Rotstift an der Schule

Jügesheim - Die Georg-Büchner-Schule (GBS) muss ihren Unterricht am Computer künftig einschränken. Auf die versprochenen „Activboards“, elektronische Schultafeln, wartet die Jügesheimer Gesamtschule vergebens.

Das nährt Zweifel: Geht es bei der technischen Ausstattung der Schulen im Kreis Offenbach wirklich gerecht zu?

Die Rotstiftbeschlüsse aus dem Dietzenbacher Kreishaus machen den Schulen zu schaffen. Besonders stark ist der Einschnitt bei der Ausstattung mit Computertechnik. Gab es bisher für jeweils fünf Schüler einen PC (1:5), so soll sich die Zahl nun auf 1:9 verschlechtern. „Wir müssen 24 Computer abgeben“, sagt GBS-Schulleiter Winfried Döring. Die Schule werde sich notgedrungen von einem Laptopwagen trennen, der bisher einen unkomplizierten PC-Einsatz im Unterricht aller Fächer ermöglicht.

Ein PC für je neun Schüler

Ein PC für je neun Schüler sei „noch mehr als der Landesdurchschnitt“, sagte Landtagsvizepräsident Frank Lortz, als er jetzt die Schule besuchte. Lortz ist nicht nur Landespolitiker, sondern sitzt für die CDU auch im Kreisausschuss des Kreises Offenbach. Der Kreis hat mehr als eine Milliarde Euro Schulden und hofft auf Entlastung durch den Rettungsschirm des Landes Hessen. Da bleibe wenig Spielraum, sagte Lortz. Er versprach dennoch, sich für die GBS einzusetzen. Die Landespolitik solle die Schulen in Ruhe arbeiten lassen, statt ständig die Bildung neu zu erfinden.

Auch die Ausstattung mit „Activboards“ lässt zu wünschen übrig. „Sie sind uns mehrfach versprochen worden, aber sie wurden nicht geliefert“, so Schulleiter Döring. Nebenan in der Carl-Orff-Schule baute der Kreis Offenbach in alle Klassenzimmer elektronische Tafeln ein. Auch in der Geschwister-Scholl-Schule Hainhausen feierte der Schulträger das „Ende der Kreidezeit“. In der GBS waren die Wünsche bescheidener: Sie wollte lediglich ihre naturwissenschaftlichen Fachräume und die Computerräume mit dieser neuen Technik ausrüsten. Vize-Schulleiter Volker Hildebrandt: „Wir wollten erst einmal abwarten, wo es sinnvoll ist. Und jetzt sind wir die Dummen.“

Zweierlei Maß

Zweierlei Maß gilt auch bei der Wartung der teuren Geräte. Während die Computer in der Verwaltung unter der Obhut einer Fachfirma stehen, müssen die Lehrer ihre Unterrichts-PCs samt Netzwerk selbst in Schuss halten. Andere Schulen haben dafür einen Wartungsvertrag, wie Schulleiter Döring weiß. „Mich ärgert, dass der Schulträger die vorhandenen EDV-Mittel und ihre Verwendung nicht transparent macht. Jede Schule hat Angst, dass die anderen besser ausgestattet sind.“

Mit anderen Arbeitsbedingungen ist die Schulleitung zufrieden. Döring bezeichnete die Lehrerversorgung als „okay“. Allerdings fehlten ausgebildete Förderschullehrer, um die gesetzliche Vorgabe der Inklusion zu erfüllen. Der Schulförderverein organisiere ein verlässliches Nachmittagsangebot für mehr als 50 Kinder. „Hochzufrieden“ äußerte sich Döring über das Gebäudemanagement von Hochtief.

eh

Quelle: op-online.de

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