Spaziergänger plündern Bäume leer

Rodgau (eh) - Süße, rotbackige Äpfel, saftig und knackfrisch vom Baum – wer kann da schon widerstehen? Zumal, wenn sie direkt neben dem Feldweg zum Pflücken einladen. Für den Mundraub an Wegesrand haben viele Obstbaum-Besitzer kein Verständnis mehr.

„Die Wilderei auf Streuobstwiesen greift um sich“, berichtet die Streuobst-Kooperative Rodgau.

Im Einzelfall seien unerwünschte „Erntehelfer“ kein Problem, stellten die Mitglieder der Kooperative auf ihrer jüngsten Sitzung am Dienstag vergangener Woche fest. Leider gebe es jedoch sehr viele dieser „Erntehelfer“, und nach einem üppigen Sonntagnachmittagsbesuch seien oft ganze Bäume leer.

Keine Achtung vor Eigentum

Beim Pflücken fallen oft auch andere Äpfel ab. Zudem werden Stangen, Latten oder Äste benutzt, um die weiter oben hängenden Früchte herunterzuschlagen. Dabei können Äste brechen. Die Obstwiesen-Besitzer vermissen die Achtung vor ihrem Eigentum.

Die Streuobst-Kooperative ist ein loser Zusammenschluss von Einzelpersonen. Sie wird getragen vom Naturschutzbund Rodgau und dem Verein Heimat, Geschichte und Kultur in Dudenhofen. Beide Vereine wollen den Streuobstbauern damit eine informelle Plattform geben, um Probleme zu besprechen und Lösungen zu finden.

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Anschlag mit der Kettensäge

Anlass zu einer emotionalen Diskussion gab der jüngste Fall von Baumfrevel in Nieder-Roden, bei dem etwa 20 Obstbäume mit der Motorsäge zerstört wurden. Im Alltag müssen sich die Obstbauern mit uneinsichtigen Hundehaltern oder Obstdieben beschäftigen. Hunde koten die Wiesen voll, stören das Biotop und fallen die Besitzer an. In einem extremen Fall wurde berichtet, dass ein Hundehalter seinen Rottweiler auf den Obstbauern hetzte. Eine Anzeige war die Folge.

Aktuelle Ernte wird geringer ausfallen als in Vorjahren

Streuobstwiesen sind auch ein Lebensraum für Tiere. Sogar Steinkäuze und Falken brüten dort. In den Bauminseln leben auch Igel, Fasanen, Hasen, Frösche oder Meisen, die auf den landwirtschaftlichen Nutzflächen keine Deckung finden. Die Bewohner der Biotope sorgen auch für eine weitgehend selbstständige Regulierung des Schädlingsbefalls. Menschen müssen jedoch eingreifen, wenn sich Schädlinge zu stark entwickeln - wie im vergangenen Jahr, als es auf einzelnen Äckern zu einer Mäuseplage kam und die Bäume durch Wurzelfraß bedroht waren.

Die aktuelle Ernte wird geringer ausfallen als in den Vorjahren. Deshalb sind keine gemeinsamen Arbeiten notwendig, um die Ernte einzubringen und zu verarbeiten. Die Mitglieder der Streuobst-Kooperative wollen einen Teil ihrer Früchte an den Naturschutzbund spenden, der sie beim Kelterfest am 3. Oktober zu Saft verarbeitet.

Gemeinsam wollen die Baumbesitzer junge Bäume kaufen, um Lücken auf den Äckern zu füllen. Beim nächsten Treffen im November geht es um die bevorstehende Pflanzaktion.

Quelle: op-online.de

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