Spaß als Schlüssel zur Seele

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„Glücksbringer“ nennt „Wölkchen“ die Seifenblasen, die sie für ihr Publikum produziert. Wer sie fängt, der darf sich etwas wünschen. Im Gretel-Egner-Haus erläutert die Clownin am Sonntag beim Tag der offenen Tür ihre Arbeit.

Dudenhofen - (bp) „Freut Euch des Lebens!“, schmettert Monika Schloz aus voller Brust. Und fordert ihre Tischnachbarn zum Mitsingen auf. Doch ob dieser Appell und das bekannte Stimmungslied bei der auf den ersten Blick passiven Gruppe überhaupt ankommen, erschließt sich nur geübten Beobachtern.

Monika Schloz singt im Senioren- und Fachpflegezentrum Gretel-Egner-Haus für Menschen, die an Altersdemenz leiden. Schon lange haben sie sich unfreiwillig weitgehend in ihr Inneres zurückgezogen. Wohl nur Vertraute erkennen bei diesen Heimbewohnern Anteilnahme und Verstehen.

Verkleidet als Clownin „Wölkchen“ und ausgerüstet mit Akkordeon, Handpuppen und anderen Spaß-Accessoires versucht die 40-jährige Mühlheimerin die Tür zu dieser Welt des durch Krankheit erzwungenen Vergessens wenigstens für kurze Momente aufzuschließen. Humor und Musik sind ihre Schlüssel.

Fakten

Der Begriff Demenz (lateinisch dementia, „ohne Geist“) beschreibt den Verlust bereits erworbener Fähigkeiten - meist wegen einer Erkrankung des Gehirns.

Vor allem sind Kurzzeitgedächtnis, Denkvermögen, Sprache und Motorik betroffen.

Die häufigste Form der Demenz ist die Alzheimer-Krankheit.

Oft kann man nur ganz kleine Reaktionen wecken. Zum Beispiel, wenn jemand im Takt der Musik mit dem Fuß zu wippen beginnt. Aber auch ein Festhalten der Hand ist schon ein großer Erfolg“, beschreibt die in Italien und der Schweiz ausgebildete Clowntherapeutin ihre Arbeit der kleinen Schritte.
Im Egner-Haus ist sie alle 14 Tage ein gern gesehener Gast. Dann wandelt sich die Frau, die in Paris an einer renommierten Schule das Theaterspielen sowie modernen und klassischen Tanz gelernt hat, in eine Clownin für die Seele und besucht drei Stunden lang Demenzkranke, die bettlägerig sind. Oder sie macht vor Gruppen Späße und Musik - Wunschkonzerte inbegriffen.

Programm

Das Gretel-Egner-Haus öffnet sich am Sonntag, 28. Juni, an der Feldstraße 39 von 14 bis 19 Uhr.

Der Heimbeirat, ehrenamtliche Mitarbeiter, Besuchsdienstkreise und Dienstleister stellen sich vor. Um 15 und 17 Uhr finden Vorträge über Demenz statt.

Clowntherapeutin „Wölkchen“ stellt sich von 14 bis 16 Uhr vor.

Beliebt sind beim Publikum ihre Handpuppen „Dr. Bär“ und „Herr Giro“. Monika Schloz bezeichnet sie als „Brückenbauer“ und „Herzensöffner“ und erläutert: „Einer Puppe kann man viel leichter etwas sagen, als zum Beispiel mir direkt ins Gesicht.“
Gut kommt auch das Spiel mit den „Glücksbringern“ an: Seifenblasen, die von den Bewohnern in der Luft gefangen werden müssen. „Wenn‘s klappt, darf man sich etwa wünschen.“

Lesen Sie auch das Interview mit Monika Schloz.

Seit 2007 sind die Besuche von „Wölkchen“ fester Bestandteil im Programm des Gretel-Egner-Hauses, das sich an diesem Sonntag mit seinem „Tag der offenen Tür“ einem breiten Publikum präsentiert (siehe gelben Kasten). Zu den therapeutischen Schwerpunkten zählen dort auch regelmäßige Visiten von Hundehaltern aus Offenbach mit ihren Dackeln „Wanda“ und „Paul“, die Sitzgymnastik, diverse Veranstaltungen des Teams, Singstunden mit Magda Jäger, eine Kegelrunde, Gottesdienste, Bingo und Märchenstunden mit Christian Mayer-Glauninger.

Quelle: op-online.de

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