauptet, in dem großen Paket hätten sich bei Zustellung anstatt des Fernsehers nur Spanplatten befunden. Diesen Umstand meldet er noch am gleichen Tag dem Absender.

Vor der Strafkammer macht der Händler eine detaillierte und glaubhafte Aussage. Der 48-jährige Elektromeister: „Die Sache kam mir und meinen Mitarbeitern von Anfang an sehr mysteriös vor. Wir haben uns als erstes den DPD-Fahrer vorgeknöpft. Dann bin ich ins Verteilzentrum nach Heilbronn, wo mir der Logistikablauf ausführlich erklärt wurde, sich aber keine Hinweise auf einen Diebstahl finden ließen.“ Er erstattet Anzeige gegen unbekannt. Um seinen guten Ruf beim Kunden nicht zu gefährden und um selbst zu sehen, was das wohl für ein „Typ“ ist, fährt er am nächsten Tag nach Rodgau und bringt dem Angeklagten ein neues Fernsehgerät - was dieser dankend entgegennimmt.

Kurze Zeit später kommt die nächste Überraschung: Da das Gerät nicht über alle versprochenen Hardware-Audio-Anschlüsse verfügen soll, will es der Kunde zurückgeben. Mit „Jetscht stinkts ganz gewaltig“ beschreibt der Schwabe seine damalige Reaktion auf die Reklamation. Trotzdem stimmt er einer Rücknahme zu. Danach habe er nie wieder Kontakt zu dem merkwürdigen Kunden gehabt.

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Dieser behauptet indes etwas ganz anderes: „Einige Tage nach Rückgabe des TV-Geräts wurde ich vom gleichen Händler angerufen, er hätte ein drittes Gerät für mich, was ebenfalls eine Retoure sei und ich deshalb für 850 Euro haben könne.“ Er habe in der Zwischenzeit im Internet recherchiert und herausgefunden, dass der fehlende Audioanschluss intern über die Programmierung zu belegen sein. Also sei er nun doch wieder an dem Gerät interessiert gewesen und auf das Angebot des Online-Shops eingegangen. Der habe ihm das Gerät mit der Originalrechnung, die an den ersten Kunden in Köln adressiert gewesen sei, zugesandt. „Wegen der Garantie“, behauptet der Rodgauer.

Diese Rechnung, die ihn nun als legitimen Besitzer des Geräts ausweisen soll, legt er dem Gericht vor, sie bringt aber nicht den erwünschten Effekt. Denn am 27. April 2012 wird im Zuge des Ermittlungsverfahrens dieser Fernseher von der Polizei sicher gestellt, der mit Sicherheit nie in einem Kölner Wohnzimmer stand: Das Gericht findet nämlich heraus, dass das Corpus Delicti in der Asservatenkammer die gleiche Seriennummer hat wie die allererste, angeblich durch Spanplatten ersetzte „Glotze“. Auch die davor letzte, fünf Jahre zurück liegende Verurteilung des Rodgauers erfolgte wegen eines Betrugsdelikts. Es betraf ebenfalls den Internet-Handel über Ebay. Damals soll der 46-Jährige einen einseitigen Handel mit Dampfreinigern und Bügeleisen geführt haben: Die Kunden zahlten, bekamen aber keine Ware geliefert.

Quelle: op-online.de

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